Woanders gelesen: Kann die amerikanische Linke wiederbelebt werden?

Paul Craig Roberts

„Wo ist die Linke, wenn wir sie brauchen?“ ist eine Frage, die ich gelegentlich gestellt habe. Einige meiner Leser, die die Linke mit Antifa- und Identitätspolitik verwechseln, sind durch meine Frage verwirrt worden. Warum, fragen sie, will ich mehr Antifa-Schläger und Identitätspolitiker, die Weiße hassen?

Die Antwort ist, dass Antifa und Identitätspolitik die Antithese der Linken sind. Die wirkliche Linke ist Pro-Arbeiterklasse, für alle Werktätigen, alle Rassen, Geschlechter, sexuellen Vorlieben. Identitätspolitik zersplittert die Arbeiterklasse in Opfer weißer heterosexueller Männer und zerstört den Zusammenhalt der Arbeiterklasse, wodurch es für Ausbeuter einfacher wird, sie auszubeuten. Die Antifa unterstützt diesen Prozess, indem sie den Hass auf die Weißen konzentriert, indem sie nur die Weißen des Rassismus beschuldigt.

Es war Karl Marx, der sagte: „Arbeiter der Welt vereinigt euch, ihr habt nichts zu verlieren, außer euren Ketten“.

Es ist Identitätspolitik, die sagt: „Arbeiter der Welt säen Zwietracht, zersplittern in Opfergruppen und hassen weiße Männer“, mit anderen Worten, Identitätspolitik ist der schlimmste Feind, den die Arbeiterklasse je hatte. Die kapitalistische Ausbeutung vereint die Arbeiterklasse, aber die Identitätspolitik spaltet die Arbeiterklasse und macht es für die Kapitalisten leichter, sie auszubeuten und für die Politiker, sie zu ignorieren.

Bedeutet mein Ruf nach einer wieder auferstandenen Linken, dass ich ein Marxist bin?

Nein. Das bedeutet, dass ich John Kenneth Galbraith zustimme, dass das wirtschafts- und sozialpolitische System ohne Gegenmacht aus dem Gleichgewicht gerät, wie es in den Vereinigten Staaten von Amerika eindeutig der Fall ist. In kurzer Zeit hat sich die Verteilung von Einkommen und Vermögen in den USA von vernünftig zu unvernünftig entwickelt. Die Löhne, Gehälter und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Arbeiter- und Mittelschicht sind zurückgegangen. Aber verantwortungslose Unternehmen, Auslagerung von Arbeitsplätzen und die verantwortungslose Inflation der Preise von Finanzanlagen durch die US-Notenbank haben dazu geführt, dass Einkommen und Reichtum des Einen Prozents fantastische Niveaus erreicht haben. Eine Handvoll Leute haben mehr Reichtum als 100 Millionen Amerikaner. Die Demokratie ist verwirkt, da der Kongress auf eine Handvoll Menschen und eine Handvoll mächtiger organisierter Interessengruppen reagiert. Eine Steuersenkung, die darauf abzielt, die Ungleichheit zu vergrößern, hat gerade den Kongress in einer Zeit der schlimmsten Einkommens- und Vermögensverteilung in unserer Geschichte passiert. (Siehe z.B. >>> LINK – englisch) Anstatt sich mit der katastrophalen Situation zu befassen, verfolgt die Identitätspolitik Weiße und Präsident Trump, weil er angeblich von der weißen Arbeiterklasse gewählt worden ist.

Als ich in CounterPunch den Angriff von Eric Draitser, dem Radiomoderator von CounterPunch, auf die weiße Arbeiterklasse – „Bedauernswerte Trumpanhänger“ – las, dachte ich, dass Alexander Cockburn, der Gründer von CounterPunch, sich in seinem Grab umdrehen muss. Mit der Entartung von CounterPunch zu Identitätspolitik war die Arbeiterklasse ohne einen Fürsprecher, abgesehen von der World Socialist Web Site.

Es ist möglich, dass Identitätspolitik die Welt zum nuklearen Armageddon verurteilt hat, indem sie die liberal-progressive Linke mit dem „Russiagate“-Angriff des Militärs/Sicherheitskomplexes auf Präsident Trump in Einklang gebracht hat. Wie ich bereits erklärt habe, besteht der Zweck von Russiagate darin, Trump daran zu hindern, die Beziehungen zur nuklearen Supermacht Russland zu normalisieren und die gefährlichen Spannungen zu entschärfen, die durch rücksichtslose und unverantwortliche Aktionen der US-Regierung gegen Russland entstanden sind. Bei vielen Gelegenheiten habe ich die weltweit bedrohlichen Folgen der Dämonisierung von Russland und seiner Führung durch Washington erläutert. (Siehe z.B. >>> LINK – englisch)

Gestern hat sich meine Verzweiflung über den Niedergang der amerikanischen Linken ein wenig aufgehellt, als ich in CounterPunch Michael K. Smiths Angriff auf die Identitätspolitik las, als das, was sie ist: eine verabscheuungswürdige Absicht, die Arbeiterklasse zu zerstören, indem sie ihre Einheit zerstört. Sie können Smith hier lesen: >>> LINK – englisch). Vielleicht ist dies CounterPunch’s Startschuss, um die amerikanische Linke wieder zum Leben zu erwecken.

Ohne eine starke und geeinte Arbeiterklasse gibt es nichts, was die Macht der Konzerne ausgleichen könnte. Die kapitalistische Gier endet damit, dass sie sich selbst zerstört, indem sie das Einkommen der Arbeiterklasse und die Kaufkraft der Verbraucher zerstört. Die Gier wendet sich dann gegen öffentliche Güter und verlangt, dass diese privatisiert oder für Plünderungen geöffnet werden, wie es jetzt bei den geschützten nationalen Denkmälern und dem Arctic National Wildlife Refuge der Fall ist.

Nachdem die Arbeiterklasse an den Rand gedrängt wurde, wird nun der Einfluss der Umweltbewegung zurückgedrängt. Als nächstes werden Sozialversicherung und Medicare drankommen, da die herrschende Oligarchie das Sozialsystem in die Zeit vor dem New Deal zurückdrängt. Da es keine Gegenmacht gibt, sind der Auflösung der Reformen, die das kapitalistische Amerika zu einer lebensfähigen Gesellschaft gemacht haben, keine Grenzen gesetzt.

Um dies zu verhindern, haben wir alle ein Interesse an der Wiederauferstehung der amerikanischen Linken.

http://antikrieg.com/aktuell/2017_12_07_kann.htm

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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3 Antworten zu Woanders gelesen: Kann die amerikanische Linke wiederbelebt werden?

  1. Onkel Peter schreibt:

    Die Antwort ist, dass Antifa und Identitätspolitik die Antithese der Linken sind. Die wirkliche Linke ist Pro-Arbeiterklasse, für alle Werktätigen…

    Zumindestens tut sie so. In der Realität sieht die Sache anders aus. Insofern sind die heutigen Linken wenigstens ehrlicher.

  2. KW schreibt:

    Mir liegt dieser Kommentar schon seit gestern im Magen.Ich kann die Worte „Welt“, „weltweit“ nicht mehr hören. Probleme lassen sich nur auf nationaler Ebene lösen. Marx war genauso ein Internationalist wie die heutigen Konzern- und Bankenchefs.Diesen entgegentreten kann man nur mit der Organisation kleiner politischer Einheiten.Die sogen. linken Internationalisten sind nur die andere Seite der verqueren international vernetzten Geldelite.Der Geldadel mit seinen Riesenmonopolen ist ein anderer Sozialismus, (einer in den Pfoten von Privaten), dem eigen ist, daß er Wettbewerb verhindert. Entweder durch Planwirtschaft oder Monopole.Letztere sind sogar noch gefährlicher, weil sie Erfindungen, die ihnen Konkurrenz machen könnten, verhindern..Wie viele Patente stecken in irgendwelchen Schubladen? Und für die Rechte irgendwelcher unterdrückter Schwarzer sollten sich die Europäer hüten, denn wie sieht es aus in den VSA? Überall Quoten. Quote ist Bevorzugung, in Folge die anderen benachteiligt werden.Die Rassenprobleme haben sich die Staaten selber zuzuschreiben und sollen sie auch selber lösen. Innerhalb der Staaten und nicht weltweit..

  3. Gerhard Bauer schreibt:

    Ihr habt beide Recht.
    Ich halte es auch für kritisch die Linke als einzigen Retter hochzustilisieren.

    Das soll allerdings nicht heißen, dass eine Zusammenarbeit mit Linken nicht möglich ist. Bei der neueren Linke dürfte dies auf Grund der ideologischen Verblendung schlichtweg unmöglich sein. Bei der alten Linken dürfte bei einzelnen Leuten die Möglichkeit bestehen.
    Die Zusammenarbeit wird nur punktuell möglich sein. Sollter aber nicht von vornherein ausgeschlossen werden.
    Es ist z. B. schon viel erreicht, wenn sich beide gegenseitig anerkennen und dem anderen nicht den guten Willen oder die Seriosität absprechen.

    Kersti, Du hast natürlich Recht. Linke sind Zentralisten und Internationalisten. Wir können zwar einen gemeinsamen Gegner haben aber keine gemeinsamen Lösungen des Problems. Dies schließt aber einen gemeinsamen Kampf und sei es nur an bestimmten Abschnitten nicht aus.

    Zumindest wir sollten uns einer möglichen Zusammenarbeit nicht verschließen, wenn dies von anderer Seite erfolgt, kann man eh nichts machen. Ansonsten ist der Zersplitterung Tür und Tor geöffnet.

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