Zum Kalenderblatt 13. Februar/Hornung: Dresden – Wehe den Besiegten

DRESDEN

Zehn Tage nach dem Vernichtungsangriff auf die Reste der Berliner Innenstadt wurde am 13. Feber 1945 um 20.30 Uhr in Dresden Luftalarm gegeben: „Bomberströme im Anflug auf Sachsen mit Spitzen bei Zwickau und Ende bei Göttingen.“

Dresden, Warschaus Schwester, Augusts des Starken Traum von einem sächsisch-polnischen Reich, katholische Residenz eines lutheranischen Landes, gleich Prag bestrebt, solch„ Gegensätze durch Kunst und Schönheit zu überbrücken, war, weil industrielos, noch nicht aus der Luft angegriffen worden und wegen seiner vielen Krankenhäuser eine Verwundeten­stadt.

An den Stadträndern und in den Anlagen rasteten mit ihren Gespannen die Flüchtlingstrecks aus dem Osten. Um diese Menschen auf der Flucht einzuholen, hatte sich Stalin den Angriff erbeten. Die Aktion „Clairon“ wurde gemeinsam von der RAF und der amerikanischen Luftwaffe von den Start­plätzen in England, Frankreich, Holland, Belgien und Italien geflogen.

Um 21.30 Uhr steckten Lichterbäume die Zielräume ab. Spreng- und Brandbomben, die dann fielen, setzten Tausende von Häusern in Flammen. Die Menschen, die aus den Kellern flüchteten, verkohlten auf dem glühenden Asphalt, die Pferde der Flüchtlinge in den Anlagen rissen sich los und rasten, bis sie zusammenbrachen, brennend durch das Feuer. Phosphor­kanister platzten und nährten den Brand. Blinde und Lahme versuchten den Lazaretten zu entfliehen, ganze Bettreihen in den getroffenen Baracken verschmorten, die winterkahlen Parkbäume belaubten sich mit Flackerflammen. Kaum konnten die Gehetzten nach dem Kampf gegen das Feuer Atem schöp­fen, als die zweite Angriffswelle heranbrauste. Die vollgepfropften Züge auf den Bahngeleisen wurden zusammengeschla­gen, die getroffenen Unterführungen begruben einstürzend die Schutzsuchenden. Der Große Garten und die Elbwiesen wohin die Armen geflohen waren, wurden mit Bordkanonen und Maschinengewehren abgestreut.

Viele suchten Rettung in den großen, zwei Meter tiefen Luftschutzbecken auf dem Altenmarkt. Brennend stürzten sie sich in das Wasser und zerrten die Schwimmer in die Tiefe. Bei Morgengrauen blickten die Geflohenen von den Rändern der Stadt auf die rauchenden Trümmer. Erloschen war der Glanz der Zwingerkuppeln, eingestürzt war die große Kuppel der Frauenkirche. Wer noch ein Pferd hatte, fuhr los, wer keines mehr hatte, schob und zog selbst den Wagen, Mütter mit Kindern auf dem Rücken und an der Hand hasteten fort, nur fort!

Um 11 Uhr kam der dritte große Angriff gegen die endlosen Kolonnen der Fliehenden und gegen die Vorstädte. 9000 Flie­ger waren eingesetzt worden. 25.000 Tote blieben unbestattet. Anderthalb Meter hohe Roste wurden gegenüber dem Kaufhaus Remer aus Eisenträgern errichtet, auf ihnen wurden jeweils vier- bis fünfhundert Tote aufgeschichtet mit Benzin übergossen und angezündet. …

Aus dem Buch von Bruno Brehm „Wehe den Besiegten allen“, Verlag Styria

Dieses lesenswerte Buch ist leider nur noch im Antiquariat erhältlich.

Advertisements

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Kalenderblatt abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Zum Kalenderblatt 13. Februar/Hornung: Dresden – Wehe den Besiegten

  1. Pingback: Der wahre VolksMord in Dresden ist ungesühnt – aber nicht vergessen | BildDung für deine Meinung

Kommentare sind geschlossen.