Woanders gelesen: Angst und Panik und Covid-19

Ketzerische Gedanken zum Wochenanfang

Panik

Wir werden gegenwärtig zugedeckt mit Berichten und Vorhersagen für Worst-Case-Szenarien. Nicht nur der höchst erdenkbare gesundheitliche Super-Gau wird uns von den Medien vorgeführt.
Da sehen wir Berichte aus italienischen und französischen Krankenhäusern, die nichts als furchterregend sind. In den Medien überbietet man sich mit Bildern von in unendlichen Reihen angeordneten Särgen, von Militärkolonnen, die Leichen abtransportieren.
Man stellt pietätlose Schilderungen auf Titelseiten, wie zum Tode geweihte Patienten angeblich ihr Ableben – wie Ertrinken! – durchleiden.
Unmanierlich wird geschildert, wie in Ermangelung von Beatmungsgeräten jetzt zu quasi staatlich angeordneter Sterbehilfe mittels Morphium und Schlafmitteln gegriffen wird.
„Seriöse“ Zeitungen lassen sich dazu herab, dann auch noch Albernheiten wie angeblich gesteigerte Todesraten durch Home-Office hinaus zu posaunen, um das Katastrophenempfinden auch noch auf „Nebenkriegsschauplätzen“ zu befeuern.
Auch sich gerne als kritisch und angeblich auf dem Boden von Wissenschaftlichkeit sich bewegende Blogs – alternative Medien!? – geben sich reißerischen Schlagzeilen hin wie „Italien: der Tod wächst exponentiell“ – unterlegt noch mit Bildern von Massengräbern im Iran.

Cui bono – wem nützt das?

Die Medien sonnen sich in ihrer Wichtigkeit und erfahren vom Volk ein bisher nie so gekanntes Vertrauen.
Die jetzt einmal mehr von den Medien umsorgten Politiker erlauben sich, peu a peu bis dato definitive Freiheits- und Grundrechte auszuhebeln und im Nebeneffekt damit ihre Machtpositionen zu erweitern.
Experten können sich in ihrem Expertentum wälzen und ein Virologe (bis vor einiger Zeit kannten die Meisten diese Benennung wohl gar nicht), ein Mann mit Zottelfrisur und schiefem Mund ( – das ist gewiss unsachlich – ), der nur sein „Technolekt“ beherrscht, wird zum „einflussreichsten Mann Deutschlands“ ausgerufen.
Dazu ein Tierarzt, der wahrscheinlich nie einen Menschen hat sterben sehen oder beim Sterben begleitet hat, kann sich anmaßen, Todes-Szenarien zu phantasieren, mit welchen ihm Politiker und Medien wohlfeil auf den Leim gehen.

Diese Experten verbreiten die angebliche Gewissheit eines „Totalwissens“, das unweigerlich mit der „ihm folgenden Totalplanung zu wachsendem Chaos führt, zur Vernichtung der lebendigen Ordnung und ihren Ersatz durch terroristisch-mechanische Ordnung“, wie es Karl Jaspers dachte*.
Erleben wir das nicht gegenwärtig?

Das alles, was nicht nur aus Italien, Frankreich und anderswo berichtet wird, ist in der Einzelangabe gewiss entsetzlich.
Doch was machen diese so sensationsgeil gesteuerten „Informationen“ mit den Menschen?
Diese im Stundentakt über die Medien wiedergegebenen Horrorzahlen über neu Infizierte und Tote hier und in der Welt?
Sie können und sollen Angst erzeugen, mit denen dann die neue, staats-terroristisch-mechanische Ordnung gerechtfertigt werden kann.
So warnen denn schon Verfassungsrechtler „vor einem faschistoid-hysterischen Hygienestaat“.

Auf derselben Zeitungsseite warnt man aber im Blick auf die „exponentiell“ steigenden Horrorzahlen davor, dass „Der Wochenend-Effekt … eine trügerische Hoffnung“ vermittelt und man sich auf weiteres Absterben einstelle.
Man delektiert sich Tag für Tag an scheinbar ins unendliche reichenden Statistikkurven, und keine Postille vermag auf solche Darstellungen verzichten.

Angst führt nicht nur bei Einzelnen dazu, dass man die tatsächliche Bedrohung überschätzt und die eigene Fähigkeit, diese zu bewältigen unterschätzt.

Anscheinend können sogar auch angebliche „Macher“ unter den Politikern zum Opfer dieses „Psychoterrors“ werden.
Durch den Psychoterror oder durch Fakten?
So meldete die FAZ am Samstagabend, dass sich der 54-jährige hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) das Leben genommen hat. In einer ersten Meldung der FAZ hieß es:
„Wie aus Ermittlerkreisen zu hören war, hat Schäfer einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin habe er die Gründe für seinen Suizid genannt. Dem Vernehmen nach soll Schäfer darin von einer „Aussichtslosigkeit“ gesprochen haben, die er gesellschaftlich, aber auch bezogen auf die wirtschaftliche Lage des Landes sehe. Diese Aussichtslosigkeit habe er unter anderem konkret auf die derzeitige Situation bezogen, die ihm offenbar „zu schaffen“ gemacht habe.“

Die Menschen werden in Angst und Panik versetzt. Und Panikreaktionen sind für den Betroffenen wie für seine Umgebung etwas sehr Unschönes. Bei Überschreiten einer individuellen Erträglichkeitsgrenze kommt es zu kopflosen Verhaltensweisen, bei denen zudem in einem „blinden Bewegungssturm“ dann oft reale Möglichkeiten zur Hilfe außer acht gelassen werden. Steigende Suizidraten – wie auch schon früher allein bei wirtschaftlich bedingten „Katastrophenlagen“ beobachtet – verdeutlichen dies (s.u.).

Mit Erstaunen nimmt man aber zur Kenntnis, dass die Masse des Volkes – hier und auch in anderen Ländern – das alles anscheinend (noch) mit stoischer Ruhe und Gelassenheit zur Kenntnis nimmt und scheinbar erträgt. Ausnahmen, wie die wegen unzureichender Klopapierversorgung ausflippende Person, bestätigen die Regel.
Haben wir es mit einer glücklicherweise wenig neurotischen, lebensstarken Gesamtheit zu tun? Oder mit einer vom Corona-Wolf eingeschüchterten und folgsamen Schafherde, die sogar das Blöken eingestellt hat?


Corona-Leugner

Ich geselle mich mal einmal zum Kreis der „Corona-Leugner“.

Gerald Grosz verkündet in seinem Beitrag vom 28. März:

„Jährlich sterben weltweit circa 640.000 Menschen an der saisonalen Grippe. Im Winter 2016/2017 beispielsweise wurden in Italien nicht weniger als 25.000 Grippetote registriert, jährlich sterben in Österreich mehr als 2.000 Personen an der Influenza oder ihren Folgewirkungen. Und gerade im Hinblick auf das expertenhafte Kaffeesud-Lesen von Politikern und ihren intellektuellen Stützrädern aus der Fachwelt, täglich verkündet in den anmutenden Kriegspressekonferenzen, sind Vergleiche nicht nur legitim, sondern geboten. Im vollen Wissen um diese unverbrüchlichen Zahlen und Fakten wird all jenen kritischen Geistern, die im Rahmen des weltweit ausgerufenen hypochondrischen Notstandes Besonnenheit und Augenmaß einfordern der neue, ja gleichsam autoritär verkündete Maulkorb „Corona-Leugner“ entgegengeschleudert.
Nach dem Klimawandelleugner, gerichtet an all jene, die sich von einer 17jährigen apokalyptischen Reiterin des Weltuntergangs nichts diktieren lassen wollen, haben ausgewählte Vertreter ihrer eigenen subjektiven Wahrheit ein neues Totschlagsargument gegen jegliche Vernunft und einen aufgeklärten, kritischen Diskurs entwickelt.“

Es war ja zu erwarten, nach den Erfahrungen mit der „menschgemachten Klimakatastrophe“ nach dem „Klimaleugner“ ein gleichwohl stigmatisierender Begriff für die „Coronakrise“ geschaffen wurde.
Wir erinnern uns, wer zu diesen „Leugnern“ zu rechnen ist.
Der britische Premier Johnson zählte dazu, bis er gleichwohl durch die „Macht der Fakten“ bekehrt wurde, wie auch dieser „unsägliche“ Trump. Nur der brasilianische Präsident versagt sich immer noch den Einsichten, gebärdet sich weiterhin als der letzte Corona-Leugner unter den Staatsmännern.
Wie nicht anders zu erwarten wurde hierzulande die gesamte AfD als „Corona-Leugner-Partei“ ausgemacht. Und die so ständig widerborstige Vera Lengsfeld darf sich auch mit diesem Titel schmücken.

Wichtiger müssten uns jedoch die Wissenschaftler und Ärzte sein, die mit ihrem Skeptizismus und – ich unterstelle – einer durchaus gleichfalls rationalen Herangehensweise, wie sie die Virologen für sich reklamieren, für Aufsehen, ja Aufregung, sorgen.
Am bekanntesten wurden über die alternativen Medien die Ärzte und Wissenschaftler Wolfgang Wodarg und Sucharit Bhakdi, deren Statements scheinbar so provokant wirkten, dass sie gar von den Staatsmedien einem „Faktencheck“ unterzogen wurden.
Was bei diesen „Checks“ auffällt, wird z.B. bei den von Wodarg vorgebrachten Zahlen zu bekannten Grippe-Epidemien und den Sterbezahlen gar nicht versucht, diese zu widerlegen, man verweist einfach nur auf die angeblich überragenden Erkenntnisse der Autoritäten wie Drosten und Wieler.

Wie man angeblich „objektiv“ mit Zahlen umgeht, beweist diese Aussage über die Zahl von 25.000 Grippetoten in der Saison 2017/2018 beim „Faktencheck“ der Tagesschau:

„…weiterhin ist die Zahl von geschätzt 25.000 Grippetoten eine absolute Ausnahme, die Grippewelle 2017/18 war ungewöhnlich heftig. Das RKI betont, so eine hohe Zahl sei sehr selten, in anderen Jahren gab es lediglich einige hundert Fälle.“

Was wiederum nicht stimmt, denn in allen bisher registrierten Jahren gab und gibt es Grippeopfer im fünfstelligen Bereich.

Lügenpresse – oder etwa nicht?

Ein gängiges Argument in unserem Zusammenhang lautet:

„Die Virologen wissen, dass der Coronavirus Sars-CoV-2 anders und gefährlicher ist als frühere Coronaviren. Und die Klimatologen kennen die Unterschiede zwischen natürlichen Klimaveränderungen der Erdgeschichte … und der modernen globalen Erwärmung.“

Faktenfindende Reporter schreiben über die Skeptiker:

„Angebliche Experten wie Wodarg kosten Andere viel Zeit und Nerven … Den Besserwissern und angeblichen Experten ist es letztlich egal, wo sie ihre vergifteten Thesen verbreiten können. Schnell greifen viele der so genannten alternativen Medien zu, und unterstützen die „Parias“. Redaktionen mit fähigen WissenschaftsjournalistInnen, wie beim Tagesspiegel oder der Süddeutschen Zeitung erkannten die Fehler in den Erläuterungen und boten Wodarg keine Bühne für einen Artikel.“

Wo Tagesspiegel und SZ im wissenschaftlichen Panorama angesiedelt sind und wo sich „fähige WissenschaftsjournalistInnen“ tummeln, weiß man inzwischen aber auch. Aber alles Andere, als das von dort ausgehustete, ist „Wissenschaftsleugnung“.

PI-News ist ein Medium, dem man nicht unbedingt in allem folgen möchte. In einem aktuellen Artikel liefert PI denn Hinweise auf einen neuen Leugner aus der Ärztezunft namens Dr. Bodo Schiffmann. Der Mann – sinnigerweise Leiter einer „Schwindelambulanz“ – weist auf Sachverhalte hin, die er aus renommierten, nicht einfach abzutuenden Quellen wiedergibt. So auf den neuesten europäischen Monitoringbericht zur Gesamtsterblichkeit vom 26. März und auf einen aktuellen Artikel des New England Journal of Medicine, der weltweit führenden medizinischen Fachzeitschrift. In der neuesten Ausgabe vom 26. März 2020 heißt es:

„(…) Dies deutet darauf hin, dass die klinischen Gesamtfolgen von COVID-19 letztlich eher denen einer schweren saisonalen Grippe (mit einer Todesfallrate von etwa 0,1%) oder einer pandemischen Grippe wie 1957 und 1968 ähneln, als einer Krankheit wie SARS oder MERS (…)“

Da sind wir einmal gespannt, was die „Faktenfinder“ daraus machen. Es wird wohl heißen, dass SARS oder MERS mit COVID-19 nicht zu vergleichen seien. Das Video dieses „Defraudanten“ wurde schon mal vorsorglich abgeschaltet, kann aber derzeit noch hier aufgerufen werden.

Nochmal Gerald Grosz:

„Trotz des Wissens um diese Zahlen und der Weisheit, dass Leben eben zum Tode führt, haben Regierungen, von Angst und Panik getrieben, auf kurzfristige Umfragen in Krisensituationen schielend, der Welt das Licht ausgeblasen, das gesamte Leben in einer noch nie dagewesenen Vollbremsung zum Stillstand gebracht, Grundrechte ausgehöhlt, lösen mit diesem Chaos wahrscheinlich die größte Weltwirtschaftskrise seit Menschengedenken aus …
Angeblich haben einer Studie des Londoner Imperial College zufolge zwischen 2008 und 2010 mehr als 500.000 Menschen an den Folgen der Weltwirtschaftskrise ihr Leben gelassen.“

Mein Resümee

Wenn ich nach diesem Sonntag, dem 29. März 2020, so alles, was ich gelesen und nachgedacht habe, Revue passieren lasse, darf ich feststellen:

Mein Glauben an Vernunft und Wissenschaftlichkeit als lenkende Anstöße von Entscheidungen durch Politiker und deren Informanten ist einmal mehr beschädigt.

Wenn Skeptiker nahezu zu Menschheitsfeinden, oder auch im harmlosesten Fall nur zu Ignoranten stilisiert werden, ist Wissenschaftlichkeit am Ende angelangt.

Wenn das, was eine Handvoll Politiker und Wissenschaftler über die Medien verbindlich machen, zur „Massenvernunft“ werden sollte, bedarf es keiner (subsidiären) Selbstbestimmung und Eigenverantwortung mehr.
Von Demokratie – von unseren Eliten ohnehin als Herrschaft des Pöbels gesehen (Ochlokratie) – braucht man dann ebenfalls nicht mehr zu sprechen.

Das Erzeugen von Angst und Panik kann gleichgesetzt werden mit gelenkter Todessehnsucht und Suizidalität, ohne das dafür jemand die Verantwortung übernehmen will.

Die vorgegeben humanitären Motive der Akteure führen in ihrer Konsequenz so oder so zu humanitären Katastrophen – dabei unter der seit je fragwürdigen Prämisse, der Zweck heilige die Mittel.

Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

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   Panik [grch., nach dem Hirtengott ->Pan] die, eine angstvolle, >kopflose< Erregung, die bei plötzlich und unerwartet hereinbrechender Gefahr (sei sie nun tat sächlich oder nur vermeintlich vorhanden) bei einzelnen oder einer Gruppe auftritt. Charakteristisch ist der >Bewegungssturm<, eine chaotische und sinnlose Überproduktion von Bewegungen und Fluchtreaktionen bei lahmgelegter rationaler Kontrolle. In größeren Menschenmengen verbreitet sich die P. durch psychische-Infektion (- Ideorealgesetz, – Masse). Förderlich für das Auftreten von P. sind innere Unsicherheit der beteiligten Personen und Unklarheit der Lage.
Brockhaus Enzyklopädie 1974

* Karl Jaspers in „Vernunft und Widervernunft in unserer Zeit“ – München 1950

 

 

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Angst und Panik und Covid-19

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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Eine Antwort zu Woanders gelesen: Angst und Panik und Covid-19

  1. Uranus schreibt:

    Welche konkreten Folgen die Krise – eine Krise ist es auf jeden Fall – haben wird, das läßt sich konkret kaum vorhersagen. Daß aber der Coronakrise eine Wirtschaftkrise folgen wird, bzw. die Kisen fließend ineinander übergehen werden und in eine Depression münden, das halte ich für wahrscheinlich. Das heißt aber nicht, daß die (mögliche) Wirtschaftskrise alleine durch die Coronakrise verursacht würde. Die Grundlagen für eine monumentale Wirtschaftkrise/Depression wurden viele, viele Jahre, ach was, Jahrzehnte vor der Coronakrise gelegt. Die Finanzkrise 2007/8/9 war ein erster deutlicher Warnschuß, der auf die lange vor 2007 gelegten Grundlagen einer größeren Krise hingewiesen hatte. Wie nicht anders zu erwarten, wurden diese Warnungen aber nicht zum Anlaß genommen, das bisherige Finanz-, Banken- und Wirtschaftsystem einer ernsthaften Revision zu unterziehen, sondern es wurde stattdessen noch mehr Gas in die falsche Richtung gegeben. Wie sich das konkret ausgeht, das werden wir sehen. Für mich selbst gilt, daß ich keine Angst habe und auch nicht gedenke, mir eine solche von Dummköpfen und Unfähigen einjagen zu lassen.

    Grundsätzlich kann ich mir aber eine mögliche Veränderung nach der Krise / den Krisen vorstellen. Viele Menschen werden die Verteilung des individuellen Vertrauens neu regeln (müssen).

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