Zur Diskussion gestellt: Einmischen und Meinungsfreiheit

Kürzlich gab es wieder einen Disput beim Runden Tisch Dingolfing. Als Gegenargument gegen die Einmischung in die Angelegenheit anderer, Teilnahme eines Kirchensprengels der evang. Kirche am CSD-Auftrieb, kam die Meinung, dass Einmischen ebenfalls zur Meinungsfreiheit gehöre.

Da bin ich wieder einmal ganz anderer Meinung, zumindest dann wenn diese Behauptung ganz allgemein aufgestellt und als allgemein gültig angesehen wird.
Bisher hörte ich immer von der anderen politischen Seite, dass Einmischen notwendig sei und man dies und jenem keinen Raum zur Entfaltung lassen dürfe.
Ich will von vornherein eines klarstellen. Mir ist es vollkommen egal von welcher Seite ich beschnitten, kritisiert oder sich in private Dinge eingemischt wird. Das dies von links und rechts oft genug gleichermaßen geschieht, ist kein Geheimnis. Wahrscheinlich ist dies eines der Hauptübel der (Partei)Politik ganz allgemein.
Es sind immer die gleichen Leute, die meinen, was für sie gut ist, muss auch für alle anderen gut sein. Die gibt es in allen politischen Lagern, gäbe es sie nicht, gäbe es wahrscheinlich keine Parteien und keine Berufspolitiker, also Berufseinmischer. Das Einmischen bliebe den Ratschkathln vorbehalten und deren gesellschaftliche Stellung ist bekannt.
Für mich kristallisiert sich immer mehr heraus, es kommt nicht drauf an wo einer steht, sondern WER er ist, welchen Charakter einer hat.
A….löcher gibt es überall und ich muss nicht gut Freund mit jemandem sein, nur weil er in gewissen Dingen ähnliche Einstellungen oder Vorlieben hat die ich selbst teile.
Wenn einer gern Weißbier trinkt, muss er noch lange nicht mein Freund sein, genauso wenn jemand politisch über eine Sache ähnlich denkt, muss ich mich noch lange nicht mit ihm gemein machen oder gut Freund sein. Das Gegenteil kann der Fall sein.
Was aber unveränderlich ist, ist der Charakter und das Verhalten seinen Mitmenschen gegenüber. Dazu gehört auch das Einmischen.
Wann mische ich mich ein, wann habe ich das Recht oder gar die moralische Pflicht mich einzumischen.

Unterscheiden wir mal zwei verschiedene Arten von Lebenswelten, die eine ist die private, die andere die öffentliche.

Einmischung in die private ist ein ganz und gar unhöfliches, unnützes und/oder widerliches Verhalten.

Nehmen wir  an, euer Nachbar würde sich in Dinge von euch einmischen, die ihn nichts angehen und ganz und gar nicht betreffen. Ganz egal, ob ihr mitten in der Nacht besoffen vom Wirtshaus heimkommt, eure Kindererziehung oder ob ihr euch einen neuen Kanarienvogel oder ein neues Auto kauft. Er zerreißt sich das Maul, er würde dies oder jenes tun, schöne Zustände usw. usf.

Nehmen wir an ein einzelner, ein Verein, eine Gruppe von Menschen, eine Organisation unternimmt etwas. Man selbst bezahlt jedoch nichts, wird nicht zur Teilnahme gezwungen oder durch irgendeine andere Art und Weise  zwingend damit verbunden oder beschäftigt.

Dann sind dies meiner Meinung nach Dinge die einen absolut nichts angehen, das hat man nicht zu kritisieren, sich nicht darüber aufzuregen, oder auf irgendeine andere Art anzugreifen.

Mit dieser Art der Einmischung, der ja ein gern genutzter Begriff der professionellen Einmischer ist, wird versucht Leute in einer Weise zu beeinflussen, zu bedrängen, dass diese ein bestimmtes Verhalten unterlassen oder ein anderes Verhalten an den Tag legen.
So eine Einmischung ist z. B. die Demonstration gewisser Leute gegen den Marsch für das Leben. Die einen werfen Steine, das sind die sich tätlich einmischen, die anderen kritisieren diesen Marsch vom Lehnstuhl aus, schreiben tendenziöse Kommentare usw. usf.

Richtig wäre, den Marsch für das Leben marschieren zu lassen. Zu anderer Zeit am selben Ort einen eigenen Marsch durchzuführen, an dem man seine Meinung kundgibt und versucht den Mitmenschen zu erklären, wieso es denn menschlich und notwendig sei, dass man Kinder im Mutterleib abtötet.
Damit hätte jeder sein Recht wahrgenommen, die Meinungsfreiheit des anderen geachtet und seine Meinung mitgeteilt. Ob andere sie teilen, bleibt absolut den anderen überlassen.

Wenn Teile der evang. Kirche an etwas teilnehmen und dabei dies oder jenes machen oder machen wollen und man beurteilt dies negativ/tendenziös, dann ist dies meiner Meinung nach eine Einmischung. Eine Einmischung in die inneren Angelegenheit dieses Kirchensprengels. Dies ist eine Sache die nur die Protestanten etwas angeht, vor allem die des Kirchensprengels.

Nun kommen wir aber zu einem Punkt der mich an der Geschichte, Teilnahme oder Abhaltung des CSD-Auftriebs sehr wohl etwas angeht. Das ist die Finanzierung und Kostenübernahme solcher Auftriebe, wie auch die Finanzierung der Kirchen in der BRD, kann ich in diesem Zusammenhang ansprechen. Dies ist der öffentliche Bereich, er geht mich und jeden anderen etwas an.
Ich protestiere entschieden dagegen, dass Steuergeld, das ja auch zu einem Teil von mir bezahlt wird, für dergleichen Dinge ver(sch)wendet wird.
Der CSD ist eine private Veranstaltung die im öffentlichen Raum nichts zu suchen hat. Die können sich ein Stadion mieten und von mir aus den ganze Monat herumziehen und sich auf den Kopf stellen und mit dem Allerwertesten wackeln. Wenn manche Kirchenmitglieder meinen mitziehen zu müssen, sollen sie es tun.
Aber alle auf eigene Kosten.

Kirchen sollten ihr Geld direkt von uns eintreiben, mal schauen, ob sich die Herren Kirchenfürsten dann so leicht täten, sich so weit von „ihren“ Schäfchen entfernten oder Kirchengemeinden Dinge finanzieren könnten, die so gar nichts mit der Kirche und dem christlichen Glauben zu tun haben.
Die Finanzierung der Kirchen mittels Steuergelder ist einzustellen. Religion ist Privatsache.
Wie komme ich dazu Gehälter von Pfarrern, Bischöfen etc. zu bezahlen. Das ist Sache der Kirche aber nicht die des Staates. Noch so etwas das uns der Adi eingebrockt hat und nicht rückgängig gemacht wurde. Das verschweigen die Herren Kirchenfürsten nur allzu gerne. Beim Geld kann man über gewisse Dinge schon hinwegsehen und Geld hat noch einen großen Vorteil, es stinkt nicht.

Also einmischen, ich sage lieber mitmischen, dort, wo es einen direkt oder indirekt betrifft und zwar auf die Weise, die einen auch direkt oder indirekt betrifft.

Das andere Einmischen ist einfach nur lästig und ärgerlich oder widerlich, oft genug alles zugleich.
Denken wir nur dabei an die diversen Aktionen im Kampf für oder gegen bestimmte Meinungen.
Da wird auch von Einmischen, Gesicht zeigen etc. gesprochen. Nur, es geht niemanden etwas an und es ist ein Zeichen von Freiheit, ein hohes Zeichen, wenn jemand seine Meinung äußern kann ohne dass gleich jemand dagegen aufsteht und meint seinen Senf dazugeben zu müssen oder gar Maßnahmen einleitet (was ja meist nur eine Frage der Machtposition ist).

WEHE WENN SIE LOSGELASSEN

WEHE DEN BESIEGTEN

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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4 Antworten zu Zur Diskussion gestellt: Einmischen und Meinungsfreiheit

  1. Uranus schreibt:

    Grundsätzlich besteht im Universum völlige Freiheit. Für Alles! Auch für die Freiheit, einen Mord zu begehen. Normensysteme der Moral, Gesetze, Verordnungen und sogar die persönlichen Befindlichkeiten eines Einzelnen stellen keine Einschränkungen der grundsätzlichen Freiheit dar. Das sind lediglich Beschreibungen dessen, was in einer jeweiligen Kultur erwünscht oder verboten ist und welche Konsequenzen bestimmte Handlungen haben können. Die Androhung der Todesstrafe oder einer lebenslangen Haft bei Mord kann beispielsweise nicht verhindern, daß trotzdem immer wieder gemordet wird. Zum Glück halten sich aber die meisten Angehörigen einer bestimmten Kultur an die Regeln, die in dieser Kultur üblich sind.

    Die Einmischung in private Angelegenheiten kann sich ein Betroffener zwar verbitten, es aber ohne Anwendung rabiater Maßnahmen nicht verhindern, falls der Einmischer sich immer wieder einmischen sollte. Sollte der Einmischer bei seinen Einmischungen nicht straffällig werden, ist es schwierig, dagegen vorzugehen, ohne selber straffällig zu werden.

    Auch an diesem Beispiel ist ersichtlich, daß in letzter Konsequenz immer das Recht des Stärkeren gilt. Es geht hierzulande nur deshalb meistens (noch) nicht alles drunter und drüber, weil bisher nur Wenige von ihrer totalen Freiheit Gebrauch gemacht haben. Ich sehe es deshalb als eine wichtige Teilaufgabe eines Widerständlers an, wenigstens zu versuchen zu verhindern, daß alles in Chaos und Gewalt versinkt, nur weil Chaoten und Gewalttäter den Begriff der Freiheit sehr freizügig auslegen.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Wer den Begriff der Freiheit nur für sich in Anspruch nimmt und nicht die Freiheit des anderen berücktsichtigt, handelt gegen die allgemeine Freiheit.
      Es ist eine prinzipielle Frage deren Beantwortung schwierig und im täglichen Leben ein fließender Übergang zwischen dem Einhalten und Verletzen der Freiheit des/der Anderen zu beobachten ist.
      Wie bei so vielem im Leben gibt es lässliche „Sünden“ und andere die unverzeihlich sind.
      Wichtig ist, dass man sich als freiheitsbewusster Mensch bewusst macht, dass die Übergänge fließend sind, die Gefahr der Einschränkung stets vorhanden ist und vieles der Gewohnheit entspringt und nicht mehr auffällt.

      Wer verändern will sollte sich bewusst werden, dass es nicht auf SEINEN, den eigenen Willen ankommt, sondern darauf dass andere ebenso ihren Willen bekommen und da wird´s schwierig.

      Das ist ja auch das Grundproblem von politischen Parteien und deren Parteigängern. Sie haben immer Lösungen für alle parat. Keiner geht auf die Straße und sagt: „Entscheidet selbst, bestimmt selbst wie ihr Leben wollt.“
      Manchmal führen sie so ähnliche Worte in ihren Texten auf, sie gehen aber lediglich mit dem Begriff der Freiheit hausieren, wollen das Kreuzchen auf dem Stimmzettel, je mehr sie davon haben desto mehr Macht, desto mehr Möglichkeiten Regeln/GEsetze etc. für alle verbindlich zu machen und werden damit zu Feinden der Freiheit, die sie so sehr propagieren.

      Natürlich muss man auch berücksichtigen, dass es in der menschlichen Natur liegt sich auch unter- und einzuordnen. Auch hier muss die Freiheit gewährt sein, dies zu tun.

      • Uranus schreibt:

        Bei der Besprechung solcher Fragen gerät man unweigerlich in tiefere Schichten der Philosophie, was ja auch mal ganz angenehm ist, darüber nachzudenken. Der wesentliche Grundsatz meines Lebens ist weniger das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, als vielmehr der Kantsche Imperativ, in volkstümlich etwa so formuliert: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu“. Damit konnte ich bisher die meisten Entscheidungen ohne Restzweifel treffen. Die Freiräume bezüglich meines Lebens, die innerhalb dieser selbst auferlegten Begrenzung trotzdem noch vorhanden sind, sind immer noch ganz beträchtlich, obwohl sie durch die immer unglaublicher werdenden politischen Absurditäten zunehmend in Gefahr geraten.

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Da sind wir uns ähnlich.
        Gelegentlich verfolge ich auch den Grundsatz „Wie Du mir, so ich Dir“.
        Wobei dies eher der reaktive Ansatz ist aber gelegentlich ist man halt in dieser Position.

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