Zum Kalenderblatt: 23. Mai/Weidemond 1945: Provisorische Reichsregierung verhaftet / Teil 3/3

„..Der Verfasser dieser Schrift „Warum, woher, aber wohin?“ ist der Überzeugung, daß das Geschehen von Flensburg am Eingang der erwar­teten neuen Zeit nach Hitler nicht unterschlagen werden dürfe bei irgend­einer endlichen neuen und ehrlichen Deutung. In dem ungeheuerlichen menschlichen Irregang m u ß einfach
J e g 1 i c h e s aufgezeigt werden, um überall zur Kenntnis der Beweggründe und Triebe zu gelangen und auch zur Kenntnis bewußten unheimlichen Betruges neben den Beweggründen und neben den Trieben. –

Großadmiral Dönitz wurde mit den anderen gegenwärtigen Männern der geschäftsführenden Reichsregierung und des OKW von Flensburg nach Bad Mondorf in Luxemburg geschafft. Dort war ein bekannter Gasthof zum Untersuchungsgefängnis umgewandelt worden. Aus dem Untersu­chungsgefängnis in Bad Mondorf gab Großadmiral Dönitz im Juli 1945 eine letzte Erklärung an die Gegner und an die Öffentlichkeit ab. Sie lau­tete nach Lüdde-Neurath: „Der Kommandant des Lagers, in dem ich mich als Kriegsgefangener befinde, verlas am 7. Juli eine aus drei Paragraphen bestehende Anordnung, die in § 2 u. a. die Feststellung enthielt, der d e u t  s c h e S t a a t hat aufgehört zu bestehen. Der Satz wurde auf meine Ein­wendung nachträglich dahin berichtigt, daß es heißen sollte, die d e u t s c h e
R e g i e r u n g habe aufgehört zu bestehen. Um Mißverständnissen über meinen Standpunkt vorzubeugen, treffe ich folgende Klarstellung:

„1. Die Kapitulation ist von meinen Beauftragten auf Grund einer schriftlichen Vollmacht geschlossen worden, die ich als Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs und damit Oberster Befehlshaber der Wehrmacht ausgestellt habe, und die in dieser Form von den bevollmächtigten Ver­tretern der Alliierten Streitkräfte verlangt war und anerkannt wurde. Die Alliierten haben mich damit selbst als Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches anerkannt.

„2. Durch die mit meiner Vollmacht am 9. Mai 1945 abgeschlossene bedingungslose Kapitulation der drei deutschen Wehrmachtsteile hat weder das Deutsche Reich aufgehört zu bestehen, noch ist dadurch mein Amt als Staatsoberhaupt beendet worden. Auch die von mir berufene geschäftsführende Regierung ist im Amt geblieben; mit ihr hat die alliierte Überwachungskommission in Flensburg bis zum 23. Mai in Geschäfts­verkehr gestanden.

„3. Die im Anschluß an die Kapitulation erfolgende vollständige Be­setzung des Deutschen Reichsgebietes hat an dieser R e c h t s 1 a g e nichts geändert. Sie hat nur mich und meine Regierung tatsächlich behindert, in Deutschland Regierungshandlungen zu vollziehen.

„4. Ebensowenig konnte meine und meiner Regierung Gefangennahme auf die dargelegte Rechtslage Einfluß haben. Sie hatte nur zur Folge, daß jede tatsächliche Amtstätigkeit für mich und meine Regierung vollständig aufhörte.

„5. Mit dieser Auffassung über die Rechtsfolgen der erwähnten mili­tärischen Vorgänge befinde ich mich in Übereinstimmung mit den allge­mein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts.“

Der makellose Soldat Dönitz wurde in weiterer Folge auf den Mär­tyrerweg der großen Anzahl deutscher Ehrenmänner getrieben, für ihn führte der Märtyrerweg über das Nürnberger Tribunal` nach Spandau als ,Kriegsverbrecher`. –

Am 5. Juni 1945 gaben die Oberbefehlshaber der vier Besatzungsmächte, der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten, des Vereinten Königreiches und der provisorischen französischen Republik bekannt, durch ihre Staa­ten sei die Obrigkeit in Deutschland übernommen worden, einschließlich aller Machtvollkommenheiten, die der deutschen Regierung, dem OKW und allen staatlichen, städtischen oder örtlichen Regierungen oder Be­hörden zustanden. Die Übernahme der höchsten Obrigkeit und Macht­vollkommenheit bewirke „nicht die Annektierung Deutschlands, dessen Grenzen und rechtliche Stellung oder auch irgend eines Gebietes, welches gegenwärtig einen Teil Deutschlands bildet, später festgelegt werden solle“. Im § 11 der Ankündigung hieß es: „Die hauptsächlichen Nazi­führer, die von den alliierten Vertretern namhaft gemacht werden, und alle Personen, die von Zeit zu Zeit von den alliierten Vertretern genannt oder durch Dienstgrad, Amt oder Stellung beschrieben werden, weil sie im Verdacht stehen, Kriegs- oder ähnliche Verbrechen begangen, befohlen oder ihnen Vorschub geleistet zu haben, sind festzunehmen und den alliierten Vertretern zu übergeben. Dasselbe trifft zu für alle die An­gehörigen irgend einer der Vereinten Nationen, von denen behauptet wird, daß sie sich gegen die Gesetze ihres Landes vergangen haben, und die jederzeit von den alliierten Vertretern namhaft gemacht oder durch Dienstgrad, Amt oder Stellung beschrieben werden können. Allen An­weisungen der alliierten Vertreter, die zur Ergreifung und Übergabe sol­cher Personen zweckdienlich sind, ist von den deutschen Behörden und von dem deutschen Volke nachzukommen.“ In § 13b wurde verkündet: „Die alliierten Vertreter werden Deutschland zusätzliche politische, verwaltungsmäßige, wirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Forderungen auferlegen, die sich aus der vollständigen Niederlage

Deutschlands ergeben. Die alliierten Vertreter bzw. die ordnungsmäßig dazu ermächtigten Personen oder Dienststellen werden Proklamationen Befehle, Anordnungen und Anweisungen ergehen lassen, um solche zusätzlichen Forderungen festzulegen und die übrigen Bedingungen dieser Deklaration auszuführen. Alle deutschen Behörden und das deutsche Volk haben den Forderungen der alliierten Vertreter bedingungslos nachzu- kommen und alle solche Proklamationen, Befehle, Anordnungen und Anweisungen uneingeschränkt zu befolgen.““

Aus „Warum, woher, aber wohin?“ von Hans Grimm

Siehe Teil 1 und 2:

https://deutscheseck.wordpress.com/2011/05/23/23-mai-1945-provisorische-reichsregierung-verhaftet-teil-13/

https://deutscheseck.wordpress.com/2011/05/24/23-mai-1945-provisorische-reichsregierung-verhaftet-teil-23/

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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