Woanders gelesen: Ich – Nazi !?

Ich erinnere mich an einen älteren Bekannten, Freund der Familie, ein geschätzter Facharzt im Städtchen, der bei einer politischen Erkundigung einmal unverblümt sagte: „I war a Nazi, i bin a Nazi und i bleib´ a Nazi!“ – obschon er nie in der NSDAP oder einer ihrer Organisationen war. Damit wollte er uns provozieren und seinen Ärger ausdrücken, dass ihm die politischen Bestrebungen all der linken Aktivisten damals (zu denen ich seinerzeit auch zählte), gegen den Strich gingen – von der SPD und FDP bis zu den Gewerkschaften. Nichtsdestoweniger nahmen Sozis, Gewerkschafter, Arbeiter, wie auch Bürger und Bauern seine ärztlichen Dienstleistungen in Anspruch. Das Spaßen mit der Selbst-Attribuierung „Nazi“war in den siebziger Jahren noch irgendwie unspektakulär;  heute wäre das selbstmörderisch.
Man stelle sich vor, ein niedergelassener Arzt würde 2016 in seinem sozialen Umfeld so etwas zum Besten geben, oder würde sonstwie als „Nazi“ geoutet. Facebooker und Twitterer würden ausrasten und nicht nur sinnbildlich Exkremente über ihn ausgießen, die Antifa ihm möglicherweise den Mercedes abfackeln, Gutmenschen die Kassenärztliche Vereinigung zum Zulassungsentzug nötigen, der Pfarrer ihm im Fall seines Begräbnisses die Beisetzung in geweihter Erde verweigern.

Das Deutungsmonopol darüber, wer „Nazi“ ist, haben heute Blockwarte, die sich z.B, im „Netz gegen Nazis“ sammeln. Dazu zählen Qualitätsmedien wie „Die Zeit“, Organisationen wie die berüchtigte Amadeu Antonio Stiftung. Sogar der DFB, der Deutsche Olympische Sportbund, die DFL (Bundesliga-Verband) und sogar der Deutsche Feuerwehrverband helfen bei der Nazi- Entlarvung. Auch Werbeagenturen haben sich kürzlich hierzu kreativ eingebracht.
„Nazi“ ist für diese Leute heute alles, was außerhalb der political correctness und des von Links verordneten Meinungskanons auftritt.
Dass sich Fußballverbände und gar der Feuerwehrverband daran beteiligen, hat schon eine besondere Qualität.

Goebbels hätte auf seinem Klumpfuß Freudentänze gedreht, hätte er seinerzeit die neuzeitlichen Diffamierungs- und Propagandawerkzeuge in die Hand bekommen.

Wie diagnostiziere ich bei mir selbst, ohne diese „professionelle Hilfe“, ob ich nicht vielleicht wirklich „Nazi“ bin?
Im Netz kann man inzwischen Tests dazu finden, die einem zur Einordnung helfen sollen: Satirisches vor allem, und andere wollen mit dergleichen unsereinen zum trotzigen Zeichnen eines Zeitungs-Abos bringen.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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