Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Schön wär´s.

Ersetzen wir Gesellschaft durch Volk, Volk durch Staatsvolk und beschränkt durch unbeschränkt. Dann kommen wir der Tatsache, dass wir und nur wir, das (jeweilige) Staatsvolk, letztendlich mit jedem Hosenknopf haftbar sind.
In einer Gesellschaft (im kaufmännischen Sinne) hat jeder Gesellschafter abhängig von seiner Beteiligung ein Stimmrecht, im Staat ist dies anders. Man sagt uns, jeder aber wirklich jeder (bis auf einige Ausnahmen) hat ein Stimmrecht und kann über Wohl und Wehe des Staates und damit in einem gewissen Maße über sein eigenes Schicksal mitentscheiden.
Das wäre so, würde der Staat nach kaufmännischen Grundsätzen geführt, das wird er aber nicht. Wir haben ein Stimmrecht, das ist richtig. Damit ist aber mit der Entscheidungsmöglichkeit und Möglichkeit der Einflußnahme auch schon Schluß.
Es können Personen gewählt werden, die durch diejenigen die die Entscheidungsmöglichkeit haben oder dazu ermächtigt wurden, ausgewählt werden. Dieser enge Personenkreis ist handverlesen und muss durch die Schule der Partei gehen, in der der zukünftige Entscheider seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen kann.
Zuverlässigkeit, Linientreue und schnelle Anpassungsfähigkeit sind gefragt. Skrupellosigkeit ist ebenfalls ein notwendiger Charakterzug, die Fähigkeit Menschen zu beeinflussen, an sich zu binden ist unabdingbar. Dies ist zudem ein Zeichen des Systems, dass es für beinahe jeden Typus einen Einflüsterer zur Verfügung stellt, der vorgibt die jeweiligen Interessen zu bedienen.
Dies ist der Gegensatz zur offenen Diktatur, in der jeweils nur eine bestimmte Interessengruppe bedient wird, die anderen haben sich ein- und unterzuordnen, dann geschieht ihnen i. d. R. auch nichts.
Am Prinzip, der Entscheidungsfindung und des Ausschlusses der Haftungsträger ändert sich jedoch nichts. Es sind also nur verschiedene Regierungsformen und je nach dem wie sich die Haftungsträger gebärden, kommt die eine oder andere zum Einsatz.

Also nichts mit freier Wahl, die Unfreiheit beginnt bereits bei der Auswahl der Alternativen.

Nun aber zur unbeschränkten Haftung. Die auf diese Weise gekürten Kanditaten werden gewählt und zählen nun zum erlauchten Kreis jener, die Entscheidungen treffen. In deren Fall gilt allerdings nicht die unbeschränkte, auch nicht die beschränkte Haftung, sondern die allumfassende Nichthaftung für Beschlüsse und Entscheidungen die unter ihrer Verantwortung und/oder Zustimmung gefasst werden.

Krieg oder Frieden, Freiheit oder Unfreiheit, Abgaben, Steuern, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, gesetzliche Vorgaben usw. usf.
Sie entscheiden, wir haben zu leisten, wir sind in der Bringschuld. Ob wir wollen oder nicht.
Im Falle eines Krieges haben wir mit der Zahlung des höchsten Preises zu rechnen, mit dem Verlust unseres Lebens oder uns nahestehenden Personen.
Unser Eigentum kann zerstört, enteignet oder unter fremde Verwaltung gestellt werden. Möglichkeiten der Einflussnahme gibt es nicht. Todes- und/oder lange Haftstrafen für einen selbst und Angehörige drohen jedem der sich gegen die Entscheidung der Entscheidungsträger stellt.
In einem aktuellen Fall wurden Menschen in einem Gebäude bombardiert, in dem sie als Geiseln zum Schutz der Täter missbraucht wurden. Sie wurden Opfer der eiskalten Kriegsstrategen und Kriegsverbrecher beider Seiten.
Militärischer Erfolg geht vor Schutz der Menschen, die ja angeblich vor den jeweils anderen geschützt werden sollen. Tötet was geschützt werden soll oder besser gesagt tötet was hinderlich ist.
In diesem Fall wurden Menschen in eine Gebäude getrieben und am Verlassen desselben gehindert. Das sei ein Verbrechen sagt man.
Richtig, aber ist es nicht ein viel größeres Verbrechen ein ganzes Staatsvolk in Geiselhaft zu nehmen?

Jeder einzelne Staatsbürger, bis auf wenige Ausnahmen, haftet für Entscheidungen jener die sich selbst gekürt haben. Jener die ihren Amtseid bereits bei der Vereidigung brechen, da sie nie und nimmer dem Wohle derer dienen wollen, für die sie angeben wirken zu wollen.
Der Bruch des Fahneneides, des Eides der Untertanen, wird im Ernstfall meist mit dem Tode bestraft, der Bruch des Amtseides hat keinerlei Konsequenzen. Deutlicher kann der Unterschied gar nicht aufgezeigt werden.

Dieser Zustand muss geändert werden. Um einen Zustand zu ändern, muss er erst einmal bewusst werden. Der einzelne muss sich im klaren sein, dass er  bis zum letzten Hosenknopf. der vermeintlich sein Eigentum ist und auch mit seinem Leben haftet. Er haftet mit allem was er hat.  Er ist in Geiselhaft, er ist bedingungslos unterworfen.

Alles worüber man sich im täglichen Umgang mit seinesgleichen aufregen würde, sich keinesfalls gefallen lassen würde, das alles lässt man sich von diesen aufgeblasenen Parteidemokratisten bieten und nimmt deren schönen Worte oft genug auch noch als unumstößliche Wahrheiten oder Offenbarungen an.

Die Gesellschaft der unbeschränkten Haftung muss in eine Gesellschaft der unbeschränkten Haftung der Verantwortlichen geändert werden. Diese müssen mit allem haften, diese müssen haftbar gemacht werden können und für Fehler und vorsätzliche Handlungen geradestehen.
Wer diese Verantwortung nicht übernehmen will oder kann, soll zu Hause bleiben und jene entscheiden lassen, die bisher ohnehin mit allem haften (müssen) und das ohne darüber jemals entschieden zu haben.
Diese unbeschränkte Haftung ist ein normaler Zustand, der einfach so hingenommen wird, nicht hinterfragt wird und erst im Falle der Rechnungsstellung zur Kenntnis genommen wird. Dann aber ist es zu spät, die Forderungen werden eingetrieben, unerbittlich.

Wer nicht haften will, soll auch nicht entscheiden, auch nicht mitentscheiden. Drehen wir den Spieß einfach um. Ganz einfach.

Auf diese Weise lässt sich kein Großstaat regieren oder verwalten. Aber das muss auch nicht sein. Großstaaten wollen nur jene, die große Macht ausüben wollen. Großstaaten sind eine Bedrohung für ihre Nachbarn, oft für die ganze Welt und vor allem auch für die Bürger dieses Staates, auch wenn sie zeitweise Nutznießer der Machtpolitik des Großstaates sind, irgendwann wird die Rechnung präsentiert und eingetrieben.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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2 Antworten zu Gesellschaft mit beschränkter Haftung

  1. Uranus schreibt:

    Anhand dieser gut verständlichen Erläuterung könnte jeder erkennen, wenn er es denn wollte, daß die BRD nur theoretisch ein Rechtsstaat mit freiheitlich demokratischer Grundordnung ist. Tatsächlich ist die BRD ein Staat, in dem in letzter Konsequenz das Recht des Stärkeren gilt, und zwar seit Gründung der BRD. Die vielbeschworenen Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie waren und sind nichts weiter als Illusionen, die mittlerweile zu Kampfbegriffen verkommen sind. Wahrscheinlich ist das in allen zentralistisch organisierten Staatsgebilden so. Nun gibt es trotz der Offensichtlichkeit dieser Tatsache keinen empörten Aufschrei der Masse, geschweige denn einen Aufstand. Warum ist das so?

    Nun ist es seit der Gründung der BRD (Finanzagentur GmbH) bis immerhin vor wenigen Jahren der Systemjournaille gelungen, diese Illusionen einigermaßen glaubhaft aufrecht zu erhalten. Diese Glaubwürdigkeit bröckelt zwar derzeit zunehmend, das führt aber noch nicht zu einer umfassenden Änderung im Denken und Verhalten der im BRD-System lebenden Menschen. Viele wollen immer noch daran glauben, daß eine Lösung der Probleme innerhalb des Systems möglich wäre, das genau diese Probleme überhaupt erst verursacht hat, die es ohne dieses System gar nicht gäbe. Der tiefere Grund für dieses Verhalten mag darin liegen, daß es Vielen unerträglich scheint, tief in sich selbst zuzugeben, sich getäuscht zu haben und praktisch sein ganzes Leben lang einer Illusion aufgesessen zu sein. Sich selbst einzugestehen, daß sein Weltbild, genauer gesagt, sein Deutschlandbild, eine lebenslange Einbildung im wahrsten Sinne des Wortes gewesen war, das ist schmerzhaft bis unerträglich. Da ist es einfacher, die Realität auszublenden, auch wenn sie noch so nachdrücklich ins Bewußtsein einbrechen will.

    Ein weiterer Grund, die Dinge nicht so wie sie sind wahrnehmen zu wollen, scheint mir die Weigerung so manches Zeitgenossen zu sein, die eigene Verantwortung für das, man denkt und tut, in vollem Umfang selbst zu übernehmen. Diese Ansicht gründet sich auf meine Beobachtungen als noch abhängig Beschäftigter in nacheinander drei namhaften, weltweit tätigen Großunternehmen. Dort hieß es immer, um die Mitarbeiter zu motivieren, müsse man ihnen Verantwortung übertragen. Kompletter Unsinn! Das exakte Gegenteil traf zu. Zwar wollte jeder mitreden und mitentscheiden, aber keiner die Verantwortung und die persönliche Haftung im Falle einer Fehlentscheidung tragen. Mit Händen und mit Füßen haben die Mitarbeiter sich dagegen gewehrt, die Verantwortung zu übernehmen, wenn es daran ging, die Ursachen eines Mißerfolgs aufzuklären. Es wurde viel Arbeitszeit, sehr viel Arbeitszeit, darauf verwendet, sich nach allen Seiten hin gegen alle möglichen Eventualitäten abzusichern und die Verantwortung für eine persönliche Fehlleistung einem anderen in die Schuhe zu schieben.

    Der obige Aufsatz stellt klar, daß ein solches Begehren, also die Verantwortung von sich selbst weg auf eine äußere Autorität wie zum Beispiel die Regierung eines Staates abzuschieben, letztlich nicht funktionieren wird. In diesem Fall ist es sogar so, daß der Einzelne für etwas haften muß, das er gar nicht entschieden hat. Es ist eigentlich unglaublich, daß so Viele sich noch an ein derart irres System klammern wollen, indem sie mit aller Gewalt die Illusion aufrecht erhalten, der Staat wird’s schon richten und man selbst komme ungeschoren davon.

    Wie kann das geändert werden, und zwar so, daß sich eine breite Mehrheit an einem Neuanfang beteiligt? Thor von Waldstein beschreibt es mit einem Bild, das sich auf die Untersuchungen des Verhaltensforschers Konrad Lorenz über das Verhalten von Zugvögeln stützt. Wie gelingt es einem Schwarm von mehreren Hunderttausend Vögeln, nahezu zeitgleich vom Boden abzuheben und die Reise zu beginnen? Nun, einzelne, noch sehr wenige Vögel beginnen damit, unter Abgabe bestimmter Schnattergeräusche nur wenige Meter vom Boden abzuheben und sogleich wieder zu landen. Diese Pioniervögel wiederholen diesen Vorgang mehrfach, wobei sich jedes Mal mehr von den neben diesen Pioniervögeln stehenden Tieren miterheben und wieder landen, und zwar so lange, bis eine gewisse Flugstimmung den gesamten Schwarm erfaßt hat und bei einem letzten Erheben der Pioniervögel sich alle Tiere des Schwarmes erheben und davonfliegen.

    Was sagt uns das? Es bringt nichts, als Einzelner mit einer Wählerstimme oder mit einer Mistgabel gegen ein System angehen zu wollen, das mit Wählerstimmen und Mistgabeln nicht zu bezwingen ist. Wichtig scheint mir daher, sich gar nicht so sehr mit diesem System zu beschäftigen und eine Lösung der Probleme von den Systemlingen zu erwarten, sondern sich mit dem zu beschäftigen, was vom Einzelnen in seinem Lebensumfeld zur Verbesserung der Lage konkret getan werden kann. Voraussetzung dafür ist, wie oben im Aufsatz beschrieben, daß der Ernst der Lage erst einmal ins Bewußtsein Eingang finden muß. Dann kann darangegangen werden zu versuchen, eine allgemeine „Flugstimmung“ zu erzeugen. Bevor es keine allgemeine „Flugstimmung im Schwarm“ gibt, es also keine Bereitschaft vieler Einzelner in einem Staat gibt, andere Machtverhältnisse haben und Eigenverantwortung übernehmen zu wollen, solange verpuffen alle äußeren Maßnahmen als blanker Aktionismus. Deshalb halte ich die Wirkung, die von diesem Blog und seinem Betreiber ausgeht, für wirkmächtiger als z.B. das Verkleben des Brandenburger Tores mit einem Spruchband.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Werter Uranus, danke für den ausführlichen Kommentar.
      Ernst Jünger verwendete in einer seiner Schriften die Freiheit des Hundes und die des Wolfes zur Kenntlichmachung der verschiedenen Stufen der Freiheit und der Verantwortung, die unlösbar mit dieser verbunden ist.
      Durch diverse Herrschaftseinrichtungen, caritative Hilfsorganisationen etc. wurden wir, die Mehrzahl der Erdenbürger, domestiziert und abhängig gemacht.
      Hilfeleistung in Not gibt und gab es zu allen Zeiten, darüber brauchen wir nicht zu sprechen. Aber die ständige Alimentierung, sei es durch Spenden oder durch zwangsweise eingetriebene Steuermittel, macht abhängig. Damit meine ich nicht nur bedauernswerte Menschen, sondern vor allem auch Unternehmen und Konzerne die gut und lustig von Staatsknete leben.
      Verantwortung zu übernehmen ist ein wichtiger Schritt aber wirkliche Verantwortung und die beginnt bei einem selbst und bei keinem anderen.
      Jeder soll soviel Verantwortung übernehmen wie er schultern kann und auch über ebensoviel entscheiden.
      Letztendlich leben wir aber immer in einem Verbund und manches muss gemeinsam geschultert werden, im Guten, wie im Schlechten. Der Mensch ist halt ein Einzel- und ein soziales Wesen.
      Ich glaube, im Prinzip ist es auch gar nicht so schwer, das rechte Verhältnis zu finden, wenn man denn der Natur des Menschen einigermaßen freien Lauf ließe. Das bedeutet nicht, der Mensch ist edel und gut und jeder kann tun und lassen was er will. Aber der freie, verantwortliche Mensch wird die Probleme des Lebens verantwortungsbewusst lösen, da er letztendlich über seine eigene Existenz entscheidet und sein Leben und Überleben als Einzel- und Gruppenwesen formt.

      Ich betone in Gesprächen über Politik, Parteien etc. immer, dass wir über uns entscheiden sollten und woher denn ein Parteimensch glaubt die Befähigung zu haben über uns besser entscheiden zu können als wir selbst.
      Meist treffe ich ohnehin auf eine gesunde Skepsis. Es hapert aber an der Lösung, niemand kann sich vorstellen wie es denn anderes gehen könnte.
      Hier herrscht große Unsicherheit und es wundert mich auch nicht. Wird doch seit Jahrhunderten nichts anderes getan als die Menschen in Abhängigkeit und Unsicherheit leben zu lassen. Stellen sie sich gegen das System, Rübe ab und aus die Maus.
      Es gibt aber auch ein natürliches Gefühl und der Wunsch nach einer hierarchischen Ordnung, das auch nicht achtlos beiseite geschoben werden darf.
      Es ist vielschichtig und kompliziert. Daher bin ich gegen jede Art von …ismus, Ideologie, Weltanschauung äußerst skeptisch und stehe dem ablehnend gegenüber.

      Ich könnte mir vorstellen, dass es zweckgebundene Hierarchien geben könnte oder würde, würden wir frei entscheiden. Der eine ist der Heerführter und sei es nur die örtliche Bürgerwehr, der andere der Obmann für irgendein anderes Gemeinschaftsanliegen oder auch für eine private Unternehmung. Brenzlig wird es erst dann, wenn eine organisierte Gruppe über andere Gruppen oder Einzelmenschen verfügen möchte und dies ohne deren ausdrückliche Zustimmung.

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