Zum Kalenderblatt 21. Juni/Brachet: Scapa Flow 1919

Nach vier Jahren Weltkrieg ruhen seit dem 11. November 1918 die Waffen. Acht Tage später, am 19. November 1918 bricht die Kaiserliche Kriegsflotte in einer fünfzig Kilometer langen Kolonne von Wilhelmshaven zu ihrer letzten Fahrt auf. Über 70 Linienschiffe, Kreuzer und Torpedoboote erfüllen eine Bedingung des Waffenstillstandsvertrags zwischen den Siegermächten und dem Deutschen Reich. Darin wird die Auslieferung aller deutschen U-Boote und die Internierung der modernsten Überwassereinheiten verlangt. Die Schiffe sind vollständig abgerüstet worden. Die zweitstärkste Flotte der Welt, einst populäres Symbol der Reichseinheit, ist unbewaffnet.

Erst drei Wochen zuvor hatten die meuternden Heizer und Matrosen die meisten Offiziere von Bord gejagt, als die Pläne der Flottenleitung bekannt wurden, zu einer letzten großen Schlacht gegen England auszulaufen. In der Annahme, die Schiffe würden als „vorübergehendes Pfand“ beim Friedensschluss nach Deutschland zurückkehren, rief auch der Oberste Soldatenrat die Mannschaften „im Dienste des Vaterlandes“ dazu auf, „der neuen deutschen Republik ihre Wehrkraft zu erhalten“ und belohnte die Mitarbeit später mit einem selbst gebastelten „Überführungsorden“. Den Offizieren wurde ein Minimum an Autorität zugebilligt, damit sie wieder an Bord gingen und die seemännische Führung der Schiffe zum Firth of Forth übernahmen, der Bucht von Edinburgh.

Bei „unverständlich herrlichem Wetter„, so der Chef des Überführungsverbands, Konteradmiral Ludwig von Reuter, geht es am Abend vorbei an Helgoland und seinen rotglühenden Felsen. Auf dem Weg durch die minenverseuchte Nordsee sinkt in der Nacht ein Torpedoboot (V 30) , zwei Tote sind zu beklagen. Am nächsten Tag laufen mehrere Funksprüche der Royal Navy ein, in denen nach Position und Kurs der deutschen Schiffe gefragt wird. Admiral Sir David Beatty, Oberkommandierender der Grand Fleet, der eigentlichen Schlachtflotte Großbritanniens, rechnet nicht damit, dass sie wehrlos und unversehrt ankommen werden.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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