Woanders gelesen: Der Anti-Imperiums-Bericht #140 Weg frei für die Erdgas-Pipeline durch Syrien

William Blum

Sind Sie verwirrt aufgrund des Mittleren Ostens? Hier sind einige Dinge, die Sie wissen sollten. (Wahrscheinlich werden Sie dann aber noch immer verwirrt sein.)

  • Die Vereinigten Staaten von Amerika, Saudiarabien, die Türkei, Qatar und die Golf-Monarchien haben alle in der jüngsten Vergangenheit al Qaeda und/oder den Islamischen Staat (ISIS) mit Waffen, Geld und/oder Personal unterstützt.
  • Das erste Beispiel dafür finden wir im Jahr 1979, als die Vereinigten Staaten von Amerika mit geheimen Operationen in Afghanistan begannen, sechs Monate bevor die Russen kamen, und islamischen Fundamentalismus jenseits der südlichen Grenze der Sowjetunion gegen „gottlosen Kommunismus“ förderten. All die al-Qaeda/Taliban-Scheiße war die Folge davon.
  • Außer in Afghanistan haben die Vereinigten Staaten von Amerika auch islamische Militante in Bosnien, Kosovo, Libyen, im Kaukasus und in Syrien unterstützt.
  • Die Vereinigten Staaten von Amerika stürzten die säkularen Regierungen Afghanistans, des Irak und Libyens, und versuchen, dasselbe mit Syrien zu machen, wodurch sie dem Aufstieg von ISIS einen großen Antrieb gaben. Im März dieses Jahres sagte Barack Obama: „ISIS ist eine direkte Folgeerscheinung von al-Qaeda im Irak, die aus unserer Invasion entsprungen ist. Das ist ein Beispiel für unbeabsichtigte Konsequenzen. Deshalb sollten wir grundsätzlich zielen, ehe wir schießen.“
  • Über eine Million Flüchtlinge vor diesen Kriegen Washingtons überrennen zur Zeit Europa und Nordafrika. Gott segne den amerikanischen Exzeptionalismus.
  • Die irakischen, syrischen und türkischen Kurden haben alle gegen ISIS gekämpft, aber die Türkei – enger Verbündeter der Vereinigten Staaten von Amerika und Mitglied der NATO – hat gegen alle von ihnen gekämpft.
  • Russland, Iran, Irak und Gruppierungen im Libanon haben die syrische Regierung auf mehrfache Weise im Kampf gegen ISIS und andere terroristische Gruppen unterstützt, darunter die (viel gefeierten aber selten gesehenen) “gemäßigten Rebellen“. Alle vier Länder wurden dafür von Washington scharf kritisiert.
  • Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ISIS in Syrien bombardiert, haben aber diese Gelegenheiten benutzt, um Syriens Infrastruktur und Kapazitäten der Erdölproduktion zu zerstören.
  • Russland hat ISIS in Syrien bombardiert, hat aber diese Gelegenheiten benutzt, um Syriens weitere Feinde anzugreifen.
  • Die Mainstream-Medien erwähnen fast nie die beabsichtigten Erdgasleitungen aus Qatar – deren Trasse nach Europa Syrien seit Jahren im Weg gestanden ist – als einen wichtigen Grund für die Feindseligkeit gegenüber Syrien. Die Pipelines könnten Russland als Europas dominierenden Energieversorger entthronen.
  • Am Beginn des Bürgerkriegs in Libyen 2011 wurden anti-Gaddafi-Rebellen, viele von ihnen mit al-Qaeda verbündete Milizen, von der NATO in „Flugverbotszonen“ geschützt.
  • Die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika in den Jahren bis zum Aufstand gegen den syrischen Anführer Bashar al-Assad 2011, mit dem das gesamte gegenwärtige Durcheinander begann, war darauf gerichtet, religiöses Sektierertum zu fördern, das dann in der Folge zum Bürgerkrieg mit dem Ziel des Regimewechsels führte.
  • Der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika John Kerry erklärte am 22. Oktober, dass bei der Behebung von Syriens Bürgerkrieg das Land „nicht zerbrochen werden sollte, dass es säkular bleiben muss, und dass die Syrer ihren zukünftigen Anführer wählen sollten.“ (Das beschreibt in der Tat die Situation in Syrien unter Assad.) Dann sagte Kerry: „Eine Sache steht der Möglichkeit im Weg, das rasch in die Tat umzusetzen, und das ist eine Person namens Assad, Bashar Assad.“

 

Warum hasst die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad mit einer derartigen Leidenschaft?

Ist es, weil er, wie uns gesagt wird, ein brutaler Diktator ist? Aber wie kann das der Grund für den Hass sein? Es wäre in der Tat schwer, eine brutale Diktatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder des 21. Jahrhunderts zu nennen, die nicht von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt worden wäre, ja nicht nur unterstützt, sondern oft an die Macht gebracht und an der Macht gehalten wurde gegen die Wünsche der Bevölkerung – zur Zeit würden etwa Saudiarabien, Honduras, Indonesien, Ägypten, Kolumbien, Qatar und Israel auf dieser Liste stehen.

Ich nehme an, dass die Vereinigten Staaten von Amerika der syrischen Regierung aus dem gleichen Grund feindselig gegenüberstehen, wie sie Kuba mehr als ein halbes Jahrhundert lang feindselig gegenüber gestanden sind, und feindselig gegenüber Venezuela in den letzten 15 Jahren, und davor gegenüber Vietnam, Laos und Kambodscha, und gegenüber der Dominikanischen Republik, Uruguay und Chile, und so weiter durch den Weltatlas und die Geschichtsbücher.

Was diese Regierungen gemeinsam hatten, kann in einem einzigen Wort zusammengefasst werden – Unabhängigkeit … Unabhängigkeit von amerikanischer Politik, die Weigerung, ein Marionettenstaat Washingtons zu sein, die Weigerung, ständig feindselig gegenüber den von Washington bestimmten Feinden zu sein, zu wenig Respekt und Begeisterung für die kapitalistische Lebensweise.

http://antikrieg.com/aktuell/2015_12_05_deranti.htm

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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