Woanders gelesen: Ungarn – oder die Rettung des Abendlandes

Einst drangen aus der pannonischen Tiefebene so recht barbarische Völker in das angeblich zivilisierte Mitteleuropa vor: Mongolen, Awaren und dann die Ungarn, welche schließlich Otto der Große am Lechfeld bändigte. Die flinken Reiter verbreiteten damals Angst und Schrecken bis hin zu den Westfranken (vulgo Franzosen) und den Italienern im Norden des Stiefels. Nach der Niederlage am 10. August 955 wurden die Magyaren in der Region um den Balaton sesshaft und nahmen dann auch den christlichen Glauben an. Nach der Schlacht von Mohacs 1526 wurden ⅔ des ungarischen Reichs vom Osmanischen Reich besetzt. Erst nach der Schlacht am Kahlenberg 1683 gelang es der habsburgischen Armee mit deutscher und polnischer Unterstützung, das osmanische Ungarn von den Türken zurückzuerobern. Mitte des 19. Jahrhunderts konnten die Ungarn dem Habsburger Kaiser Franz-Josef eine weitgehende Selbständigkeit innerhalb der jetzt K.u.K. genannten Monarchie abtrotzen.

War es eine kluge Entscheidung der ursprünglichen EU-Mitgliedsstaaten, Ungarn 2003 in die Union aufzunehmen? (Wozu es auch einen positiven Volksentscheid gab)
Es zeigte sich bald, dass sich die EU mit Ungarn einen Partner eingeheimst hat, der sich als unbotmäßig erweisen sollte, der zu einem Stachel im supranationalen Fleisch der EU wurde.

Erlaubten sich doch die Ungarn, einen „Rechtspopulisten“ als Ministerpräsidenten ins Amt zu hieven. Der dann auch die nationale Karte spielte und a la Trump das Prinzip „Hungary first“ pflegt. Bei seinem letzten Brüssel-Besuch lobte Orban ausdrücklich den Trump-Satz, dass nun jede Nation ihr eigenes Interesse über alles andere stellen dürfe. Originalton Orban dazu, was natürlich den Eurokraten sicher nicht gefallen sollte:

„Ich bin froh, dass die Heuchelei vorbei ist. Wir haben uns alle von der Utopie eines über-nationalen Europas versklaven lassen.“

Die EU-Kommission hat nun zuletzt Ungarn in drei Fällen gleichzeitig verklagt. Unter anderem wegen des Hochschulgesetzes, das sich vornehmlich gegen die von George Soros betriebene Central European University in Budapest richtet. Die EU-Kommission sieht dadurch die Freiheit von Forschung und Lehre in Gefahr. Man hofiert ja diesen Wohltäter der geeinten Menschheit. Orban und seine Regierung halten jedoch Soros für das, was er offensichtlich auch ist: als Finanzier und Antreiber der das Abendland bedrohenden Migrationswelle. Weil Soros angeblich auch ein Holocaust-Überlebender ist, hat man auch gleich die Antisemismus-Keule gegen Orban ausgepackt.
Dank der Initiativen der Orban-Regierung ist eines Haupteinfalltore des Dschihad an der Südgrenze Ungarns geschlossen worden.
Die ungarische Regierung weigert sich bislang standhaft, auch nur einen einzigen derjenigen Flüchtlinge aufzunehmen, die jetzt nach einem bestimmten Schlüssel der EU verteilt werden sollten. Deshalb will man Ungarn jetzt nochmals verklagen und droht mit dem Entzug von Subventionen.
Unbotmäßige Regierungen zu kujonieren, darin hat die EU Erfahrung. Man erinnere sich an die Strafmaßnahmen gegen Österreich, als einst die ÖVP mit der „rechtspopulistischen“ FPÖ des Jörg Haider koalierte.
Nach „Brexit“ wird die EU sicher nicht auch noch einen „Uexit“ haben wollen und Ungarn sicher nicht aus der EU werfen. Und Orban selbst hat gewiss auch nicht die Absicht, sich von den Fleischtöpfen der EU zurückzuziehen.

Dass man der Regierung Orban Pragmatismus und gesunden Menschenverstand unterstellen darf, beweist ein weiterer Coup im Rahmen der Hochschulpolitik. Ungarn hat die Absicht, Gender Studies von Universitäten zu entfernen. Betroffen sind zwei Universitäten, dabei wiederum die „Central European University“ und auch  Ungarns größte staatlich finanzierte Universität „ELTE“.
Es gebe keine Nachfrage nach Gender Studies, der Kurs sei nicht ökonomisch, vermittle Studenten kein relevantes Wissen und müsse entsprechend mit anderen Interessen als der Vermittlung sinnvollen und nachgefragten Wissens gegründet worden sein. Zudem würden Gender Studies Ressourcen der Universitäten binden, die in jedem Fall sinnvoller eingesetzt werden könnten. Heißt es aus dem zuständigen Ministerium, was man hier und hier nachlesen kann.

Man stelle sich vor, auch in Deutschland würde sich ein Kultusminister oder auch die „Bundeswissenschaftsministerin“ aufraffen, dem Gender-Spuk, den Pseudowissenschaften an den Universitäten ein Ende zu setzen.
Man stelle sich vor, Frau Slomka oder ein anderer Meinungsbetanker des Fernsehens hörte mal auf die Frage, warum man die Zuwanderung stoppen will, von einem deutschen Politiker die Antwort, die ein Ungar dazu gab: „Weil es das Volk will!
Orban sagte der Bildzeitung:

Würde ich eine Flüchtlingspolitik wie Ihre Kanzlerin machen, würden mich die Menschen noch am selben Tag aus dem Amt jagen!“   und
„In der Frage wer in Ungarn leben darf, ist Merkel nicht zuständig!“

Von Ungarn lernen, heißt siegen lernen – möchte man fast sagen.

Die Ungarn haben behalten, was es heißt, den Gefolgsleuten des Propheten ausgeliefert zu sein. 150 Jahre unter dem Halbmond haben die Ungarn gewiss geprägt. Auch der Kampf gegen die Habsburger Übermacht. Und die vierzig Jahre unter der Knute der roten Zaren von Moskau.
Die Ungarn können Beispiel dafür sein, was Liebe zur Freiheit, Liebe zum eigenen Volk, was Standhaftigkeit bedeuten.
Davon können wir Deutsche uns mehr als nur eine Scheibe abschneiden.

 

http://altmod.de/2018/08/ungarn-oder-die-rettung-des-abendlandes/1679/

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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3 Antworten zu Woanders gelesen: Ungarn – oder die Rettung des Abendlandes

  1. Uranus schreibt:

    Solche Meldungen aus Ungarn lassen deutsche Herzen vermutlich höher schlagen. Im Vergleich zur Regierung der BRD ist das allerdings auch verständlich. Nun gibt es in meinem näheren Lebensumfeld mehrere Personen, die der ungarischen Sprache mächtig sind und die deshalb die Reden Orbáns im Original zu verstehen in der Lage sind. Und tatsächlich, die Reden Orbáns sind in der Aussage wohlformuliert und grammatikalisch exzellent strukturiert. Die Reden der BRD-Kanzlerin Merkel sind im Vergleich dazu unterstes sprachliches, grammatikalisches und stilistisches Niveau. Aber gerade das führt dazu, daß bei den Ungarn, die über einen wachen Geist verfügen, die Alarmglocken anspringen. Denn gerade die sprachliche Ausdruckskunst Orbáns ermöglicht es, viele Ungarn – und Deutsche – dermaßen gekonnt mit seiner Sprache einzulullen, daß die gar nicht merken, wohin die Reise wirklich geht.

    Es ist nämlich auch in Ungarn längst nicht alles Gold, was Orbán mit seiner wohlgeschliffenen Sprache zum Glänzen bringt. Das Ausmaß an Korruption und Vetternwirtschaft ist extrem. Wenn Deutsche aus der Ferne der Ansicht sind, Orbán sei einer, der tatsächlich etwas für „sein“ Volk tut, so wird dabei gerne übersehen, daß Orbán in erster Linie das tut, was ihm und seiner Sippschaft nützlich ist. Nun sind das allerdings oft auch Dinge, wie die in Ungarn nicht stattfindende Masseneinwanderung Kulturfremder, die nicht nur im Interesse Orbáns und seiner Sippschaft liegen, sondern mehr oder weniger zufällig auch dem Volk nützlich sind, so daß dabei der Eindruck entsteht, Orbán tue etwas für sein Volk. Tatsächlich ist aber der politische Zentralismus in Ungarn mindestens ebenso stark ausgeprägt, wie in der BRD, wenn nicht sogar noch extremer.

    Auch der besonders saftige Mehrwertsteuersatz von 27 Prozent ist ein Indiz dafür, daß die ungarischen Steuerzahler ebenso gnadenlos ausgequetscht werden, wie die deutschen Steuerzahler. Dieser Mehrwertsteuersatz, der über ein Viertel des Nettowaren- oder Dienstleistungswertes ausmacht, ist ein Beispiel für eine besonders starke soziale Ungerechtigkeit, um einmal diesen gerne von den Linken verwendeten Sprachbegriff zu gebrauchen. Gerade dieser hohe Mehrwertsteuersatz zeigt, daß gerade in Ungarn der Raubtier-Sozialismus in besonders starkem Maße vorhanden ist, was es geradezu lächerlich erscheinen läßt, Orbán als Rechtspopulisten einzustufen. Er ist genauso ein zentralistischer Sozialist oder sozialistischer Zentralist, ganz wie man will, wie viele andere europäische Regierungschefs auch.

    Ungarn – oder die Rettung des Abendlandes? Eher nein!

  2. KW schreibt:

    Ein Bekannter von mir zog im Frühjahr für immer nach Ungarn. Da sie die Sprache nicht sprechen, ist Geld für Übersetzungen im Bürokratiewald, der noch üppiger sprießt als hier, nötig. Es gibt Zigeuner, die auf ihre Art unfaßbar reich geworden sind, also auf unlautere Art.Dieselbe Art von kriminalität, die sich auch hier ausgebreitet hat. Irritierend ist, daß sich sämtliche Konzerne dort ausgebreitet haben, vor allem Baumärkte und im Lebensmittelbereich. Die materielle Denkweise ist auch auf die Ungarn übergegangen, sie hungern, um mit einem Auto mit Stern oder einem Kleidungsstück mit Werbung anzugeben. Die ungarische Freundin meines Sohnes ärgert sich wie andere auch über ihre doofen Landsleute, aber auch dort ist das Land, wie man sieht, gespalten in Dumme und Kluge, in Selbständige und Bequeme wie hier auch.

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