Zum Kalenderblatt 2. Februar/Hornung: Der Sachsenkrieg Heinrichs IV. (1075)

Die verstärkte herrschaftliche Durchdringung des ostsächsischen Raumes, vor allem der Harzregion, stieß auf erbitterten Widerstand der Sachsen. Die Einheimischen mussten Dienstleistungen erbringen — für Fremde, die sogar unfreie Ministerialen waren. Die daraus resultierenden Konflikte mündeten im Vorwurf, Heinrich verletze das Stammesrecht der Sachsen und bedrohe ihre Freiheit. Lange ging die Forschung davon aus, dass der junge salische König mit dieser Politik versucht habe, die in der Übergangszeit von den Ottonen zu den Saliern durch den Adel entfremdeten Güter und Rechte des Königs zurückzugewinnen („Revindikationspolitik“). Neuere Untersuchungen zeigen dagegen, dass in dieser Zeit tatsächlich nur wenig Königsgut verlorengegangen war.

Nach mehreren Beschwerden lud Heinrich 1073 die sächsischen Großen nach Goslar, um gemeinsam über die Streitpunkte zu beraten. Die Sachsen, so berichtet Bruno in seinem Werk über den Sachsenkrieg, seien am festgesetzten Tag vor der Pfalz erschienen, mussten jedoch vergeblich auf Einlass warten. Der Salier habe den Tag lieber mit Würfelspielen verbracht, ungeachtet der Tatsache, „daß er so viele und bedeutende Männer vor seiner Tür warten ließ, als seien sie die niedrigsten Knechte.“ Die Sachsen harrten die ganze Nacht aus, bis ihnen schließlich von einem der königlichen Höflinge mitgeteilt wurde, dass der König die Pfalz bereits verlassen habe. Diese unwürdige Behandlung hochrangiger Personen erschien in sächsischer Perspektive als Auslöser für den Krieg.

Die Sachsen trafen sich noch in der Nacht in einer Kirche und schlossen dort eine coniuratio (Schwureinung) mit dem Ziel, lieber den Tod zu erleiden, als diese Schmach zu akzeptieren. Ein anderes Bild bietet eine königsnahe Quelle: Dem von einem Unbekannten verfassten Panegyrikos Carmen de bello saxonico zufolge hatte sich Heinrich so verhalten, wie es einem Herrscher angemessen war. Die Boten habe er empfangen, ihr Anliegen vernommen und ihnen versichert, dass er gerechtfertigte Bitten erhören werde. Die Sachsen hätten sich jedoch schuldig gemacht, da sie den festgesetzten Verhandlungstag negierten. Sicher ist jedenfalls, dass die Verhandlungen in Goslar scheiterten und die Situation eskalierte. Um den Widerstand auf eine breite Grundlage zu stellen, beriefen die Sachsen einen Stammestag in Hoetensleben ein, auf dem die Beschwerden gegen die Amtsausübung des Königs öffentlich zur Sprache kommen sollten. In einer Rede Ottos von Northeim ist der Burgenbau ein zentraler Vorwurf. Mit dieser Politik habe der König die Vernichtung der sächsischen Freiheiten geplant. Für das Jahr 1074 berichtet Lampert von Hersfeld erstmals von der Absicht, dass nach der Beratung mit den übrigen Reichsfürsten dem höchst bedrohten Reich ein Herrscher gegeben werden solle, mit dem alle einverstanden wären.

Als die Sachsen mit Heeresmacht vor der Harzburg erschienen, sah sich der König nach halbherzigen Verhandlungen zur Flucht gezwungen. In der folgenden Zeit gelang es ihm nicht, die süddeutschen und lothringischen Fürsten gegen die Aufständischen zu mobilisieren, „weil sie erkannten, daß ihr Rat wegen anderer Ratgeber, die beim König ein und aus gingen, nichts mehr galt.“ Heinrich musste einlenken. Im Frieden von Gerstungen wurde im Februar 1074 in Anwesenheit von 15 Bischöfen beschlossen, dass er seine Burgen in Sachsen und Thüringen zu zerstören, alle Konfiskationen rückgängig zu machen und das sächsische Recht anzuerkennen habe.

Der Friede von Gerstungen blieb jedoch Episode. Sächsische Bauern erregten sich darüber, dass die Niederlegung der Harzburg auf sich warten ließ, und ergriffen selbst die Initiative. Bei der Zerstörung der Burganlage wurden die Gräber der dort bestatteten Salier geschändet. Der König konnte Rache verlangen, er erhielt dafür nun auch die Unterstützung großer Kreise der Reichsfürsten. Bei seinem Feldzug gegen die sächsischen Aufständischen konnte Heinrich daher ein großes Heer aufbieten. Am 9. Juni 1075 errang er bei Homburg an der Unstrut einen vollständigen Sieg. Ein zweiter Feldzug im Oktober brachte die Entscheidung. Die Führer des Aufstands, der Erzbischof Werner von Magdeburg, Bischof Burchard von Halberstadt, Otto von Northeim und der Sachsenherzog Magnus Billung, unterwarfen sich. Die sachsenfreundlichen Quellen empfanden es als Vertragsbruch, dass Heinrich den Aufständischen nicht sogleich verzieh, sondern ihre Anführer an weit entfernten Orten inhaftieren ließ. Dies war eine äußerst ungewöhnliche Art der Konfliktbewältigung. Ende des Jahres konnte Heinrich in Goslar das Weihnachtsfest feiern. Es gelang ihm, die dort versammelten Großen eidlich zu verpflichten, keinen anderen als seinen am 12. Februar 1074 geborenen Sohn Konrad zu seinem Nachfolger zu

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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