Zum Kalenderblatt 4. März/Lenzing: Kaiser Friedrich I. Barbarossa

Friedrich I., genannt Barbarossa (* um 1122; † 10. Juni 1190 im Fluss Saleph nahe Seleucia, Kleinarmenien), aus dem Adelsgeschlecht der Staufer war von 1147 bis 1152 als Friedrich III. Herzog von Schwaben, von 1152 bis 1190 römisch-deutscher König und von 1155 bis 1190 Kaiser des römisch-deutschen Reiches.

In der Erinnerung war zunächst Friedrich II. bedeutsamer als sein Großvater Friedrich I. Barbarossa. Der Kaiser werde am Ende der Zeiten zurückkommen und Reich und Kirche erneuern. Zum Ende des Mittelalters wurde diese Vorstellung allmählich von den Humanisten auf Friedrich I. Barbarossa übertragen, denn Friedrich II. verbrachte mit 28 von 39 Herrschaftsjahren die meiste Zeit in Italien und konnte daher kein geeigneter Repräsentant Deutschlands sein. Im Volksbuch von Kaiser Friedrich Barbarossa 1519 eroberte Barbarossa entgegen den historischen Tatsachen Jerusalem und starb nicht im Saleph, sondern ging nur verloren und kehrte nach einiger Zeit zurück.

Barbarossa entwickelte sich im 19. Jahrhundert nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806, den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813/14 und der „Kleinstaaterei“ Deutschlands zum Bezugspunkt des nationalen Macht- und Einheitsgedankens. Diese Rolle fiel Barbarossa nicht zuletzt durch den Umstand zu, dass dieser Kaiser im Reich keine Grabstätte hatte. Barbarossa wurde zum schlafenden, aber wiederkehrenden Kaiser im Kyffhäuser und damit zur erhofften Symbolfigur der nationalen Sehnsüchte der Deutschen. Durch die Sagensammlung der Gebrüder Grimm Friedrich Rotbart im Kyffhäuser aus dem Jahr 1816 und das Gedicht Barbarossa von Friedrich Rückert von 1817 wurde die Kyffhäusersage für ein größeres Publikum erschlossen. 1832 malte Julius Schnorr von Carolsfeld den Tod Barbarossas als Folge eines Badeunfalls; sein Werk erinnert an das Bild Grablegung Christi von Raffael. Damit konnte Barbarossas Tod mit dem Tod eines nationalen Erlösers verglichen werden. Im 19. Jahrhundert wurde Barbarossas Fußfall vor Heinrich dem Löwen ein häufig auftauchendes Motiv in der Historienmalerei. Die Szene inspirierte in der Historienmalerei Hermann Wislicenus, Wilhelm Trautschold und Philipp von Foltz. Am Fußfall des Kaisers in Chiavenna ließ sich das Scheitern der mittelalterlichen Zentralgewalt und die Kontroverse über die kaiserliche Italienpolitik als Bestandteil kleindeutscher oder großdeutscher Debatten über die nationale Frage anschaulich illustrieren.

Durch die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 mit einem Hohenzollernkaisertum an der Spitze wurde nach damaliger Vorstellung das mittelalterliche Reich wieder aufgerichtet. Mit Kaiser Wilhelm I. „Barbablanca“ (Weißbart) sei Friedrich Barbarossa (Rotbart) endlich wiedererstanden. Der Hohenzollerkaiser vollendete mit der Reichsgründung, was der Staufer Barbarossa im 12. Jahrhundert begann. 1875 wollte der Münchener Professor Johann Nepomuk Sepp mit der erfolgreichen „Zurückführung der Überreste des alten Barbarossa“ „die deutsche Nation in heilige Begeisterung setzen“. Für dieses Projekt gewann er Otto von Bismarck. Sepp und mit ihm Hans Prutz, der Verfasser der ersten wissenschaftlichen Biografie Barbarossas, reisten auf Kosten des Reichskanzleramtes per Schiff in den Orient, jedoch blieb die „Meerfahrt nach Tyrus“ erfolglos. Mit der Einweihung des Kyffhäuserdenkmals 1896 erreichte die Barbarossaverehrung als Nationalmythos einen Höhepunkt. Der Mythos Barbarossa überstand die politischen Einschnitte 1918 und 1933 unbeschadet. Im Nationalsozialismus musste Barbarossa für die aggressive Ostpolitik herhalten. Adolf Hitler nannte den Angriffskrieg gegen Russland in Juni 1941 „Unternehmen Barbarossa“. Erst 1945 endete der Nationalmythos Barbarossas. In der Folgezeit setzte eine Regionalisierung und Entpolitisierung seiner Person ein.

  • Kategorie

  • Lizenz

    • Standard-YouTube-Lizenz

Alle Kommentare

Kommentare sind für dieses Video deaktiviert.
Autoplay  

Nächstes Video

 

 

 

Advertisements

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichte, Kalenderblatt, Video abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.