Unterwegs mit Görings Sonderzügen

Der Deckname wurde für den Sonderzug vom 1. September 1939 bis zum 31. Januar 1943 verwendet. Göring nutzte den Zug häufig, so für Fahrten zwischen Berlin und seinem Hauptquartier „Jägerhof“ bei Rastenburg in Ostpreußen oder im Oktober 1940 zu einer Fahrt an die französische Kanalküste. Der Zug verkehrte in der Regel mit 15 Wagen. Göring selbst nutzte zunächst den Salonwagen 10205, ab 1940 den noch komfortableren Salonwagen 10215. Zu dem Zug „Asien“ gab es einen Vorzug mit 14, später 22 Wagen, der weiteres Personal aus dem Umfeld von Göring transportierte und in einem Autotransportwagen dessen Kraftfahrzeuge mitführte. Wurde der Zug nicht genutzt, so war er in der Regel am Bahnhof Wildpark auf dem Gelände des Luftwaffen-Führungsstabs abgestellt.

Ab dem 1. Februar 1943 wurde der Deckname gewechselt: Der Sonderzug wurde nun als „Pommern 1“ bezeichnet, der Vorzug als „Pommern 2“.

In den Filmaufnahmen sind unter anderen zu sehen:

Hermann Göring, Adolf Galland, Staatssekretär Paul Koerner, Görings Adjutant Bernd von Brauchitsch, General Kastner-Kirsdorf, General Walter von Axthelm, Generalstabschef Jeschonnek, General Josef „Beppo“ Schmid, General Hugo Sperrle, NSDAP-Gauwirtschaftsberater Paul Pleiger, Görings Kammerdiener Robert Kropp, Fotograf Eitel Lange

Lesen Sie, was sein Fotograf Eitel Lange dazu aufgezeichnet hat:

„Es waren stets zwei Sonderzüge, in denen Göring unterwegs war…Im ersten Wagen befand sich die fürstliche Garderobe, die unzähligen Uniformen, die Zivilanzüge, die berühmten Lederwämse, an denen er einen Narren gefressen hatte, die Morgenröcke aus Seide und Brokat. Auch wurden hier die Degen aufbewahrt, die Schulterstücke und die Orden. Auch das Badezimmer enthielt dieser Wagen. Er war weiß gekachelt, daneben lag die Toilette. Wenn der Monarch dieses üppigen Zuges sich morgens zum Bad und anschließenden Frühstück anschickte, musste der Zug solange stehenbleiben, bis beides erledigt war. Der Eiserne liebte es nicht, wenn das Wasser in der Wanne schwappte. So blockierten wir sehr oft ganze Strecken….Es spielte nicht die geringste Rolle, ob durch das Bad und das Frühstück des Herrn Reichsmarschall hinter uns Transportzüge, Lazarettzüge und später Flüchtlingszüge für lange Stunden liegenblieben….Die Fahrpläne….wurden so verwirrt, dass es einige Tage brauchte, wieder Ordnung zu schaffen….Ich sprach einige Male mit übernächtigten, erschöpften und verzweifelten Bahnhofvorstehern…“Der ganze Fahrplan ist dahin“, sagten sie. „Das macht nichts. Wir werden es wieder hinkriegen. Hermann muß arbeiten können.“ Mehr als einmal war ich nahe daran, diesen braven Leuten zu sagen: „Arbeiten? Er saß in der Badewanne mit Badesalzen und Parfümen, und nachher frühstückte er.“

Die Zusammenstellung des Zuges wurde mehrfach verändert, so etwa 1940 der neue Salonwagen 10215 eingefügt. Dabei blieb aber konstant, dass der Zug an beiden Enden Plattformwagen führte, auf denen Flugabwehrkanonen montiert waren. Dem folgten – wie bei solchen Zügen allgemein üblich – an beiden Enden Gepäckwagen als „Knautschzone“, als zusätzlicher Schutz im Fall einer Kollision. Zwei davon führten auch Dieselgeneratoren mit, die die Energieversorgung des Zuges sicherstellten, wenn er längere Zeit stand. Nächstfolgend war an einem Ende des Zuges der Salonwagen Görings eingestellt. In welcher Richtung der Zug fuhr, ob also der Salonwagen Görings im vorderen oder hinteren Zugteil lief, war von betrieblichen Gegebenheiten abhängig.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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