Woanders gelesen: ABSURDITÄT DER LINKEN

Staatliche Sorge um die Lebensumstände der Armen und Unterprivilegierten ist weder neu, noch links. Sie geht zurück bis mindestens ins 16. Jahrhundert. Durch die Barmherzigkeit seiner Tochter Elizabeth entstand im Jahre 1543 das erste Gesetz für ein Wohlfahrtssystem, nachdem ihr Vater Heinrich VIII. von England die Klöster enteignete [https://huaxinghui.wordpress.com/2012/11/19/230/]. Die links-rechts Bezeichnungen für politische Positionen entstanden zur Zeit der Französischen Revolution. In der Nationalversammlung saßen die Patrioten und Jakobiner, diejenigen die gegen die alte Ordnung kämpften und die Vertreter der Bourgeoisie und der aufstrebenden Händlerklasse auf der linken Seite des Hauses, also auch keine „Kommunisten“ (hätte es die schon gegeben).

In den Bewegungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ging es den Menschen zunächst eher um persönliche Freiheit als um Umverteilung der Werte, oder Verstaatlichung des Eigentums. Erst der Marxismus konzentrierte sich auf den Arbeiter als Teil einer neuen Gesellschaft und mit einer eigenen Ideologie („…der deutsche Arbeiter ist Erbe der klassischen deutschen Philosophie“, Engels). Im Deutschland der Nachkriegszeit übernahm die Linke die Opposition zum konservativen Bürgertum und unterstützte eine APO (damalige Version der ANTIFA), die u.a. versuchte, den angehenden (und erneuten) Verrat der SPD an ihrem Arbeiterklientel zu verhindern. Die Forderungen dieser Linken bezogen sich hauptsächlich auf Wirtschaft und Familie. Dann kamen die Grünen mit ihrer Umweltpolitik und spielten mit Energiewende und Biowirtschaft dem Kapital in die Hände; bald sah sich auch die Mittelschicht verschaukelt.

Unter dem reihenweisen internationalen Zusammenbruch sämtlicher sozialistischer Systeme, erschien die Linke wie eine verzweifelte, geschasste Geliebte. Ihre Angebote wurden immer absurder und unglaubwürdiger – und entfernte sie stets weiter von ihrer traditionellen Basis. Als Opposition zum Neoliberalismus formte sich eine links-grün-bunte Koalition, welche alles vermeintlich „Gute“ und „humane“ einer Gesellschaft für sich beanspruchte: Antikapitalismus, Umverteilung, Mindestlohn, Gendergleichheit, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz, Armutsbekämpfung, Antirassismus, Pazifismus, offene Grenzen, usw., usw.

Das Problem war nun, dass die sonst verlässlich konservativen Elemente – zusammen mit ihrem ehemals grünen Gegner – in der Regierung das altruistische Programm der Linken weitgehend besetzten und als eigenes Credo propagieren. Der Deutsche scheint seinen Königsweg gefunden zu haben: In Demut Gutes tun und dabei Kohle machen, Wohlstand in einer bunten Gesellschaft. Bei Champagner Eisbären am Nordpol retten und Flüchtlingskinder aus überall. Die Linke ist zur schizophrenen Elite verkommen, der alte kernige Sozialismus zum schicken Gutmenschentum – er schwirrt nur noch als rachevolles, geistesgestörtes, verkrüppeltes kleines Adjektiv durch die europäischen Gesellschaften, nistet sich wie ein böser Virus in gesunde Begriffe um sie in ideologisch-manipulativer Art zu pervertieren. So wurde z.B. Marktwirtschaft zu soziale Marktwirtschaft und Gerechtigkeit zu soziale Gerechtigkeit – als gäbe es eine höhere Form der Gerechtigkeit! Kurz: „sozial“ dient zur Veredelung eines jeden Schwachsinns; es macht gewissermaßen Exkremente geniessbar und entfernt magisch, aber sicher, das Blöd vom Sinn.

Es ist erstaunlich wie die Deutschen auf alles abfahren, von dem sie meinen, dass es nicht typisch deutsch ist: Willkommenskultur, Schuldbewusstsein, Demut, Antirassismus, Pazifismus, Kompromissbereitschaft, und Toleranz. Dass ohne die Attribute des Wettbewerbs, Ehrgeiz, Stolz und Selbstbewusstsein eine Gemeinschaft unter rund 200 Nationen und 7 Milliarden Menschen kaum bestehen kann, zeigte unsere identitätslose Fussballmannschaft: Spieler aus Deutschland, aber keine Nationalmannschaft. Nur im Export ist dieser Wettbewerb und Ehrgeiz noch erwünscht; schließlich finanziert er die feuchten Träume der linken Antikapitalisten.

Es ist inhärent unsinnig vernünftige Menschen zu fordern, mit moralischen Werten und Verantwortungsbewusstsein, wo man ihnen zuvor diese Eigenverantwortung durch staatlichen Vormund in allen Lebensbereichen, Familie, Erziehung, Arbeit und Anlagen entzogen hat. Wo ihnen die Politik die Urteilsfähigkeit und Reife abgesprochen hat, das Recht zur eigenen Entscheidung verweigert, ihnen Werte, Lebensweise und Meinungen vorschreibt und kaum noch eine Wahl über persönliche Dinge belässt. Selbst die Wahl der Nachbarschaft, des Mieters, eines Klubmitglieds oder Mitarbeiters wurde zur Sache des Gesetzgebers. Die linken Gleichmacher und Vermischer sind die Architekten dieses karamelfarbigen, selbstbestäubenden gehirntoten Wahl-Zombies. Wer selbst keine Freiheit besitzt, der kann sie auch anderen nicht geben.

Wie soll der Mensch Gerechtigkeit walten lassen in einer Gesellschaft, in der durch Verordnung Unrecht zu Recht wird, in der durch rein emotionelles Ermessen kriminelles Verhalten Legalität erlangt, Personen die sich nach dem Gesetz verhalten benachteiligt werden und in der die Werte auf den Kopf gestellt werden. In solch einer Gesellschaft argumentieren diese „Sozialdiktatoren“ mit dem Allgemeinwohl. Die kleinste Minderheit ist das Individuum, aber schützen wollen sie die Minderheiten ihrer emotionellen Willkür – und überlassen den Einzelnen ihrer Forderung zur Anpassung.

Der deutsche Arbeiter stand immer wirtschaftlich links, aber politisch rechts. Das „Ekel Alfred“ aus „Ein Herz und eine Seele“, eine Sitcom aus den 70er Jahren, bietet ein überzogenes, aber im Grunde ehrliches Bild. Die Arbeiterklasse, das alte Klientel der Sozialisten und Linken, ist längst assimiliert. Der „Vierte Stand“ in der heutigen Arbeitswelt wird repräsentiert von Hausfrauen, Rentnern, Teilzeitler, Aufstocker und Jugendlichen die lieber bei Amazon Kartons schwingen, als sich um eine Handwerkslehre zu kümmern.

Sieht man genau hin, sind sämtliche links-grün-bunten Themen mit Zwang oder Gewalt verbunden. Umverteilung und Enteignung wurde von Marx selbst abgelehnt. Das „bedingungsloses Grundeinkommen“ ist ein monströser Versuch zur totalen Entmündigung des Bürgers und nicht weniger unmoralisch als die freie Verteilung abhängig machender Drogen. Es ist keine Frage, dass sich jüngere Generationen oft für alte Hüte neu begeistern, es ist uns aber schwer begreiflich, dass sich ältere Bürger der 60er Generation noch für diesen sozial-wirtschaftlichen Voodoo engagieren – auf rein emotioneller und ideologischer Basis, unter Vernachlässigung aller vernünftigen Axiome. Dafür werden auch Widersprüche hingenommen und der Syllogismus fliegt reihenweise aus dem Fenster.

Die Koalition von Umverteiler und Gleichmacher fordern holistische Konzepte für eine gerechte Gesellschaft mit einer Commons-Wirtschaft. Für die Durchsetzung bellen sie leider an den falschen Bäumen hoch. Ihre Feinde sind die Hochfinanz, die Konzerne und die Superreichen. Dass der Staat aber diese Entwicklung nicht nur erlaubte, sondern im eigenen Interesse antreibt wird ignoriert. Es gibt keine Institution, die ein determinierter Gesetzgeber zulassen würde, wenn er dies nicht wollte. Der meiste Schwachsinn kommt zwar aus Brüssel, aber Europa sichert scheinbar auch den Frieden und schwächt den Nationalismus. Das US-Militär soll von deutschem Boden verschwinden, aber die Linken wollen auch kein klares Hausrecht für Deutsche, denn auf volle Souveränität folgte eine ordentliche Verfassung, was wiederum mehr Nationalismus (schaudern!) auslösen könnte. So ruft man wieder den verstaubten Geist des Klassenkampfs aus der Gruft, mit seinen gewohnten Feindbildern – ohne sich mit den Gründen der vergangenen Niederlagen auseinanderzusetzen.

Manche Blogeinträge und Texte der Neuen Linken lesen sich wie Flugblätter des Spartakus, mit den antikapitalistischen Parolen eines SED-Parteitags (wobei sich viele der Autoren dann auch als Bürger der ehemaligen DDR erweisen). Es sind Pazifisten, die der Gesellschaft überall den Kampf ansagen – Armut bekämpfen, Rassismus bekämpfen, Kapitalismus bekämpfen, den Krieg bekriegen! Sie sagen nicht in wessen Auftrag. Der kommt aus ihrem Gewissen – das andere nicht besitzen. Sie begreifen sich als die einzige gerechte, moralisch überragende Elite: Enteignet die gehassten Millionäre (die sie alle uber einen Kamm scheren, dabei könnten die meisten dieser Kritiker nicht mal einen Brezelstand kaufmännisch führen); jedem soll eine minimales Einkommen „zustehen“ – wie es die Evolution verlangt!

Die gleichen Chancen, die gleiche Bildung. Alle Fremden sollen aufgenommen werden – wir sind ein reiches Land. Nun, noch ist Deutschland kein reiches Land, sondern bestenfalls ein Land mit wohlhabenden Einwohnern. Ein „reiches Land“ impliziert, dass aller Besitz dem Staat gehört. Chancengleichheit ist ein contradictio in adjecto; gleiche Bildung kann man zwar anbieten, ergibt aber bei verschiedenen Personen unterschiedliche Resultate; Chancen sind durch Definition abhängig vom Zufall. Bis heute konnte uns keiner dieser Utopisten antworten: Wieviel soll der Talentierte und Fleissige behalten dürfen? Was ist ein minimaler Standard und wer legt ihn fest? Was geschieht mit den hoffnungslos Faulen und Dummen? Wer soll der „Herr der Werte“ sein – eine neue Partei der Jakobiner?

Das gesamte Konzept des Gemeinnutzens mit all seinen Spielarten, Altruismus, Fourierismus, Syndikalismus, Fabianismus, Commons, usw. bis zu den verheerenden sozialistischen/kommunistischen Varianten, die über 100 Millionen Menschen das Leben kosteten, haben demonstrativ versagt – hauptsächlich aus folgenden Gründen: Sie –

1.) ignorieren diejenigen Attribute des menschlichen Lebens, die den Fortschritt überhaupt erst ermöglichten.
2.) sehen den Kapitalismus als ein menschenfeindliches, zügelloses Monster, unfähig zu fairem, gleichberechtigtem Handel, und zur Schaffung eines allgemeinen Wohlstandes.
3.) übersehen, dass der Staat, den sie aufrufen um die Auswüchse des Kapitalismus zu unterbinden, die bekämpften Monopole und finanziellen Mechanismen schuf, und die alten, funktionierenden Strukturen zerschlagen hat.

Diese Eiferer scheinen sich meist mit Dialektik und linker Rhetorik zu befassen, und weniger mit der Nationalökonomie und Geschichte. Jeder hat etwas von Marx und Adorno gelesen und ein paar anderen modernen Anarchisten oder linken pseudo- intellektuellen Traumtänzern. Die Gesamtheit der deutschen Denker und Philosophen, die sich eingehend mit der Gesellschaft und Wirtschaft ihrer Zeit befassten, haben sie kaum studiert. Die links-grün-bunte Koalition lehnt jede vernünftige Lösung ab, die nicht das Gütesiegel ihrer altruistischen Ideologie trägt. Wir haben, trotz allem, einen gemeinsamen Schnittpunkt, es ist der, dass der gegenwärtige soziale Körper unter das Messer muss. Ehe man das Skalpell ansetzt, sollte man jedoch mehr als die Symptome sehen – und vielleicht vorher noch ein paar Semester Medizin studieren.

https://huaxinghui.wordpress.com/2018/07/12/absurditat-der-linken/#more-4193

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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