Woanders gelesen: Oxymora in der amerikanischen Außenpolitik

Jessica Pavoni

Oxymoron (pl: Oxymora): eine sprachliche Figur, bei der eine Wortkombination einen unvereinbaren, scheinbar sich selbst widersprechenden Effekt hervorbringt, wie z.B. bei „grausame Güte“ oder „sich langsam beeilen.“

Die Art und Weise, in der wir Wörter verwenden, spielt eine große Rolle. Wenn Wörter ihre Bedeutung zu verlieren beginnen oder verzerrt werden, beginnen die Dinge, die wir sagen, etwas ganz anderes zu bedeuten … drücken vielleicht ein Gefühl aus, das dem ursprünglich gemeinten entgegengesetzt ist. Das ist nicht unähnlich dem Begriff „Doppelsprech“ (George Orwell hat diesen in 1984 hervorgehoben, wo Krieg Frieden und Frieden Krieg ist). Es ist wichtig zu sehen, dass Wörter ihre Bedeutung nicht über Nacht ändern, in den meisten Fällen findet ein „Bedeutungswandel“ statt – je öfter rot als orange bezeichnet wird, desto eher wird es letztendlich so gesehen werden. Während das bei Farben nicht viel ausmachen wird, macht es gewaltig viel aus in der Welt von Krieg, Frieden und Außenpolitik. Ideen formen Wörter und Handlungen entstehen aus Ideen. Wenn Krieg fälschlich als „defensiv“ oder „humanitär“ bezeichnet wird, bilden die Worte ein Vehikel, das die Öffentlichkeit im Großen und Ganzen eine gewalttätige unmoralische Vorgangsweise gegen andere Menschen stillschweigend hinnehmen lässt. Sehen wir uns einige der bekannten Phrasen an, die in Zusammenhang mit der modernen amerikanischen Außenpolitik immer wieder unter die Leute gebracht werden, und bewerten wir, ob sie meinen, was sie sagen … oder etwas völlig anderes.

Verteidigungsministerium:

Früher wurde es Kriegsministerium genannt, was viel zutreffender war. Nehmen Sie zum Beispiel die Merriam-Webster-Definition von Verteidigung: „die Handlung, jemanden oder etwas vor einer Attacke zu schützen.“ Laut dieser Definition impliziert das Wort „Verteidigung,“ dass ein Angriff stattfindet oder vielleicht unmittelbar bevorsteht (das ist ein weiterer dieser Begriffe, die so verdreht worden sind, dass sie nicht wieder zu erkennen sind). In Wirklichkeit verwaltet das Verteidigungsministerium Streitkräfte, die in vielen Dutzenden Ländern rund um die Welt präsent sind. Sogar die „Nationalgarde“ wird zur Unterstützung von zahlreichen Einsätzen abkommandiert, erst letzte Woche entsandte die Wisconsin Guard 65 Mann in den Irak und nach Kuwait.

Humanitärer Krieg:

In der Tat ist es irgendwie erschreckend, dass die Phrase „Humanitärer Krieg” überhaupt existiert. Das ist die Vorstellung, dass manchmal der beste Weg, um Menschen zu helfen, Start, Einmischung oder Parteinahme in einem gewalttätigen Konflikt ist, oft ohne auf den Zusammenhang mit der Situation oder die Wünsche der betroffenen Menschen zu achten. Die Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika bei der UNO Samantha Power ist ein hervorragendes Beispiel für die liberalen Kriegsfalken, die diese Art von Vorgangsweise vorantreiben. Robert Parry bringt eine kurze Übersicht über Power, die Agenda der humanitären Intervention und deren bedrückendes Scheitern auf seiner Website consortiumnews.com. Die Intervention im Interesse der irakischen, libyschen oder syrischen Bürger (sollte das tatsächlich das Ziel gewesen sein und nicht Regimewechsel) hat diesen in keiner Weise geholfen.

Präventive Verteidigung:

Die Bedeutung von „Verteidigung” wurde bereits oben diskutiert. In der Praxis wird präventive Verteidigung benützt, um eine gewalttätige Vorgangsweise zu rechtfertigen im Fall des Verdachts, dass jemand ein Verbrechen plant oder planen könnte, sie kommt der Gedankenpolizei am nächsten. Der Fall Anwar al-Awlaki, in dem zwei Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika (Vater und Sohn) in separaten Drohnenangriffen 2011 im Jemen getötet wurden, ist einer der eklatantesten – und verstörendsten – Fälle, in dem die Doktrin der Vorbeugung benutzt wurde. Aber die Idee der Vorbeugung geht weit vor die Awlakis zurück … sie wurde benutzt, um den amerikanischen Einmarsch 2003 in den Irak zu rechtfertigen, eines der größten Kriegsverbrechen dieses Jahrhunderts. Senator Robert Byrd traf es sehr gut, als er im Februar jenes Jahres sagte:

„Dieses Land ist dabei, eine neue Strategie einzuschlagen nach dem ersten Test einer revolutionären Doktrin in einer außergewöhnlichen Weise zu einer ungünstigen Zeit. Die Doktrin der Vorbeugung – die Idee, dass die Vereinigten Staaten von Amerika oder ein anderes Land rechtlich gedeckt ein Land angreifen können, das sie nicht unmittelbar bedroht, aber in der Zukunft bedrohen könnte – ist eine radikale Verdrehung der traditionellen Vorstellung der Selbstverteidigung. Das scheint im Widerspruch zum Internationalen Recht und zur Charta der UNO zu stehen.

Die amerikanischen Medien sind gerammelt voll mit Angstmacherei und Uneinigkeit stiftenden Wörtern, und die Bedeutungen, die wir diesen zuschreiben, werden reale Auswirkungen haben auf Menschen rund um die Welt. Indem wir geänderte Definitionen von Wörtern wie Verteidigung, präventiv, unmittelbar bevorstehend und humanitär akzeptieren, werden Menschen hinters Licht geführt, damit sie illegale und unmoralische Kriege unterstützen oder gar fordern. Wenn Sie das nächste Mal diese Begriffe, die uns zu Gewalt aufhetzen, im Fernsehen hören, dann denken Sie daran, was sie in Wirklichkeit bedeuten.

http://antikrieg.com/aktuell/2017_06_07_oxymora.htm

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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