Woanders gelesen: Wem soll man bezüglich Washingtons Korea-Politik glauben, Tillerson oder Trump?

Ron Paul

Präsident Trump hat oft gesagt, sein außenpolitisches Ziel sei es, seine Feinde im Unklaren zu lassen. Wenn das das Ziel ist, könnte man sagen, dass er gute Arbeit leistet. Das Problem ist, von wem er glaubt, dass es seine Feinde sind, denn auch die Amerikaner werden oft im Unklaren gelassen.

Die US-Politik gegenüber Nordkorea letzte Woche ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Trump Administration wissentlich oder unwissentlich Verwirrung unter Freund und Feind sät. In dem, was wie ein Durchbruch aussah, kündigte Außenminister Rex Tillerson am vergangenen Dienstag an, dass die USA bereit wären, sich mit Nordkorea „ohne Vorbedingungen“ zusammenzusetzen und zu sprechen. Zuvor hatten die USA gefordert, dass Nordkorea zustimmen müsse, seine Atomwaffen- und Raketenprogramme zu beenden, bevor Washington bereit sei, sich zu formellen Gesprächen zusammenzusetzen.

Die Verlagerung des Außenministeriums in Richtung tatsächlicher Diplomatie mit Nordkorea wurde jedoch schnell zunichte gemacht, als das Weiße Haus verkündete, dass sich seine Position zu Nordkorea nicht geändert hatte. Es schien, dass das Außenministerium und das Weiße Haus jeweils unterschiedliche Außenpolitiken in der Korea-Frage verfolgten.

Das Weiße Haus schien sogar Tillersons Versuch der Diplomatie herabzusetzen und gab am Mittwoch eine Erklärung heraus, dass Gespräche mit Nordkorea „sinnlos“ wären. Kein Wunder, dass Spekulationen fortbestehen, dass Tillerson sein Amt als Außenminister bald verlieren wird.

Am Freitag schien Minister Tillerson dann eine Kehrtwende in seiner eigenen Politik zu vollziehen, indem er auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates ankündigte, dass jeder Verhandlung mit den USA ein „nachhaltiges Ende des bedrohlichen Verhaltens Nordkoreas“ vorausgehen müsse. Nordkorea muss sich seinen Weg zurück an den Tisch verdienen“, sagte er. So wurde innerhalb von nur drei Tagen das Angebot für bedingungslose Gespräche mit Nordkorea unterbreitet und dann vom Tisch genommen.

Es liegt mehr als nur ein wenig Heuchelei in den Forderungen der USA, dass Nordkorea sein „bedrohliches Verhalten“ einstellt. Erst in diesem Monat haben die USA und Südkorea eine weitere gemeinsame militärische Übung gestartet, die gegen Nordkorea gerichtet ist. Rund 12.000 Soldaten und 230 Flugzeuge – darunter auch Tarnkappenjäger – nahmen an den massiven Kriegsspielen teil. Denkt jemand, dass das nicht dazu bestimmt ist, Nordkorea zu bedrohen?

Es ist eine Schande, dass die Falken in der Verwaltung weiterhin dominieren. Es erscheint vernünftig, nach einer Zeit von Gesten des „guten Willens“ zwischen Washington und Pjöngjang Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen. Warum nicht für sechs Monate keine gemeinsamen militärischen Übungen der USA und Südkoreas vereinbaren, wenn im Gegenzug für denselben Zeitraum keine nordkoreanischen Raketenstarts stattfinden, und dann einem Treffen auf neutralem Boden zustimmen? Wie könnte das möglicherweise schaden, vor allem wenn man die Alternative in Betracht zieht?

Die Falken sprechen weiterhin von einem US-Schlag gegen Nordkorea. Senator Lindsey Graham schien erfreut, als er verkündete, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die USA Nordkorea angreifen würden, wenn es eine weitere Atomwaffe zur Detonation bringen würde, bei 70 Prozent liege. Weiß er, wie viele Menschen sterben werden? Kümmert es ihn?

Verteidigungsminister James Mattis scheint skeptisch über die Hysterie der Neokonservativen zu sein und erklärt, dass das nordkoreanische Raketenprogramm keine „taugliche Bedrohung“ für die Vereinigten Staaten darstellt. In diesem Sinne können wir nur hoffen, dass Präsident Trump Tillerson ermutigen wird, eine neue Kehrtwende einzuleiten und zur Idee von Gesprächen ohne Vorbedingungen zurückzukehren. Strategische Zweideutigkeit ist eine Sache, ständig gemischte Signale zu senden, wenn der Atomkrieg droht, ist etwas anderes.

http://antikrieg.com/aktuell/2017_12_19_wemsoll.htm

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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