Zum Kalenderblatt 26. Mai/Weidemond: Kaspar Hauser

Kaspar Hauser

von Frieder Veröffentlicht am 30. April 2012 [Bearbeiten]

Mit Kaspar Hauser, dem “Wolfskind”, verbindet aktuell das Thema  “Kinderbetreuung”. Es geht um ein Kind, dem Liebe, Zuwendung und Erziehung durch Eltern und Nächste vorenthalten wurden.
Und heute wollen totalitär-bolschewistisch angehauchte Politiker, wie Frau Kraft aus NRW, per Gesetz herbeiführen, dass die Kinder wie der Kaspar Hauser aus der elterlichen Obhut genommen werden und dann durch den Staat zu “nützlichen” Objekten gemacht werden. Das “Experiment Kaspar Hauser”, eingefügt in die Neuauflage des totalen sozialistischen Menschenexperiments, wird wieder aufgelegt.

Heute vor 200 Jahren wurde Kaspar Hauser angeblich geboren. So sei es gestattet, den nachfolgenden Artikel  aus dem Archiv zu holen.

Kaspar Hauser

von Frieder, 17. Dezember 2011

Zu einem Spaziergang in meiner Geburtsstadt Ansbach gehört der Weg durch den Hofgarten. Dort stößt man auf einen Gedenkstein, der dem unbedarften Betrachter Rätsel aufgeben kann. An dieser Stelle des Hofgartens soll im Dezember 1833 Kaspar Hauser durch einen Attentäter schwere Stichverletzungen erhalten haben, an denen er am 17. Dezember verstarb.
„Kaspar Hauser“ ist eines meiner frühesten Namens-Engramme. Schon als Vierjährigen hat mich  meine Mutter beim Sonntagsspaziergang dort auf diesen Namen hingewiesen; und ihre Art der Ansprache ließ mich schon damals viel Dunkles vermuten.
„Hic occultus occulto occisus est – XIV Dec. MDCCXXXII“.
Meine Mutter, eine einfach Frau, konnte kein Latein und die Inschrift hat wohl das Geheimnisumwitterte in der  Anmutung  gesteigert.
Auch später, wenn es abends oder am Sonntagnachmittag ans Geschichtenerzählen ging, wenn „Ansbach“ ins Gespräch kam, fehlte die rätselhafte Geschichte des Kaspar Hauser nicht.

Kurz zusammengefasst ist Kaspar Hauser ein Findling, um den sich lange Zeit das Gerücht rankte, er sei Abkömmling einer badischen Fürstenfamilie, der als Kind über Jahre bei Wasser und Brot in Einzelhaft gehalten wurde, bis im seine Flucht gelang und er am 26. Mai 1828 in Nürnberg auftauchte.
Ein „Wolfskind“ gewissermaßen. Andere halten ihn für einen Betrüger und Hochstapler, der sich schließlich selbst mit eigener Hand umbrachte.
Stoff für vielerlei Ausgestaltungen.

Was konnte man da sich auch als Kind nicht zusammenphantasieren!
Wie wäre es, man wäre selbst so eingesperrt in ein finsteres Loch, ohne Kontakt zur Außenwelt oder nahestehenden Menschen? Wie wäre es, alsdann als 16-Jähriger hinausgeworfen in eine fremde und feindliche Welt? Nicht wissend, von wem man abstammt, von wo man herkommt. Und dann gibt es auf einmal Menschen, die merkwürdiges Interesse an einem haben, sich angestrengt um einen kümmern. Man wird zum bestaunten Wundertier, das jetzt Sprechen, Schreiben, ja gar „höhere Konversation“ erlernte.

Die Erzähl-Abende und -Sonntage wurde seltener, Erhellendes konnte nicht mehr zu dieser Geschichte erfahren werden.
Am Gymnasium, Mittelstufe, wurde uns dann Jakob Wassermanns Roman „Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ als Lektüre anempfohlen. Eine Art Kriminalroman eines Literaten, von Wassermann einem großen deutschen Schriftsteller bester Tradition, aus Fürth stammend.

Damals gab es noch kein Internet mit Wikipedia, wo man hätte tiefschürfend nachforschen können, was es mit Kaspar Hauser auf sich hat – und was nicht.

Nicht erst bei Wassermann kommt Anselm Feuerbach – genauer Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach – ins Spiel.
Feuerbach ist eine große Gestalt in der Justizgeschichte im nach-Napoleonischen Bayern, Präsident des Apellationsgerichts in Ansbach, Obervormund und Gönner des Findlings. 1832 veröffentlichte er das Buch „Kaspar Hauser, Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen“.

Im Gymnasium auch Konfrontation mit den Ideen von Rousseau. Man erfuhr von Victor von Aveyron, einem berühmten französischen “Wolfskind”,  wie gerufen für die „Aufklärer“ im Frankreich nach der Revolution, um die Thesen Rousseaus in der Praxis zu testen.
Im Studium beschäftigte mich zuzeiten Mitscherlichs „Krankheit als Konflikt“. Da fand ich erstmals  einen Hinweis auf die angeblichen Menschenversuche des Stauferkaisers Friedrich II. Auf der Suche nach der „Ursprache“ isolierte er Säuglinge und gab sie in die Obhut von Pflegerinnen, die diese zwar füttern und waschen sollten, ihnen aber jegliche menschliche Zuwendung verweigerten. Alle auf diese Art behandelten Kinder starben daraufhin. Bericht über eine erste „wissenschaftliche“ Erforschung des Deprivationssyndroms.
1973 Medizinisches Staatsexamen in Würzburg, Fach Kinderheilkunde: da machte sich der berühmte, eher berüchtigte Ordinarius und Professor der Kinderheilkunde „Jupp“ Ströder den Spaß, mich nach bekannten Persönlichkeiten aus meinem Geburtsort mit Bedeutung für die Kinderheilkunde zu fragen. Die Namen solcher Koryphäen werden einem ja nicht qua Geburt am Ort, den man dann vor 20 Jahren verlassen hatte, ins Gehirn gebrannt; und da tat ich mir denn auch schwer. Da kam nichts und so fragte mich der Professor nahezu höhnisch, ob mir denn wenigstens der Kaspar Hauser bekannt sei. „Bingo“ würde man heute sagen, Treffer! Wir waren also in der „Kinderpsychiatrie“ gelandet und das „Kaspar-Hauser-Syndrom“ sollte man kennen. Als von mir das Stichwort „Deprivation“ kam, war dieser Teil der Prüfung dann gerettet.

Seither hat mich Kaspar Hauser selten mehr beschäftigt. Es gab einige gut gemachte Fernsehfilme über Kaspar Hauser. Man registrierte, dass viele Schriftsteller sich des Sujets annahmen und das deutsche Volksbildungsjournal, der Spiegel, griff das Thema etliche Male auf.

Heute kam ich durch ein „Kalenderblatt“ wieder auf Kaspar Hauser: nämlich an einem 17. Dezember starb er in Ansbach. Was mich zum Nachdenken, Gruscheln im Gedächtnis und zu (Internet-) Nachforschungen anregte.

Das Thema „Deprivation“ bei Kindern ist aktueller denn je. Aber anders als bei dem „Kriminalstück“ Kaspar Hauser, dem Geschick des Victor von Aveyron oder anderer „Wolfskinder“.
Man liest fast täglich in der Zeitung von Kindes-Tragödien in unserer Zeit.
Es wächst möglicherweise eine neue Art von „Wolfskindern“ heran: immer mehr Kinder, denen Liebe, Zuwendung und Erziehung durch Eltern und Nächste vorenthalten wird. Und da die Politik, der „vorsorgende Staat“ dies verhindern will, kommen  Lösungen ins Spiel, welche nur eine neue Art von Linne´s „homo ferus“ erzeugen.
Staatliche Bewahr- und Erziehungsanstalten sollen der Ausweg sein; unter Wegnahme des elterlichen Einflusses. Mütterliche Zuwendung wird aus ideologischen und „ökonomischen“ Gründen als entbehrlich dargeboten; da sich ja die Zeiten geändert haben – wie manche dann gerne entschuldigend sagen.

Ein weites Feld zu Erörterung….

http://altmod.de/?p=163

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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