Es weben drei Weber

Es weben im Leben drei Weber für dich, Wohl dreimal ein weißes Gewand. Vom Morgen bis abends die Sonne verblich Tönt leise ihr Lied übers Land. Mägdelein hörst du die Spindel sich drehn, Weiß sind die Blüten und weiß ist der Schnee, Alles, was schön ist, wie bald wird’s vergehn – Nah bei der Lust wohnt das Weh!

Der erste, der wob dir die Windel so fein, Voreinst, als dich Mutter gebar, Du lagst in der Wiege, zartrosig und klein, Wie schnell sind verflogen die Jahr. Mägdelein hörst du …

Es webt dir der zweite ein bräutlich Geschmeid, Da strahlst du vor sonnigem Glück. Und schreitest ins lachende Leben zu zweit, Doch einst kommst du müde zurück. Mägdelein hörst du …

Der dritte, er webt dir, o Totenchoral, das Linnen zur ewigen Ruh. Und nimmer erweckt dich der leuchtende Strahl, die Erde deckt dunkel dich zu. Mägdelein hörst du …

Heinrich Anacker

Heinrich Anacker hatte neben romantischen Gedichten auch schwülstige Personenkult-Gedichte im Zeitgeist geschrieben, so, wie Bert Brecht im anderen politischen Lager. Die unpolitischen Werke zu verarbeiten bedeutet nicht zwangsläufig, daß auch die zeitgeistigen unkritisch gutgeheißen werden.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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