Entlang am Hermannsweg – Der Tönsberg bei Oerlinghausen

Sehenswürdigkeiten am Hermannsweg bei Oerlinghausen

Der Tönsberg ist ein Bergrücken im Teutoburger Wald und erreicht eine Höhe von 333,4 m ü. NHN. Er liegt teilweise auf dem Stadtgebiet von Oerlinghausen im Kreis Lippe im Nordosten von Nordrhein-Westfalen. Über den Tönsberg führt in etwa 3,5 km Länge der Hermannsweg.

Ehrenmal

Im Jahr 1930 wurde ein Ehrenmal zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges eingeweiht. Zur Einweihungsfeier kamen über 5000 Menschen auf den Tönsberg. Gestaltet wurde es von dem Bildhauer Berthold Müller-Oerlinghausen. Von Säulen eingerahmt liegt ein Soldat auf einem Sarkophag.

Eine umlaufende Inschrift am oberen Rand des Ehrenmals lautet „WANDERER HEMME DEN SCHRITT – SCHIRMEND DER HEIMAT HEILIGEN BODEN – STARBEN DIE TAPFEREN UNBESIEGT – BEUGE DICH VOR DES OPFERS GRÖSSE“.

Im Zweiten Weltkrieg kam es im Februar 1945 in unmittelbarer Nähe des Ehrenmals zum Absturz eines britischen Flugzeugs, bei dem die beiden Piloten starben. Das Ehrenmal wurde nur leicht beschädigt.

Löns-Denkmal

Im Jahr 1898 wanderte der Schriftsteller Hermann Löns über den Tönsberg; seine Eindrücke flossen in Schilderung Frau Einsamkeit, erschienen 1911 in dem Band Da draußen vor dem Tore. Heimatliche Naturbilder. ein. Es heißt dort unter anderem: „… So stieg ich bergauf, an der Hünenkapelle auf dem Tönsberg vorüber, durch Buchenwald, in dessen Schatten die Bickbeersträucher strotzten …“. Dreißig Jahre später wurde auf dem Tönsberg ein Denkmal aus Granitfindlingen vom lippischen Jägerverein für ihn errichtet und am 9. September 1928 eingeweiht.

Die Hünenkapelle

Aus dem Spätmittelalter stammt vermutlich die Hünen- oder Antoniuskapelle, deren nachgebaute Ruine bis heute erhalten ist. Sie liegt im Kernbereich der verlassenen Festungsanlagen und war dem heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Einsiedler gewidmet. Kapellen wie diese errichtete man an Orten, an denen gläubige Einsiedler Visionen erlebten. Die Kapelle diente noch im 16. Jahrhundert als Wallfahrtskapelle. Aus den Paderborner Annalen von 1693 geht hervor, dass mindestens bis zum Jahr 1548 Wallfahrten von Dortmund aus stattfanden. Nach der Reformation in Lippe blieb sie zunehmend ungenutzt und verlor immer mehr an Bedeutung. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Mauerwerk größtenteils abgetragen und die Steine zum Ausbau eines Bauernhofes genutzt. Das Originalkreuz der Kapelle lagert seit 1548 in der Krypta des Paderborner Doms. Die heute existierende Kapellenruine ist ein romantischer Nachbau aus dem 19. Jahrhundert.

Die Kumsttonne

Die sogenannte Kumsttonne (Kumst = Sauerkraut), der bruchsteinerne Rundbau einer ehemaligen Windmühle, steht weit sichtbar am Nordwesthang des Tönsbergs und gilt als Wahrzeichen der Stadt Oerlinghausen. Im Jahr 1753 wurde die Windmühle auf dem damals baumfreien Tönsberg errichtet und vom ersten Pächter in Betrieb genommen. In den folgenden 62 Jahren hatte die Mühle insgesamt zehn Pächter, bis sie 1813 in den Besitz des Gutes Niederbarkhausen überging. Sie wurde noch weitere dreißig Jahre betrieben, ehe ihr ein Sturm die Windmühlenflügel abriss. Der Besitzer von Niederbarkhausen entschied 1850, die Mühle nicht mehr instand zu setzen und den Betrieb einzustellen. Begründet wurde diese Entscheidung mit der schwierigen Auffahrt auf den Tönsberg. Als Alternative ließ der Gutsherr eine neue Windmühle in der Nähe des Gutes Niederbarkhausen errichten.

Im Mai 1936 übergab der damalige Gutsherr, Major Lentzcke, den Windmühlenstumpf in den Besitz der Stadt Oerlinghausen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde eine Sirene angebracht, um die Bewohner Oerlinghausens vor Fliegerangriffen zu warnen. Anfang April 1945 beschossen die Amerikaner mit ihren Geschützen das Wahrzeichen, ohne aber nennenswerten Schaden anzurichten. 2005 wurde eine Wetterstation am Mauerwerk installiert, um Daten zu Windstärke, Niederschlagsmenge und Temperatur zu messen.

Filmaufnahmen von Heimatbilder

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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Eine Antwort zu Entlang am Hermannsweg – Der Tönsberg bei Oerlinghausen

  1. rundertischdgf schreibt:

    Ich habe 5 Jahre in Detmold-Heidenoldendorf gewohnt mit direkter Sicht auf das Hermannsdenkmal. Diesen Wanderweg nach Oerlinghausen habe ich nicht wahrgenommen. Schade!
    mfg J.H.

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