Déjà vu (2)

„Der Deutsche stellt seine selbstgebildeten Begriffe viel höher als die ihm umgebende Wirklichkeit. Hat er sich einmal eine bestimmte Ansicht zurechtgemacht, so geht er infolge seiner Hartnäckigkeit in seiner Absonderung fast bis zum Wahnsinn fort.“
(G.W.F. Hegel, Die Verfassung Deutschlands)

Der Staats-lose Bürger

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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4 Antworten zu Déjà vu (2)

  1. Uranus schreibt:

    Diese grundsätzliche Erkenntnis Hegels scheint mir in heutiger Zeit unter anderem ein wesentlicher Grund dafür zu sein, daß die politisch korrekten Machteliten gerade in Deutschland auf so wenig Widerstand bei der Durchsetzung ihrer Agenda stoßen. Besonders tragisch dabei finde ich, daß auch und gerade Menschen und Organisationen, die die derzeitigen Verhältnisse durchaus kritisch sehen und eigentlich dem Widerstand zugeordnet werden könnten, sich dermaßen in ihre selbst oder von Politikern und Journalisten gebildeten Begriffe und Vorstellungen verrannt haben – die sie machmal sogar für die alleinige Wahrheit halten – und dabei die sie umgebende Wirklichkeit aus dem Blick verlieren, so daß sie sich im Ergebnis gewissermaßen selbst sabotieren. Versucht man vorsichtig darauf hinzuweisen, kommt gelegentlich als Antwort etwas, das in der Psychologie als Reaktanz bezeichnet wird, also eine Abwehrreaktion gegen den fälschlicherweise als persönlichen Angriff auf das eigene Weltbild interpretierten sachlichen Hinweis.

    Politiker und Journalisten haben es in Deutschland relativ leicht. Sie müssen nur (theoretische) Begriffe bilden, in die Köpfe der Menschen hämmern, und schon halten viele das für die Wirklichkeit, wobei ich aber optimistischerweise davon ausgehe, daß der Anteil derjenigen, die das immer noch völlig unbewußt über sich ergehen lassen, ständig geringer wird, und der Anteil derjenigen, die dagegen Widerstand leisten, größer wird.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Werter Uranus,
      ich sage des öfteren der „Deutsche“ ist „blöd“, wofür ich erstmal entgeisterte Blicke ernte, nach meiner Erklärung geht einigen ein Licht auf.
      Den Deutschen in dem Sinne gibt es nicht, es gibt einen deutschen Staatsbürger. Diese deutschen Staatsbürger sind Angehörige verschiedener Völker und/oder Stämme. Dieser Angehörigkeit sind sie sich in der heutigen Zeit nicht mehr bewusst, sie sind gewissermaßen entwurzelt.
      Der Deutsche ist „blöd“ (auf bairisch bled und drückt etwas anderes aus als der Begriff aus dem Standarddeutschen „Blöd“). Dieses „bled“ meint u. a. verwirrt, wie z. B. auch Tiere verwirrt/ziellos etc. sein können, wenn sie sich auf fremden Terrain bewegen oder gescheucht werden.
      Die deutschen Staatsbürger sollten sich ihrer Wurzeln, ihrer Herkunft besinnen, versuchen ihr Inneres (wieder) zu entdecken, ihren Gefühlen, ihrer echten Muttersprache wieder mehr Lebensraum einräumen. In der Muttersprache (die nicht das Standarddeutsch ist) ist die Seele der Menschen zu finden. So verschieden diese sind, so verschieden sind sich die deutschen Staatsbürger. Ihrer Verschiedenheit beraubt sind sie anfällig für Versuchungen und Verwirrungen aller Art.
      Das Bismarck´sche Reich, die darauf folgende Weimarer Republik, das NS-Deutsche Reich waren die Totengräber der verschiedenen deutschen Staaten. Die BRD mit ihrem halbherzigen Föderalismus, der ja den Zentralismus als Grundlage hat und die DDR sind/waren nur noch Abgesänge.
      Sicherlich werden durch diese Art der „Selbstfindung“ nicht alle Probleme und Fragen zu lösen sein, aber der Gleichmacherei, dem Hineinpressen von Wahrheiten der unterschiedlichsten Art wäre ein Riegel vorgeschoben.
      Ihrem zweiten Satz will ich ausdrücklich zustimmen. Ein Heilmittel dagegen wäre z. B. auch, nicht über jedes Stöckchen zu springen, dass einem hingehalten wird. Wie sagte einst Ernst Jünger, daß: die Annahme der Frage der Beginn der Unterwerfung ist“

      Zu Ihrem Schlußsatz noch ein Zitat von Oswald Spengler:
      „Was ist Wahrheit? – Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, sie ununterbrochen zu wiederholen.“
      – Der Untergang des Abendlandes

      • Uranus schreibt:

        Das bairische bled für „blöd“ ist, wenn ich als gebürtiger Mittelhesse das richtig verstanden habe, eine kurze und prägnante Erklärung für manches, für das Philosophen und Soziologen ganze Bücher geschrieben haben. Hans Albert zum Beispiel führt die Anfälligkeit der Menschen für Dogmatismus und Indoktrination auf deren Angst vor einem wirklich eigenständigen und selbstverantwortlichen Leben zurück. Sie werfen ihre Hoffnungen auf Verbesserung der Lebensumstände lieber auf äußere (Schein-)Autoritäten wie politische Führer oder einen religiösen Heiland. Diese politischen oder religiösen Führer versprechen das Heil und die Erlösung in Form von Sicherheit und Wahrheit, wenn ihre Anhänger immer nur schön brav sind und tun, was von ihnen verlangt wird. Es ist dabei völlig schnuppe, um welche politische Partei oder um welche kirchliche Organisation es sich dabei handelt. Diese Menschen, die das tun, sind halt im bairischen Sinne bled.

        Nebenbei bemerkt: Seit wenigen Jahren habe ich im Bayerischen Wald ein neues Heim bezogen und ich muß zugeben, daß mir die niederbayerische Mundart erhebliche Verständnisprobleme bereitet, viel mehr, als ich das vorher dachte. Trotzdem fühle ich mich hier sehr wohl und ich komme mit meinen Nachbarn trotz der Sprachprobleme gut zurecht.

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Ja, die Waitler sind ein eigener Schlag. Rauh und nicht unbedingt herzlich. Aber wenn sie einem helfen, wenn man dazu gehört, dann stehen sie ihren Mann.
        Die Waitler haben noch die Armut im Blut, das Schmuggeln, das Wildern und Schwarzfischen. „Viel Arbeit, wenig Brot.“, das gab es im Bayerischen Wald.
        I mog´s d´Waitler.
        Wir sind dann ja vielleicht nur 70 – 80 km weit voneinander entfernt. Altbayern als Reservat für die alte und Keimzelle für die neue Zeit. Wir schaffen´s auch ohne Lederhosen und ohne Laptop.

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