Zum Kalenderblatt Volkstrauertag: Video: Das Grab fern der Heimat – Gesichter des Todes

 

Gesichter des Todes

Die Sowjetunion hat die meisten Toten des Zweiten Weltkrieges zu beklagen. Die staatlich festgelegte Opferzahl von 20 Millionen wurde ab 1985 zur historischen Überprüfung freigegeben. Seither schwanken seriöse Schätzungen zwischen 25 und 40 Millionen sowjetischen Todesopfern. Eine staatliche mehrjährige Überprüfung ergab bis 2009 37 Millionen sowjetische Kriegsopfer.

Christian Hartmann vom Institut für Zeitgeschichte gab 2011 eine Gesamtopferzahl dieses Krieges in der Sowjetunion von 26,6 Millionen Menschen an: darunter 11,4 Millionen sowjetische Soldaten, von denen 8,4 Millionen durch Kampfhandlungen und drei Millionen in deutscher Kriegsgefangenschaft starben. Neben den 1,1 Millionen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft gestorbenen deutschen Soldaten, fielen an der Ostfront 2,7 Millionen Wehrmachtsoldaten, also knapp über die Hälfte der insgesamt 5,3 Millionen im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen deutschen Soldaten. Die Mehrheit der Opfer – 15,2 Millionen Menschen – waren demnach sowjetische Zivilisten.

Während des Zweiten Weltkrieges legten die deutschen Truppen in der Sowjetunion zahlreiche Soldatenfriedhöfe an. Zuständig für diese sogenannten Heldenfriedhöfe waren Wehrmachtgräberoffiziere. Ihre Lage und Belegung ist in der Regel gut dokumentiert. Viele Tote blieben aber wegen des Kampfverlaufes auch dort liegen, wo sie das Leben verloren hatten. Sie wurden später von den sowjetischen Truppen oder der Bevölkerung an Ort und Stelle begraben. Über ihre Schicksale gibt es kaum Aufzeichnungen; sie gelten heute vielfach als vermisst. In einzelnen Gebieten kann man sogar bis heute unbestattete, deutsche wie sowjetische Tote finden. Für das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sind 118.000 Grablagen – vom Einzelgrab bis zu großen Friedhofsanlagen mit mehreren Tausend Toten – bekannt. Häufig können diese Toten noch heute hauptsächlich anhand ihrer Erkennungsmarken identifiziert und die Angehörigen informiert werden. Im Lazarett ihren Verwundungen erlegenen Soldaten wurde oft eine Grabflasche am Fußende beigegeben. Diese enthält ebenfalls alle notwendigen Informationen zum Verstorbenen.

Für die deutsche Seite waren die Grablagen während des Kalten Krieges weitestgehend unzugänglich. Sowjetische Behörden teilten sogar mit, dass es keine Gräber aus den Kämpfen mehr gebe. Anders als in den westlichen Ländern konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. hier nicht arbeiten. Erst nach dem Untergang der Sowjetunion konnten mit den Nachfolgestaaten Kriegsgräberabkommen geschlossen werden. Der Volksbund ist nach diesen Abkommen mit der Wahrnehmung der praktischen Aufgaben beauftragt. Aus organisatorischen Gründen bettet die Organisation die Toten auf neue große Kriegsgräberstätten in den ehemaligen Kampfgebieten um. Es bleiben jedoch auch einige Friedhofsanlagen erhalten, vor allem Friedhöfe für verstorbene Kriegsgefangene. Über 40.000 gefallene deutsche Soldaten werden noch immer jedes Jahr vom Umbettungsdienst des Volksbundes aus den ursprünglichen Grablagen geborgen, identifiziert und endgültig bestattet. Für die Lokalisierung der Gräber wird sowohl auf Unterlagen der Wehrmachtauskunftstelle (heute der Deutschen Dienststelle, Berlin) als auch auf Aussagen von Einheimischen zurückgegriffen. Auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gibt es heute nahezu 300 Kriegsgräberstätten mit teilweise mehreren Zehntausend Gräbern.

Der Volksbund hat eine frei zugängliche, ständig erweiterte Onlinedatenbank mit derzeit fast 4,6 Millionen Datensätzen angelegt (die sich auf alle deutschstämmigen Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges bezieht), welche online abgerufen werden können.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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