Zum Kalenderblatt 16. April/Launing: Wider die mörderischen Rotten der Bauern

Martin Luther

Widder die stürmenden bawren

[357] Im vorigen buchlin thurste ich die bauren nicht urteylen, weyl sie sich zu recht und besser unterricht erbotten, Wie denn Christus gepeut, man solle nicht urteylen, Matt. 7. Aber ehe denn ich mich umbsihe, faren sie [Rand: Matth. 7, 1] furt und greyffen mit der faust dreyn, mit vergessen yhrs erbietens, rauben und toben und thun wie die rasenden hunde, Dabey man nu wol sihet, was sie ynn yhrem falschen synn gehabt haben, und das eyttel erlogen ding sey gewesen, was sie unter dem namen des Euangeli ynn den zwelff artickeln haben furgewendet, Kurtz umb, eyttel teuffels werck treyben sie, Und ynn sonderheyt ists der ertzteuffel, der zu Mölhusen regirt und nichts denn raub, mord, blutvergissen anricht, wie denn Christus Johan. viij. von yhm sagt, das er sey eyn morder von anbegynn. Nu denn [Rand: Joh. 8, 44] sich solche bawrn und elende leute verfuren lassen und anders thun, denn sie geredt haben, mus ich auch anders von yhnen schreyben und erstlich yhre sunde fur yhre augen stellen, wie Gott Esaia und Ezechiel befelht, ob sich etlich erkennen wollten, Und darnach der welltlichen oberkeyt gewissen, wie sie sich hyrynnen hallten sollen, unterrichten.

Dreyerley grewliche sunden widder Gott und menschen laden dise bawrn auff sich, dar an sie den todt verdienet haben an leybe und seele manichfeltiglich: Zum ersten, das sie yhrer oberkeyt trew und hulde geschworen haben, unterthenig und gehorsam zu seyn, wie solchs Gott gebeut, da er spricht: ›Gebt [Rand: Luk. 20, 25] dem Keyser, was des Keysers ist.‹ Und Ro. 13: ›Iderman sey der oberkeyt [Rand: Röm. 13, 1] unterthan‹ etc. Weyl sie aber disen gehorsam brechen mutwilliglich und mit frevel und dazu sich widder yhre herren setzen, haben sie da mit verwirckt leyb und seel, als die trewlose, meyneydige, lugenhafftigen, ungehorsamen buben und bosewicht pflegen zu thun, darumb auch S. Paulus Ro. 13. eyn solch [Rand: Röm. 13, 2] urteyl uber sie fellet: ›Wilche der gewalt widder streben, die werden eyn gericht[358] uber sich uberkomen, Wilcher spruch auch die bawrn endlich treffen wird, es geschehe kurz odder lange, denn Gott will trew und pflicht gehalten haben.‹

Zum andern, das sie auffrur anrichten, rauben und plundern mit frevel kloster und schlosser, die nicht yhr sind, da mit sie, als die offentlichen strassen reuber und morder alleyne wol zwyffeltig den tod an leib und seele verschulden, Auch eyn auffrurischer mensch, den man des bezeugen kan, schon ynn Gotts und Keyserlicher acht ist, das, wer am ersten kan und mag den selben erwurgen, recht und wol thut, Denn uber eynen offentlichen auffrurigen ist eyn iglicher mensch beyde ober richter und scharffrichter, gleich als wenn eyn feur angehet, wer am ersten kan leschen, der ist Der best, denn auffrur ist nicht eyn schlechter mord, sondern wie eyn gros feur, das eyn land anzundet und verwustet, also bringt auffrur mit sich eyn land vol mords, blutvergissen und macht widwen und weysen und verstoret alles, wie das allergrossest ungluck. Drumb sol hie zuschmeyssen, wurgen und stechen heymlich odder offentlich, wer da kan, und gedencken, das nicht gifftigers, schedlichers, teuffelischers seyn kan, denn eyn auffrurischer mensch, gleich als wenn man eynen tollen hund todschlahen mus, schlegstu nicht, so schlegt er dich und eyn gantz land mit dyr.

Zum dritten, das sie solche schreckliche, grewliche sunde mit dem Euangelio decken, nennen sich Christliche bruder, nemen eyd und hulde und zwingen die leutte, zu solchen greweln mit yhnen zu halten, da mit sie die aller grosten Gottslesterer und schender seynes heyligen namen werden und ehren und dienen also dem teuffel unter dem scheyn des Euangelij, daran sie wol zehen mal den tod verdienen an leib und seele, das ich hesszlicher sunde nie gehoret habe, Und achte auch, das der teuffel den iungsten tag fule, das er solch unerhorte stuck furnympt, als solt er sagen: Es ist das letzte, drumb soll es das ergste seyn, und will die grundsuppe růren und den boden gar ausstossen, Got wölle yhm weren. Da sihe, wilch eyn mechtiger fürst der teuffel ist, wie er die wellt ynn henden hat und ynneynander mengen kan, Der so bald so viel tausent bawrn fangen, verfüren, verblenden, verstocken und empören kan und mit yhn machen, was seyn aller wütigester grym fur nympt.

[Rand: Mose 1. 2] Es hilfft auch die bawrn nicht, das sie furgeben, Gene. 1. und 2. seyen alle ding frey und gemeyne geschaffen, und das wyr alle gleych getaufft sind. Denn ym newen Testament hellt und gillt Moses nicht, Sondern da steht unser meyster Christus und wirfft uns mit leyb und gut unter den Keyser [Rand: Luk. 20, 25] und welltlich recht, da er spricht: ›Gebt dem Keyser, was des Keysers ist.‹ So[359] spricht auch Paulus Ro. 12. zu allen getaufften Christen: ›Yderman sey [Rand: Röm. 13, 1] der gewallt unterthan.‹ Und Petrus: ›Seyt unterthan aller menschlicher [Rand: 1. Petri 2, 13] ordnung.‹ Dieser lere Christi sind wyr schuldig zu geleben, wie der vater vom hymel gebeut und sagt: ›Dis ist meyn lieber son, den höret.‹ Denn die [Rand: Matth. 17, 5] tauffe macht nicht leyb und gut frey, sondern die seelen. Auch macht das Euangelion nicht die güter gemeyn, on alleyne, wilche solchs williglich von yhn selbs thun wöllen, wie die Aposteln und Jůnger Act. 4. thetten, wilche [Rand: Apg. 4, 33 ff.] nicht die frembden güter Pilatis und Herodis gemeyn zu seyn fodderten, wie unser unsynnige bawren toben, sonder yhr eygen güter. Aber unser bawren wöllen der andern frembden gůter gemeyn haben und yhr eygen fur sich behallten, Das sind myr feyne Christen, Ich meyn, das keyn teuffel mehr ynn der helle sey, sondern allzumal ynn die bawrn sind gefaren. Es ist uber aus und uber alle masse, das wueten.

Weyl denn nu die bawren auff sich laden beyde Gott und menschen und so manchfeltiglich schon des tods an leyb und seele schuldig sind und keyns rechten gestehen noch warten, sondern ymer fort toben, mus ich hie die welltliche oberkeyt unterrichten, wie sie hyrynn mit gutem gewissen faren sollen. Erstlich der oberkeyt, so da kan und will, on vorgehend erbieten zum recht und billickeit, solche bawrn schlahen und straffen, will ich nicht weren, ob sie gleich das Euangelion nicht leydet, Denn sie hat des gut recht, Syntemal die bawrn nu nicht mehr umb das Euangelion fechten, sondern sind offentlich worden trewlose, meyneydige, ungehorsame, auffrürissche, mörder, reuber, gottslesterer, wilche auch Heydenissche oberkeyt zu straffen recht und macht hat, ia dazu schuldig ist, solche buben zu straffen, Denn darumb tregt sie das schwerd und ist Gotts dieneryn uber den, so ubels thut Ro. 13. [Rand: Röm. 13, 4]

Aber die oberkeyt, so Christlich ist, und das Euangelion leydet, der halben auch die bawren keynen scheyn widder sie haben, soll hie mit furchten handeln, Und zum ersten die schen Gott heym geben und bekennen, das wyr solchs wol verdienet haben, Dazu besorgen, das Gott villeicht den teuffel also errege zu gemeyner straffe Deutschs lands. Darnach demůtiglich bitten widder den teuffel umb hülffe, Denn wyr fechten hie nicht alleyne widder blut und fleysch, sondern widder die geystlichen bösewicht ynn der lufft, wilche mit gebet můssen angryffen werden. Wenn nu das hertze so gegen Gott gerichtet ist, das man seynen götlichen willen lesst wallten, ob er uns wölle odder nicht wölle zu Fůrsten und herren haben, soll man sich gegen die tolle bawren zum uberflus (ob sie es wol nicht werd sind) zu recht und gleichem erbieten. Darnach, wo das nicht helffen will, flux zum schwerd greyffen.

[360] Denn eyn Fürst und herr mus hie dencken, wie er Gottes amptman [Rand: Röm. 13, 4] und seyns zorns diener ist Ro. 13, dem das schwerd uber solche buben befolhen ist. Und sich eben so hoch fur Gott versůndigt, wo er nicht strafft und weret und seyn ampt nicht volfůret, als wenn eyner mördet, dem das schwerd nicht befolhen ist, Denn wo er kan und strafft nicht, es sey durch mord odder blutvergiessen, so ist er schuldig an allem mord und ubel, das solche buben begehen, als der da mutwilliglich durch nachlassen seyns Göttlichen befelhs zu lesst solchen buben, yhre bosheit zu uben, so ers wol weren kan und schuldig ist, Darumb ist hie nicht zu schlaffen. Es gillt auch nicht hie gedult odder barmhertzickeyt. Es ist des schwerds und zorns zeyt hie und nicht der gnaden zeyt.

So soll nu die oberkeit hie getrost fort dringen und mit gutem gewissen dreyn schlahen, weyl sie eyne ader regen kan, Denn hie ist das vorteyl, das die bawren böse gewissen und unrechte sachen haben, und wilcher bawr darüber erschlagen wird, mit leyb und seele verluren und ewig des teuffels ist. Aber die oberkeyt hat eyn gut gewissen und rechte sachen und kan zu Gott also sagen mit aller sicherheyt des hertzen: Sihe, meyn Gott, du hasst mich zum Fůrsten odder herren gesetzt, daran ich nicht kan zweyffeln, Und hasst myr [Rand: Röm. 13, 4] das schwerd befolhen uber die ubelthetter, Rom. 13. Es ist deyn wort und mag nicht liegen, so mus ich solchs ampt bey verlust deyner gnaden ausrichten, so ists auch offentlich, das diese bawren vielfalltig fůr dyr und fur der wellt den tod verdienet und myr zu straffen befolhen. Willtu nu mich durch sie lassen tödten und myr die oberkeyt widdernemen und untergehen lassen, wolan, so geschehe deyn wille, So sterbe ich doch und gehe unter ynn deynem göttlichen befelh und wort und werde erfunden ym gehorsam deynes befelhs und meynes ampts. Drumb will ich straffen und schlahen, so lange ich eyne ader regen kan, Du wirsts woll richten und machen.

Also kans denn geschehen, das, wer auff der oberkeyt seyten erschlagen wird, eyn rechter merterer fur Gott sey, so er mit solchem gewissen streyt, wie gesagt ist. Denn er geht ynn Göttlichem wort und gehorsam. Widderumb was auff der bawren seytten umbkompt, eyn ewiger hellebrand ist. Denn er fůret das schwerd widder Gotts wort und gehorsam und ist eyn teuffels glied. Und obs gleych geschehe, das die bawren oblegen (da Gott fur sey), – Denn Gott sind alle ding můglich, und wyr nicht wissen, ob er vielleicht zum vorlaufft des Jüngsten tags, wilcher nicht ferne seyn will, wölle durch den[361] teuffel alle ordnung und oberkeyt zustören und die wellt ynn eynen wůsten hauffen werffen – So sterben doch sicher und gehen zu scheittern mit gutem gewissen, die ynn yhrem schwerd ampt funden werden und lassen dem teuffel das welltlich reich und nemen dafur das ewige reich. Sölch wunderliche zeytten sind itzt, das eyn Fůrst den hymel mit blutvergissen verdienen kan, bas denn andere mit beten.

Am ende ist noch eyne sache, die billich soll die ober keyt bewegen, Denn die bawren lassen yhn nicht benügen, das sie des teuffels sind, Sondern zwingen und dringen viel frumer leute, die es ungerne thun, zu yhrem teuffelisschen bunde und machen die selbigen also teylhafftig aller yhrer bosheyt und verdamnis, Denn wer mit yhn bewilliget, der fert auch mit yhn zum teuffel und ist schuldig aller ubelthat, die sie begehen und müssens doch thun, weyl sie so schwachs glaubens sind, das sie nicht widder stehen. Denn hundert tödte sollt eyn frumer Christ leyden, ehe er eyn harbreyt ynn der bawren sache bewilliget. O viel merterer kündten itzt werden durch die blutdürstigen bawren und mord propheten. Nu solcher gefangener unter den bawrn sollten sich die oberkeyt erbarmen, Und wenn sie sonst keyne sache hetten, das schwerd getrost widder die bawren gehen zu lassen, und selbs leib und gut dran zu setzen, so were doch dise uberig gros gnug, das man solche seele, die durch die bawren zu solchem teufflisschen verbůndnis gezwungen und on yhren willen mit yhnen so grewlich sündigen und verdampt müssen werden, errettet und hůlffe, Denn solche seelen sind recht ym fegefeur, ia, ynn der hellen und teuffels banden.

Drumb, lieben herren, loset hie, rettet hie, helfft hie, Erbarmet euch der armen leute, Steche, schlahe, wůrge hie, wer da kan, bleybstu drůber tod, wol dyr, seliglichern tod kanstu nymer mehr uberkomen, Denn du stirbst ynn gehorsam göttlichs worts und befelhs Ro. am 13. und ym dienst der liebe, [Rand: Röm. 13, 5 ff.] deynen nehisten zurretten aus der hellen und teuffels banden. So bitte ich nu, flihe von den bawren, wer da kan, alls vom teuffel selbs. Die aber nicht flihen, bitte ich, Gott wöllte sie erleuchten und bekeren. Wilche aber nicht zu bekeren sind, Da gebe Gott, das sie keyn glůck noch gelingen haben můssen. Hie spreche eyn iglicher frumer Christ Amen. Denn das gepett ist recht und gut und gefellet Gott wol, das weys ich. Dunckt das yemand zu hart, der dencke, das untreglich ist auffruhr, und alle stünde der wellt verstörung zu warten sey.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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