Zum Kalenderblatt 11. Januar/Hartung: Spartakusaufstand

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Mitte Januar 1919 war die Schlacht um Berlin kaum beendet, da erfolgte die Bremer Explosion.

Diese leitete das riesige taktische Hetzspiel der einzelnen Räte­republiken ein.

Bremen bildete mit Hamburg insofern das »Tor zum Meer«, als dort die wenigen Versorgungsschiffe anlegen konnten, die von einer internationalen Organisation, der Hoover-Kommission, gesandt wur­den.

Diese Lieferungen von Mehl, Milch oder Fleisch aus Amerika waren die letzte Möglichkeit, die Deuschland noch hatte, Hundert­tausende von hungernden Kindern vor dem Tod zu retten.

Bis dahin war die massive Ausnützung des Elends bekanntlich überall die Hauptwaffe des Spartakismus gewesen. Je mehr man in Deutschland hungerte und in den Häusern fror, desto mehr nahmen die Streiks und die Arbeitslosigkeit zu, griff der Bolschewismus um sich!

Bremen und Hamburg zu blockieren hieß, den ausgehungerten Deutschen ihre letzten Überlebenschancen wegzunehmen.
Also erwuchsen hier zusätzliche Möglichkeiten für die Revolutio­näre, die Oberhand zu gewinnen.

Bremen fiel im Januar 1919 in ihre Hände:

»Seit dem 10. Januar«, erzählt Benoist-Mechin in seiner hervor­ragenden Geschichte der deutschen Militärmacht. »hatten radikale Elemente hier eine kaum verhüllte Diktatur errichtet. Die Kasse der Sozialdemokratischen Partei war zu wiederholten Malen ausgeplün­dert worden, ihre Parteizeitung von den Unabhängigen beschlag­nahmt worden.

Die Banken waren das Ziel bewaffneter Überfälle.

Das Bremer Regiment war bei seiner Rückkehr von der Front mit Maschinengewehrfeuer empfangen worden, die Soldaten hatte man in den Kasernenhöfen entwaffnet. Um die Werften und Docks an der Weser waren Barrikaden errichtet und Stacheldraht gezogen wor­den. Rotten der Roten Miliz bewachten die Kais, und die Hafen­beamten wären niedergemetzelt worden, hätten sie die Arbeit wieder aufnehmen wollen.

Das Land starb vor Hunger langsam dahin, aber die Lebens­mittelschiffe der Hoover-Kommission mußten das Ende der Streiks abwarten, bevor sie ihre Ladung löschen konnten.«

In Hamburg ging es noch schlimmer zu: Vierzigtausend Arbeiter waren von den linksradikalen Anführern angeworben und bewaffnet worden.

In Cuxhaven waren es dreißigtausend.

Was konnte Noske der roten Gewalt der Gewehre und der »Brotwaffe« überhaupt entgegensetzen?

Er konnte höchstens jene sechzehnhundert Marinesoldaten in den Norden entsenden, die ihm von seiner »Eisernen Brigade« noch zur Verfügung standen, dazu die pompös so genannte Abteilung Ger­stenberg, die knapp zweitausend Mann zählte anstatt der sieb­zehntausend einer normalen Division. Das waren alles in allem dreitausendfünfhundert Regierungssoldaten.

Ihnen standen mindestens hunderttausend Revolutionäre gegen­über.

Die deutschen Arbeiter- und Soldatenräte waren so gut wie sicher, den Sieg davonzutragen.

Und immer wieder die stechende Frage: »Würden die in Paris endlich kapieren?… «

Schlimmer noch: das Ruhrgebiet, das riesige Kohlebecken des Reichs, war im Begriff, sich dem Aufstand anzuschließen!

Man brachte Noske die Meldung herein, daß sich hundertfünfzig­tausend Bergarbeiter mit den Revolutionären in Bremen und Ham­burg solidarisierten. Sie würden ganz Deutschland die Kohlezufuhr abschneiden!

Noske, der in dieser harten Nuß die unmittelbar bevorstehende Katastrophe erkannte, bemerkte knurrig:

»Ich kam zu dem Resultat, wenn Bremen nicht in Ordnung gebracht werde, könne die Regierung sich als erledigt betrachten, weil niemand sie respektiere.

Also sei jedes Risiko zu übernehmen, anstatt diese Schmach zu erleiden.«

Der Bürgerkrieg würde also seine Hunde losketten. Die Männer der Abteilung Gerstenberg stürmten los.

»Der Kampf um Bremen« verkündete der Vorwärts in großen Schlagzeilen am 3. Februar 1919. Keine Sentimentalität: Hundert Tote, dreihundert Verletzte in drei Tagen.

Weitere Schlagzeile des Vorwärts am 5. Februar 1919, eine Schlagzeile des Sieges: »Bremen von den Regierungstruppen be­setzt.«

Der revolutionäre Rat der Volksbeauftragten in Bremen war auf der Stelle abgesetzt und abgelöst worden.
Die kommunistischen Anführer gerieten in Panik und ergriffen die Flucht. Die »Selbständige Republik Oldenburg« wurde im selben Zug gestürzt.

Die Revolutionäre in Hamburg und Bremerhaven schickten in aller Eile Verstärkungen: Sie wurden mit Maschinengewehrfeuer unerbittlich niedergemäht. Die rote Stadt Hamburg mußte kapitulie­ren. Der Spartakismus war dort niedergeworfen. Der Hafen war für die ersten Versorgungsschiffe wieder geöffnet: dreitausendfün­fhundert Mann hatten hunderttausend bezwungen.

Wäre es möglich gewesen, wenn Noske, statt mit erhobener Stirn seine große Axt zu schwingen, Samthandschuhe angezogen hätte? Auf Gewalt muß mit Gewalt geantwortet werden!

Die Regierungstruppen konnten ihre Schlagkraft verzehnfachen, weil sie sich auf die Macht des Befehles, den Sachverstand der Führungskräfte, die genaue Kenntnis einer angemessenen Taktik stützten, während die Revolutionäre für sich lediglich die Anarchie und die Unkenntnis hatten und Anführer, die wie Kaninchen davongelaufen waren. als Noskes Maschinengewehre deren Gerede abgelöst hatten.

Dieser Aufstand war kaum an der Nordsee unterdrückt worden, als die mit großem Lärm angekündigte Revolution auch in Westfalen und im Ruhrgebiet ausbrach.

Den Spartakisten fehlte es offensichtlich an politischem Verstand und militärisch an taktischem Scharfsinn. Natürlich hätten sie einen Aufstand zur gleichen Zeit in ganz Deutschland hervorrufen müs­sen. Im Laufe dieser blutigen Monate des Jahres 1919 würden sie aber gedankenlos eine Reihe von Testrevolutionen durchführen, zudem in voneinander unabhängigen Regionen, was eine zahlenmä­ßig unterlegene, doch vorzüglich vorbereitete und geführte Truppe in die Lage setzte., diese zeitlich verteilten Revolutionen eine nach der anderen niederzuwerfen.

Wären die Spartakisten dagegen zur allgemeinen Revolution übergegangen, so hätten sie die schwach besetzten Verteidigungs­mannschaften des Reichs überflügeln und besiegen können.

Die Schlacht um die Nordseehäfen war kaum gewonnen, als Deutschland in einen »Kohlefeldzug« geriet.

Die Solidarität mit den Hafenarbeitern trat tatsächlich wie ange­kündigt zutage, aber zu spät, da die Hafenmeuterer gerade geschla­gen worden waren.

Die Arbeiterräte hatten bereits Anfang Januar 1919 die Soziali­sierung der Bergbauindustrie gefordert.

Sich vor Schreck schüttelnd, hatten ihnen die Weimarer Politiker weitgehende Zugeständnisse gemacht: Die Gewerkschaften, ver­sprachen sie, würden umfassende Machtbefugnisse haben. Die »Fabrikräte« würden »verfassungsmäßige Arbeitsorganisationen«.

Die Extremisten, erklärte oder getarnte Bolschewisten, forderten aber vielmehr: nämlich die Enteignung der Gruben.

Um diese durchzusetzen, hatten sie die Kohleförderung konse­quent sabotiert, so daß das Ruhrgebiet in fast drei Monaten nur siebzehn Tage Arbeit gekannt hatte!

Nicht einmal jeden fünften Tag!

Während Millionen deutsche Familien, äußerst geschwächt, von der Kälte gepeinigt wurden.

Am 6. Februar 1919, während die Pariser Konferenz im Wirrwarr der rumänischen, albanischen und tschechischen Grenzfragen plät­scherte, beschlossen die deutschen Spartakisten und Kommunisten, sämtliche Kohlebergwerke des Ruhrgebiets lahmzulegen.

Das war der Generalstreik!

Drei Tage später riefen sie in Mülheim die »Nordwestdeutsche Republik« aus. Auf diese Weise machten sie Kohlelieferungen an das übrige Reich ganz und gar unmöglich.

Noske hatte alles in allem nur zweitausendsiebenhundert Mann greifbar: Soldaten und Freikorps zusammen .

Trotz seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit wollte er seinen Sieg von Bremen wiederholen und den Bienenkorb stürmen.

Auf roter Seite war eine noch größere Zahl als im Norden – hundertfünfzigtausend Revolutionäre-zusammengetrommelt wor­den.

Noskes kleine Truppe stieß sofort mit den wilden Milizen zusam­men. Im Rathaus von Bottrop wurden die Freiwilligen mit Geschüt­zen bestürmt. Sie wurden entwaffnet, mit Gewehrkolben erschlagen oder aufgehängt. Eine Tragödie, über die ganz Deutschland erschüt­tert war.

Die Spartakisten verfügten im Kohlerevier über eine ausgezeich­nete Waffe: Wenn man uns angreift, kündigten sie an, werden wir alle Schächte unter Wasser setzen.

Dadurch wären die Zechen für Jahre nicht mehr benutzbar gewe­sen.

Dennoch arbeitete die Zeit für Noske. Nach dem Massaker von Bottrop hatte er mit Umsicht alle Kämpfe einstellen und die Region einkreisen lassen.

Die hundertfünfzigtausend Streikenden, denen er Einhalt zu ge­bieten hatte, hatten auch einen Magen. Der Generalstreik hungerte sie im gleichen Maße aus wie die Opfer ihrer Untätigkeit. Kein Zug mehr brachte überhaupt noch ein Kilo Lebensmittel ins Revier.

In nur wenigen Wochen hatten die Streikenden einen Lohnausfall von annähernd hundert Millionen Mark gehabt. Jeder Zugang zu einem Schwarzmarkt in dieser schwarzen Landschaft war aber für die ausgeschlossen, die keinen einzigen Pfennig in der Tasche hatten.

Ohne einen Napf Grießbrei verfielen die Frauen der Aufständi­schen und ihre Kinder zusehends.

In den kalten Stuben bot sich ein unerträglicher Anblick. General von Watter, Noskes rechte Hand bei dieser Operation, erwies sich als Psychologe ohne Rachegefühl. Ihm ging es vor allem darum, daß die Zerrüttung Deutschlands, die mit diesem tödlichen Kohlestreik ihren Höhepunkt enreicht hatte, aufhöre. Er verhandelte mit Menschlichkeit, zog den Putsch ins Banale.

Die fünfhundertfünfzigtausend Bergleute beugten den Nacken, gaben sich letztlich damit einverstanden, die Waffen zu strecken, die Hochöfen wieder anzuzünden, in die Zechen hinabzusteigen und die Züge wieder in Gang zu setzen.

Keine Schießereien. Die Ordnung war wiederhergestellt, und die Familien der Arbeiter konnten wieder essen und heizen. Noskes zahlenmäßig schwache Truppe hatte sich mit geringstem Verlust durchgesetzt…“

Auszug aus „Hitler – Geboren in Versailles“ von Léon Degrelle, erschienen im Verlag Grabert.

Derzeit nur noch im Antiquariat erhältlich.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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Eine Antwort zu Zum Kalenderblatt 11. Januar/Hartung: Spartakusaufstand

  1. Karl Eduard schreibt:

    Und dann denken wir an DIE LINKE, die alljährlich zum Friedhof der Sozialisten pilgert, um den ideologischen Anheizern der Spartakusrevolten zu gedenken. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

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