Zum Kalenderblatt 2. Oktober/Gilbhart: Aufruf an die Herero

Generalleutnant Lothar von Trothas Aufruf an die Herero vom 2. Oktober 1904 – ein ›Vernichtungsbefehl‹?

Rede von Dr. Claus Nordbruch auf dem Verbandstreffen des Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen am 18. Oktober 2003 in Bad Lauterberg

Auf viele Werke der gewöhnlich unkritischen Kolonialliteratur der Kaiserzeit und auf die Publikationen der englischen Kriegspropagandisten während des Ersten Weltkrieges aufbauend, schufen vor allem die marxistischen Historiker der Deutschen Demokratischen Republik die ›Omaheke-Legende‹. Sie beherrscht bis heute sowohl die zeitgeistkonforme Geschichtsschreibung als auch den üblichen Journalismus – und keineswegs nur in der Bundesrepublik Deutschland. Der Legende zufolge soll die Kaiserliche Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika nach einer ›Kesselschlacht‹ am Waterberg am 11. August 1904 durch ›planmäßige Operationsführung‹ und ohne eine ›Alternative zum Entweichen‹ zu lassen, die Masse des Hererovolkes in die ›wasserlose Omaheke‹ gehetzt haben, wo es an Hunger und Durst bis auf geringe Reste elend umgekommen sei. Gewissermaßen manifestiert sei dieser Völkermord durch die sogenannte Proklamation an die Herero durch Generalleutnant Lothar VON TROTHA.

Die Vorwürfe sind zur Genüge bekannt. Der sozialistische Publizist Tom SANDERS beispielsweise stellt zunächst sehr sachlich fest, daß »25.000 Angehörige« des Hererovolkes, »einschließlich Frauen und Kinder« am Waterberg versammelt gewesen seien, um dann allerdings klischeehaft zu behaupten: »Von Trotha gelang es, die Menschen in die Wüste zu drängen, wo er zuvor die wenigen Wasserquellen vergiftet hatte. Seine Truppen schlossen die Herero in der Wüste, wo sie zu Tausenden starben. […] Männer, die der Wüste entrannen, wurden im Stile des Ku Klux Klan gelyncht.«[4] [i] Folglich habe sich VON TROTHAs Taktik als Genozid erwiesen. Eine Interpretation, die international Unterstützung erhält. Der BBC zufolge, immerhin einer der größten Rundfunkanstalten der Welt, hätten die Deutschen die Herero in die Omaheke »getrieben«, die letzten Wasserlöcher »abgeriegelt« und gar einen »Zaun errichtet«.[ii] Absurd oder nicht: Nach marxistischer und/oder germanophober Auffassung setzte die ›deutsche Armee‹ alles daran, »das namibische Volk [!] systematisch auszurotten.«[iii] Der ›Vernichtungsbefehl‹ stelle alle Zweifel hierüber außer Frage. Ist dem wirklich so? Ich will dies mit aller Kraft verneinen.

Bevor wir den Aufruf analysieren, müssen wir uns zunächst über die tatsächliche Größenzahl der Herero am Waterberg Klarheit verschaffen. Nur wenn diese geklärt ist, lassen sich Angaben über tatsächliche Opferzahlen machen. Der Missionar Friedrich BERNSMANN hatte kurz vor dem Ausbruch des Aufstandes die Gesamtzahl der Herero auf 35.000 geschätzt und meinte weiter, daß von diesen 23.000 bis 25.000 den Aufstand überlebt hatten.[iv] Mit diesen Angaben kommt der Missionar der Wahrheit bereits sehr nahe!…

…Der Aufruf wurde nach einem Feldgottesdienst am 2. Oktober 1904 an der Wasserstelle Osombo Windimbe verlesen. Ihr Wortlaut lautet nach einer handschriftlichen Abschrift, die sich im Reichsarchiv befindet, wie folgt:

»Ich, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero:
Die Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder, der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt, erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muß jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen.
Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh, erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auch auf sie schießen.

Dies sind meine Worte an das Volk der Herero.

Der große General des mächtigen deutschen Kaisers.«[xii]

Nach Verkündung dieser Proklamation an die anwesenden Herero wurde der Truppe folgender Befehl erteilt:

»Dieser Erlaß ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen der Kapitäne fängt, die entsprechende Belohnung zu teil wird und daß das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, daß über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Grausamkeiten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes der deutschen Soldaten bewußt bleiben.

Der Kommandeur:
gez. v. Trotha
Generalleutnant«[xiii]
…..

….Es ist aus verbürgten Quellen nicht zu entnehmen, daß Herero durch Deutsche ›massakriert‹ worden sind. Gegenteilige Behauptungen basieren vor allem auf dem einschlägigen Machwerk Blue Book. Zu diesem dilettantischen englischen Kriegspropagandapamphlet, auf dem sich bezeichnenderweise die meisten Vorwürfe stützen, möchte ich mit einer grundsätzlichen Bemerkung meine Ausführungen beenden: Während des Hereroaufstandes war der britische Militärattaché Colonel TRENCH vor Ort gewesen: Er war mit dem Hauptquartier[xxxvii] viele Monate lang direkt an der Front und dementsprechend Augenzeuge der Kampfhandlungen. Wer, wenn nicht er, würde als glaubwürdiger Zeuge über etwaige Menschenrechtsverletzungen berichtet haben? In den maßgeblichen Archiven in Windhoek und London, aber auch in Pretoria, liegen jedoch keine Dokumente vor, die Hinweise darauf geben, daß dieser hochkarätige Offizier seinen Vorgesetzten in London Meldung über beobachtete Greuel erstattet hätte! Diese Tatsache ist von elementarer Wichtigkeit, denn es ist selbstverständlich, daß – hätte es Vorkommnisse gegeben, die auch nur im entferntesten mit Mißhandlungen oder gar mit einem Genozid in Verbindung gebracht werden könnten – TRENCH mit hundertprozentiger Sicherheit diese Verbrechen seiner Dienststelle auch gemeldet hätte.

Die Tatsache, daß keinerlei derartiger Berichte vorliegen, ist freilich konsequent, denn es haben – und davon bin ich angesichts des mir vorliegenden Forschungsmaterials überzeugt – während der Niederschlagung des Hereroaufstandes keine von Deutschen begangene Greuel stattgefunden.

© Dr. Claus Nordbruch

http://www.nordbruch.org/speeches-essays-publications/v%C3%B6lkermord-den-herero-deutsch-s%C3%BCdwestafrika

Die Seite von Claus Nordbruch existiert derzeit nicht.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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