Buchvorstellung: Politische Geheimverbände / Abschnitt Krieg, Revolution und Freimaurertum Teil 2

Der Autor Franz Schweyer, * 26. August 1868 in Oberzell; † 10. November 1935 in München, war ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker der Bayerischen Volkspartei und in den Jahren 1921 – 1924 Bayerischer Innenminister. Das Buch “Politische Geheimverbände” erschien 1925 im Herder-Verlag und wurde jüngst wieder neu aufgelegt. Ich werde verschiedene Kapitel die mir wichtig erscheinen in den nächsten Monaten hier veröffentlichen.

Die BVP war von 1919 bis 1933 die stärkste Partei in Bayern und war separatistisch und föderalistisch eingestellt. In ihrem Programm forderte die Partei u. a.:

Zusammenschluß der deutschen Staaten auf föderativer Grundlage ohne Vorherrschaft eines Einzelstaates.

Fritz Schäffer war von 1929 – 1933 Vorsitzender Partei. Nach dem Krieg war er der einzige Finanzminister der BRD (CSU) der ein Guthaben ansparte, 1957 wurde er ins Justizministerium abgeschoben, 1961 schied er aus der Bundesregierung aus.

Nun aber genug der Hintergrundinformation, viel Spaß beim Lesen.

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Die dargelegten freiheitlichen Ideen sind im Freimaurerbund lebendig und wirken; sie drängen langsam, aber stetig ganz zwangsläufig auf das logische Endziel der Entwicklung hin. Und wenn es darauf ankommt, in einem bestimmten Zeitpunkte der historischen Entwicklung zu wählen zwischen einem noch so legitimen, geschichtlich gewordenen Zustande und einer Änderung im Sinne einer freiheitlichen demokratischen Ge­staltung der Dinge, die auf der Linie der freimaurerischen Grund­anschauungen liegt, dann wird der freimaurerische Staatsbürger sein freimaurerisches Herz unter allen Umständen entdecken und seine Loyalität gegen die seitherigen Gesetze und Einrichtungen zu Gunsten der neuen Entwicklung opfern. Selbst die Empörung ist für den Frei­maurer nicht unter allen Umständen ein verwerfliches Vergehen. Schon die „Alten Pflichten“ lassen sich hierüber recht merkwürdig aus. Sie sagen zwar: „Ein Maurer ist ein friedfertiger Untertan gegenüber den bürgerlichen Gewalten“, der „nie an Komplotten und Verschwörungen gegen den Frieden und die Wohlfahrt der Nation“ teilnehmen soll; sie sagen aber auch: „Wenn ein Bruder ein Aufrührer gegen den Staat sein sollte, so darf er nicht in seiner Auflehnung unterstützt werden, so sehr man ihn als einen Unglücklichen bedauern mag; und wenn er keines andern Verbrechens überführt ist, obwohl die staatstreue Bürgerschaft seine Auflehnung verleugnen müßte und sollte, um der jeweiligen Regierung keinen Verdacht oder Grund zu politischem Mißtrauen zu bieten, so kann man ihn nicht aus der Loge stoßen und seine Verbindung mit ihr bleibt unauflöslich.“ Das ist zum mindesten keine bestimmte und unzweideutige Ablehnung gegen den Bestand eines Staates gerichteter Umtriebe. Nimmt man die Auslegung hinzu, die diese Vorschrift in der Praxis und in der Theorie, in Wort und Schrift gefunden hat, so kann man nicht mehr zweifeln, daß der Loge auch die Revolution nicht immer als ein verwerflicher Weg zur Ver­wirklichung der freimaurerischen Grundsätze erscheint (vgl. H. Gruber, Freimaurerei, Weltkrieg und Weltfriede. 2. Aufl., Wien und Leipzig 1917, S. 7). Die englische      Freimaurerzeitung „T h e F r e e m a s o n s C h r o n i c 1 e“ (Jahrg. 1875 I, S. 81) schrieb: „Wenn wir behaupten wollten, daß Freimaurer unter keinen Umständen sich geweigert hätten, gegen eine schlechte Regierung zu den Waffen zu greifen, so würden wir damit nur erklären, daß sie in kritischen Augenblicken, in welchen die Pflicht gegen den Staat im freimaurerischen Sinne Antagonismus gegen die Regierung bedeutet, ihre höchste und heiligste Pflicht ver­letzt hätten. Empörung ist in manchen Fällen eine heilige Pflicht, und nur ein Pharisäer oder ein Narr wird die Ansicht vertreten können, daß unsere Landsleute im Unrecht waren, als sie gegen Jakob II. zu den Waffen griffen. Die Loyalität gegen die Freiheit geht in einem derartigen Falle allen andern Rücksichten vor.“ In der gleichen Zeit­schrift (Jahrg. 1889 I, S. 178) findet sich folgender Satz: „Ein von hohen Idealen beseelter Freimaurer kann, ohne ein Unrecht zu begehen, einen Schlag gegen die Tyrannen führen und sich mit andern ver­bünden, um auf Wegen, die sonst nicht gerechtfertigt sein könnten, die nötige Abhilfe zu schaffen.“ Eine „schlechte Regierung“, eine „Tyrannei“ ist selbstverständlich immer dann gegeben, wenn die Regie­rung den freimaurerischen Grundsätzen nicht entspricht. Der englische Freimaurer und Außenminister Bruder L o r d R u s s e l hat sich im eng­lischen Parlament am 27. Oktober 1860 zu folgender Behauptung ver­stiegen: „Jedes Volk, welches das Verlangen und die Macht hat, sich zu erheben, eine bestehende Regierung zu stürzen und eine ihm besser zusagende zu errichten, hat auch das Recht dazu. Das ist ein un­schätzbares, geheiligtes Recht, welches noch einst die ganze Welt be­freien wird“ (vgl. J. Sigl a. a. 0. S. 19.) Der bayrische Gesandte v. Olry in Bern, der längere Zeit Mitglied einer Berner Loge war, bemerkt in seiner Selbstbiographie: „Die Logen bilden einen geheimen Staat im Staate, bestimmt, die Regierungen entweder zu beherrschen oder zu untergraben und durch Logenmitglieder zu ersetzen“ (vgl. Ewald, Handbuch usw. S. 14). Der französische Minister Bruder Lamartine sagte am 10. März 1848 zu einer Deputation: „Ich kenne die Geschichte der Freimaurerei hinlänglich, um überzeugt zu sein, daß aus dem Schoße ihrer Logen zuerst im Schatten, dann im Halbdunkel, zuletzt im vollen Lichte jene Gefühle ausströmen, welchen wir schließlich die göttliche Explosion, deren Zeugen wir sind, zu verdanken haben“ (vgl. J. Sigl a. a. O. S. 15). Unter der „göttlichen Explosion“ ist nichts anderes als die Revolution zu verstehen. Dem bekannten Reorganisator des italienischen Freimaurerwesens, Großmeister Adriano L e m m i, ver­danken wir die folgenden sehr bezeichnenden Aussprüche: n Was liegt daran, wenn die alte Welt in Trümmer sinkt? Je mehr sie in die Brüche geht, desto glanzvoller erhebt sich unsere junge lebenskräftige, siegreiche Welt“ (vgl. Rivista 1894, S. 215).    „Es ist notwendig, daß die an der Regierung der Staaten befindlichen Männer entweder unsere Brüder seien oder die Macht verlieren“ (Rivista 1886, S. 234). Als nach der Schlacht von Sedan im Jahre 1870 die italienische Regierung immer noch zögerte, gegen den Papst vorzugehen, überreichte eine freimau­rerische Deputation dem Minister Lanza folgendes Ansinnen: „Wenn die Regierung nicht unverzüglich gegen Rom marschieren läßt, so bricht in allen italienischen Städten eine Revolution aus“ (vgl. Ewald a. a. 0. S. 43). „Auch die deutschen Freimaurer können nicht leugnen, daß die Freimaurerei in allen Ländern Revolutionen, Umsturz von Herrscher­thronen herbeigeführt hat“ (vgl. J. Bode, Die deutsche Freimaurerei und der vaterländische Gedanke im Sonderheft der Zeitschrift „Der unsichtbare Tempel“ über die deutsche Freimaurerei im Weltkrieg, München 1917).         In der deutschen F r e i m a u r e r z e i t u n g vom 24. De­zember 1864 heißt es: „Die französische Revolution von 1789 ist nur ein Werk der Freimaurer gewesen; denn alle hervorragenden Männer jener Zeit waren Freimaurer. Nachher hat der Freimaurerbund da­selbst gleichfalls die Revolution der Jahre 1830 und 1848 geleitet. Alle italienischen Umwälzungen vom Jahre 1822 bis zu den letzten glorrreichen Ereignissen, wem sollen sie anders zugeschrieben werden als dem Bunde? Sind nicht die Carbonari seine Söhne? Wenn in vielen maurerischen Konstitutionen steht, daß die Maurer friedlich und den Staatsgesetzen ergeben sein müssen, so geschieht es nur, um den Argwohn der Tyrannen einzuschläfern.“ Der amerikanische Frei­maurer A. G. M a c k e y stellt in seinem Handbuch des freimaurerischen Rechts sogar den Satz auf, daß „Felonie und Empörung keine mau­rerischen Vergehen“ seien (A. G. Mackey: Masonic Jurisprudence, New York 1867, S. 510). Der französische Geschichtsschreiber Henri Martin bezeichnet in seinem berühmten Werke : Histoire de France (Teil XVI, S. 595) die Freimaurerei als „die Werkstätte der Revolution“, und ein anderer Franzose, Felix P y a t , sieht in ihr sogar „die Kirche der Revolution“ (vgl. Dupanloup a. a. 0. S. 96). Der französische Ordens­rat nannte sogar selbst einmal die Revolution die „Fleischwerdung des Wortes der Freimaurerei“ (vgl. Jünger a. a. 0. S. 25). Der freimaure­rische Humanitätsgedanke ist in seinem innersten Wesen tatsächlich ein revolutionärer Gedanke. Mit Recht sagte daher der französische Bischof Dupanloup, Mitglied der Nationalversammlung in Versailles: „Die furchtbare Seite der Freimaurerei ist nämlich die, daß sie unaufhör­lich eine gewaltige Tätigkeit auf dem politischen und sozialen Gebiete entfaltet, und zwar vorzugsweise eine revolutionäre Tätigkeit“ (a. a. 0. S. 95). Der gleiche Schriftsteller faßt das Gesamturteil über die Frei­maurerei in folgendem Satze zusammen: „Die Studien, welche ich über den Freimaurerorden gemacht, haben mir die sicherste Gewißheit ge­geben, daß zwischen der Freimaurerei und der Revolution zum wenigsten die innigste Zusammengehörigkeit und die schwerste Verantwortung besteht“ (a. a. 0. S. 2).

Im sog. Kadosch-Grad der schottischen Hochgradfreimaurerei hat der Kandidat bei der Aufnahme mit einem Dolche gegen eine Königs­krone und gegen eine Tiara (päpstliche Krone) Stöße zu führen. Der Sinn dieser Zeremonie ist vielsagend und bedarf keiner weiteren Erläute­rung. Jedenfalls ist klar, daß überall da, wo eine Unterdrückung der geistigen, sittlichen oder politischen Freiheit behauptet wird, wo es gilt, eine angebliche Tyrannis oder eine behauptete Despotie geist­licher oder weltlicher Art zu beseitigen, die freimaurerischen Grundsätze und Lehren einen willkommenen Vorwand und eine wünschenswerte Begründung für jede Art von Umwälzung abgeben können. Und welcher Krieg, welche Revolution hat nicht von angeblicher Unter­drückung, Klassenherrschaft, Tyrannei, Despotie und wie die Gegner der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit alle heißen, den Ausgang genommen?

Teil 1

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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Eine Antwort zu Buchvorstellung: Politische Geheimverbände / Abschnitt Krieg, Revolution und Freimaurertum Teil 2

  1. hildesvin schreibt:

    Die Rakowski-Protokolle setze ich als bekannt voraus(?)

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