Woanders gelesen: MITTELMENSCHEN

Die Linken und die Rechten, Sozialisten sowie Kapitalisten und die Pfaffen, alle haben sie ihre Ideologie, ihre Idole und wenigstens ein paar Prinzipien.

Diese Gruppen beziehen sich auf eine historische Entwicklung oder Programme, die sich verfolgen lassen, die man verstehen oder kritisieren kann; sie bieten Inhalte für eine Diskussion oder für vorhersehbare Konflikte; maW, sie sind “lesbar” und auf ihre Reaktionen ist Verlass.

Dazwischen findet sich eine breite Masse – wenn nicht eine Mehrheit – von Liberalen und Mittelwegler, deren „sowohl-als-auch“ und Rosinen-picken eine feste Position verhindert. Amöbenhaft bewegen sie sich herum, um Vernunft und Realität und erspüren mit feinen moralischen Sensoren die vermeintlich wirklichen humanitären Bedürfnisse. Ohne lästige Prinzipien, ungebunden an philosophische Axiome oder die Anforderungen des rationalen Denkens, bestimmen sie die universell-gültige Liste von “Gut” und “Schlecht”.

Für diese Menschen, ist die „Mitte“ schon alleine die Quelle der Vernunft und Beweis ihrer Rationalität, weil sie zwischen den Extremen stehen, zwischen den Ideologien der Linken und der Rechten. Aber das ist auch schon falsch, denn während einige Konzepte der Linken und Grün-Bunten für sie akzeptabel sind, ja, christlich und human, so ist alles was als „rechts“ ihrer Mitte etikettiert wird, absolut verwerflich – denn rechts der Mitte existiert für sie nur eine moralische Wüste. Die Abwesenheit jeglicher Prämissen verhindert natürlich, dass sich diesen „Mittelmenschen“ die eigentliche Bedeutung der Begriffe Vernunft, Humanität und Würde überhaupt erschließt; ihre Definitionen beziehen sie ehe aus dem politisch-korrekten Lager. Andererseits wehren sie sich dagegen, als politisch inkorrekt zu gelten – warum? Nun, weil damit ja schon z.B. die AfD bedacht wird – und die befindet sich hinter der Grenze zu den sozialen „badlands“.

Ein Leben ohne philosophische Axiome führt zu endlosen Widersprüchen; dass man etwa die bedingungslose Aufnahme von Asylsuchenden befürwortet, sich aber über den Verfall der inneren Sicherheit sorgt. Es gibt zu viel Kriminalität und zu wenig Sicherheitskräfte, aber mehr Überwachung ist auch unerwünscht. Großeinsätze der Polizei gegen hunderte organisierter, ausländischer troublemaker ist eine rassistische Gewaltorgie gegen mittellose Asylanten, die von außerhalb anreisen, um ein traditionelles Fest einer bekämpften Kultur zu „feiern“ – (Oh ja, wie vermissen wir doch unsere romantischen Silvesterabende in Lybien!)

Man beschwört die Gleichheit, akzeptiert aber ein System mit 4 Rechtsebenen. Man bekämpft zwar die Regierung Merkel, aber verunglimpft eifrig jegliche Opposition. Sie sind gewissermaßen „soziale Kapitalisten“ und setzen sich für den Schutz der Minderheiten ein, ohne zu merken, dass alle erdenklichen Minderheiten die große Mehrheit schon bei den kollektiven cojones hält. Mittelmenschen sind hysterische Befürworter der Demokratie, oder was sie darunter verstehen, und fürchten sich vor dem Wechsel aus dem GG in eine echte Verfassung, die den Volkswillen reflektiert, aus Angst vor den Stimmen der Nationalen und „Rechten“; schließlich ist die Demokratie nur was für „vernünftige“ Humanisten, Gleichgesinnte, sozusagen (Andersdenkende haben hier nichts verloren!). So erscheinen sie wie ein orientierungsloser Pilot, der nicht merkt, dass das Flugzeug, das er meint zu steuern, sich schon längst im Sturzflug befindet und Justierung des Höhen- und Seitenruders den crash nicht mehr verhindern kann.

Die Mittelmenschen entwickelten eine eigene Kultur willkürlicher Toleranz und Rechtsanschauung, die sie moralisch über die Denkweise aller anderen erhebt. Zu keinen Fragen brauchen sie sich festzulegen und im Kabarett beklatschen sie verzückt, was sie in ihrem eignen Umfeld verachten. So erübrigt es sich auch, eingehend über Sachlagen oder Probleme informiert zu sein. Bevor in einer Diskussion die Unwissenheit zu Tage tritt, tankt man schnell im Internet ein paar Wissensfragmente – die Position in der Mitte schützt normalerweise vor einer kompletten Offenlegung geistiger Plattitüden. So hebt sich der Gemäßigte, der Bedachte, der Kompromissbereite allemal positiv von den extremeren Ansichten ab, auch wenn diese die vernünftigeren sein mögen.

Diese Menschen sind der Treibstoff dieses verlogenen Systems, unserer zerfallenden Demokratie, sie, die „Guten“, sind das Gleitmittel des Bösen und die Zerstörer jeglicher echten, rationalen Moral und Rechtsempfinden. Sie werden selbst zu dem was sie verachten. Die ursprüngliche Stärke der Demokratie kam von Persönlichkeiten, die sich zu eindeutigen Idealen bekannten, von überzeugten Bürgern mit festen Prinzipien, und die noch das konzeptuelle Denken beherrschten, mit der Fähigkeit, Wissen und Erfahrung zu einem – falschen oder richtigen, aber erkennbaren – Bild zusammen zu fügten.
„Gut“ ist für die Mittelmenschen ein willkürlicher Begriff. Er muss es sein, denn sie bewegen sich in einem fließenden, heraklitischen Universum; ihr einziges Prinzip ist das, sich stets in der Mitte des gesellschaftlichen Spektrums zu bewegen, wobei sie unbewusst, aber verlässlich den Bedürfnissen der jeweiligen Macht zur Verfügung stehen.

Die Mittelmenschen, selbstgefällige Schiedsrichter über Moral und Humanität, Recht und Unrecht, sitzen in den Parlamenten, arbeiten als Journalisten, schreiben Bücher, betreiben Blogs und gehen wählen. Für sie ist die Mitte dort wo gute Demokraten stehen sollten.
Jedoch, gäbe es nicht die Prinzipien und Überzeugungen von Links und Rechts, fänden sie nicht einmal ihren Weg durch die Mitte. Eben sowenig begreifen sie das fatale Konzept des Mittelmaßes. Fragen Sie diese „Erhabenen“: Was ist das Mittelmaß von Gut und Böse, von Leben und Tod? Die Mitte von Schwarz und Weiß ist nur Grau!

https://huaxinghui.wordpress.com/2017/01/27/mittelmenschen/comment-page-1/#comment-1446

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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2 Antworten zu Woanders gelesen: MITTELMENSCHEN

  1. turkishmaid schreibt:

    > Ein Leben ohne philosophische Axiome führt zu endlosen Widersprüchen
    Ist dem Schreiber dieser Zeilen vielleicht das sonst so gerne propagierte „denk selbst“ unheimlich geworden, weil es ihn der Komplexität der Wirklichkeit aussetzt, die ihn sichtbar überfordert? Einer Wirklichkeit, derer man sich nicht einfach mit „alternativen Fakten“ entledigen kann, sondern die täglich an die Tür klopft und bewältigt werden will?
    > „Gut“ ist für die Mittelmenschen ein willkürlicher Begriff.
    Wer sagt denn, dass die, die sich keiner durchideologisierten gesellschaftlichen Randgruppe anschließen mögen, keine philosophischen Axiome haben? Zum Beispiel den Kategorischen Imperativ, der sorgfältig auf alle Akteure angewandt, oft eine gute Richtschnur zu geben in der Lage ist.
    > Die Mitte von Schwarz und Weiß ist nur Grau!
    Ein armer Mensch, der nur Suppe kennt, und nicht Salat. Mit „rationalem Denken“, das der Schreiber beschwört, scheint seine Weltsicht jedenfalls wenig zu tun zu haben. Interessieren würde mich, welche „philosophischen Axiome“ er dieser zugrunde gelegt zu haben glaubt.

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