Woanders gelesen: Sogar Atombomben werden alt

Eric Margolis

Alles wird alt. Man sagt mir, dass eines Tages die Sterne und Planeten zu Staub zerfallen werden. Ich nehme also an, dass es keine Überraschung ist, dass Amerikas Atomwaffenarsenal auch Anzeichen steigenden Alters aufweist und wohl erneuert werden muss.

Man würde glauben, dass die zunehmende Altersschwäche unserer Atomwaffen eine gute Gelegenheit wäre, diese schrecklichen Waffen abzubauen und zu verschrotten. Präsident Barack Obama hat die letzten sieben Jahre hindurch überschwänglich über die Notwendigkeit gepredigt, die Atomwaffen loszuwerden. Sehr nett.

Sobald er sich jedoch außer Reichweite der Mikrophone befand, ließ Obama den militärisch-industriell-finanziellen Komplex Pläne entwickeln, um das nukleare Arsenal der Vereinigten Staaten von Amerika in einem massiven Projekt aufzufrischen und auf den neuesten Stand zu bringen, dessen Kosten auf mindestens eine Billion Dollar geschätzt werden.

Es wurde keine größere Anstrengung unternommen, die erklärten und unerklärten Besitzer von Atomwaffen auf der Welt zusammenzurufen und einen Plan zu entwickeln, alle Atomwaffen zu verschrotten und sicherzustellen, dass sie nicht ersetzt werden. Im Gegenteil – in des Teufels Werkstatt wird mit Hochdruck gearbeitet.

Die Luftwaffe der Vereinigten Staaten von Amerika will bis 2044 alle ihre alten Minuteman Interkontinentalraketen (ICBM) Baujahr 1960 durch 642 neue auf dem Boden stationierte von Silos aus abgefeuerte ICBMs ersetzen. Rund $7 Milliarden wurden in den letzten zwanzig Jahren für ihre Modernisierung ausgegeben.

Vor langer Zeit Anfang der 1980er war ich eingeladen, die Zentrale des US Air Force Space Command und Air Defense Command zu besichtigen, die tief im Inneren des Cheyenne Mountain in Colorado eingegraben liegt. Man zeigte mir einen Raum in der Größe eines Hangars, gefüllt mit hundert Computern, deren Magnetspulen nur so herumflitzten. Ein Offizier flüsterte mir zu: „Mein Laptop kann mehr als alle diese Computer zusammen.“ Desgleichen hat fortschreitende Technik dazu geführt, dass viele unserer Verteidigungssysteme entweder veraltet oder völlig unbrauchbar sind. Es könnte also einiges an Erneuerung nötig sein.

Neue ICBMs reichen der US Air Force aber noch nicht. Die Flieger wollen auch neue atomar bewaffnete Marschflugkörper, die die ehrwürdigen AGM-86B ersetzen, die von schweren B-52 Bombern und dem noch zu bauenden B-21 Tarnkappenbomber transportiert werden.

Mittlerweile plant die Marine der Vereinigten Staaten von Amerika, immer ein Liebkind des Kongresses, ihre atomar bewaffneten Unterseeboote der Ohio-Klasse durch eine neue stärkere Klasse von 12 U-Booten zu ersetzen, von denen jedes 16 Trident D5-Raketen mitführen kann. Jede Rakete kann über 8.000 km weit fliegen und 8-10 Sprengköpfe tragen. Viele der atomgetriebenen Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten von Amerika werden neue Reaktoren brauchen.

Eine Billion Dollars ist sogar für das reichste Land der Welt ein Haufen Geld. Viele werden eine dermaßen hohe Ausgabe in Frage stellen in einer Zeit, in der Brücken überall in den Vereinigten Staaten von Amerika zusammenbrechen, Flughäfen verfallen, das Flugkontrollsystem veraltet ist, und 44 Millionen Menschen auf Lebensmittelmarken angewiesen sind.

Wir brauchen diese Atomwaffen dringend, beteuern die höchsten Ränge des Pentagon, ihre zivilen Unterstützer im Kongress und die brummende US-Rüstungsindustrie, die anscheinend ein Rekordjahr vor sich hat. Wir müssen uns gegen die Russen und Chinesen verteidigen!

Russland verfügt über eine mächtige Triade von aus der Luft, von See und vom Boden abgefeuerten Atomraketen. Moskau hat klargemacht, dass es angesichts seiner deutlichen Reduktion der Bodenstreitkräfte zunehmend auf strategische und taktische Atomwaffen setzen wird. Diese bedeutende neue Politik sollte dazu führen, dass Washington zweimal über seine derzeitige gefährliche Politik nachdenkt, militärischen Druck gegen Russland in der Ukraine, Krim, den Baltenstaaten und im Schwarzen Meer aufzubauen.

Auch China entwickelt langsam seine atomaren Kräfte, für eine Weltmacht bleiben sie allerdings bescheiden und konzentrieren sich darauf, einen Atomschlag aus dem Ausland abzuschrecken. Bisher sieht es so aus, als sei China nur an seiner eigenen Region interessiert.

Kurz gesagt, weder Russland noch China haben das derzeitige nukleare Gleichgewicht des Schreckens angetastet. Leider wird Washingtons Modernisierung seines Atomarsenals dazu führen, dass auch sie ihre strategischen atomaren Kräfte auf den neuesten Stand bringen.

Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird dieses Problem erben. Alle sagen, dass sie Atomwaffen hassen, wir können aber nicht den Eindruck erwecken, mit der Gewohnheit zu brechen. Der Kandidat Donald Trump fragte zu Recht, was der Zweck dieser Waffen ist, und wurde beschimpft, weil er diese passende Frage gestellt hat. Die einseitigen Medien behaupten weiterhin, dass in Bezug auf den roten Knopf auf Trump kein Verlass ist. Es war aber Hillary Clinton, die wirklich mit ihrem Einsatz gegen den Iran gedroht hat, falls dieser es wage, Israel anzugreifen.

Statt über Transgender-Toiletten zu debattieren, sollten die amerikanischen Wähler fordern: „Herr Präsident/Frau Präsidentin, beseitige unsere Atomwaffen!“

http://antikrieg.com/aktuell/2016_08_13_sogar.htm

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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2 Antworten zu Woanders gelesen: Sogar Atombomben werden alt

  1. Onkel Peter schreibt:

    Hat dies auf Die Morgenzeitung rebloggt.

  2. blackhawkone schreibt:

    Hat dies auf ERWACHE! rebloggt.

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