Woanders gelesen: Vater Staat und Mutter Hochfinanz

 S’USANNE KABLITZ

„Es gibt keinen natürlichen Grund, warum der neue Totalitarismus dem alten gleichen sollte. Ein Regieren mittels Knüppeln und Exekutivkommandos, mittels künstlicher Hungersnöte, Massenverhaftungen und Massendeportationen ist nicht nur unmenschlich (darum schert sich heute niemand viel); es ist nachweisbar leistungsunfähig – und in einem Zeitalter fortgeschrittener Technik ist Leistungsunfähigkeit die Sünde wider den Heiligen Geist. Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, die zu gar nichts gezwungen zu werden brauchen, weil sie ihre Sklaverei lieben.“ Schöne neue Welt – Aldous Huxley 1932

Mit Eltern ist das so eine Sache – man kann sie sich einfach nicht aussuchen. Man hat sie und dann muss man damit leben. Ob man will oder nicht – man kann sie nicht umtauschen und auch nicht auf einem neuen Versuch bestehen, sobald man das Licht der Welt erblickt und sieht, was man sich da eingehandelt hat. Genauso wenig geht das umgekehrt. Eltern können auch nicht verlangen, dass der Wurm wieder zurückgeschoben wird – unser Kind ist noch nicht fertig! – Keine Chance – man muss das nehmen, was man kriegt und das Beste daraus machen. Basta!

Normalerweise kommt man, je länger man sich kennt, immer besser miteinander aus (von den Teenagerjahren einmal abgesehen) und die meisten Eltern-Kind-Verbindungen haben sogar ein ausgesprochen liebe- und vertrauensvolles Verhältnis miteinander.
Das hängt damit zusammen, dass man sich in der Regel auf seine Eltern verlassen kann, sich nicht bei jeder Gelegenheit einen schmerzhaften Tritt in den Hintern einhandelt, nicht permanent zum Frondienst antreten muss, nicht ausgeraubt wird, Strafen nur dann und wann und normalerweise auch nur milde vollstreckt werden, wenn man sich nicht an Absprachen gehalten oder diese schändlich überstrapaziert hat, Verspechen eingehalten werden und das Aussprechen der Wahrheit – auch wenn eine Lüge manchmal freundlicher und vor allem viel einfacher wäre – ein Akt des Respekts ist.

Man wird nicht hintergangen, nicht mit böser Absicht manipuliert, in der Regel nicht hinterhältig getäuscht, man wird ernst genommen (zumindest, wenn dies gerechtfertigt ist), die persönliche Freiheit rücksichtsvoll gewährleistet.
Das Eigentum wird nicht gegen den Willen konfisziert und schon gar nicht gewaltsam unter Androhung der „gerechten“ Strafe des Absitzens dunkler Stunden hinter schwedischen Gardinen oder besser noch für den Rest seines Lebens als eine persona non grata gebrandmarkt zu werden.

Leider können natürliche Eltern höchst unangenehme Zeitgenossen sein, vor allem dann, wenn sie Ihre Nachkommen zu selbstständig denkenden und kritischen Menschen erziehen wollen.

Zum Glück ist das schon in der Vergangenheit nicht allzu oft vorgekommen, aber es ist trotzdem gut zu wissen, dass wir zunehmend mit Ersatzeltern beglückt werden, die ein ganz anderes Verständnis von sinnvoller Erziehung und einem zufriedenen Leben ihrer Aufzucht haben.

Da ist zum einen Vater Staat, den es zwar schon sehr lange gibt und von seinen lieben Kleinen mit hingebungsvoller Demut auch genauso bezeichnet wird, der aber einige Jahre lang verhaltener präsent war und seinen Erziehungsauftrag ein wenig vernachlässigt hat.
Vor einigen Jahren hat Vater Staat allerdings seine langjährige Freundin, die wohlmeinende Mutter Hochfinanz, geehelicht und es ist eine dauerhafte Verbindung entstanden – abgesichert durch einen wasserfesten, beide Partner bei Nichteinhaltung der vereinbarten Inhalte existenzvernichtenden Ehevertrag, der die Liebenden auf ewig aneinanderschweißt.

Diese hochmotivierten Eltern wollen nun in besonders hingebungsvoller Weise für Ihre Zöglinge sorgen und da sie das nicht alleine schaffen, haben sie sich fleißige Nannys zu Hilfe geholt, die sich nun im Dauereinsatz und rund um die Uhr für deren Seelenglück verantwortlich fühlen.

Da hätten wir zum Beispiel die ganz besonders wichtige Nanny namens „Mainstream-Medien“. Diese Nanny ist ein ganz zauberhaftes Wesen – sie liebt es, mit ihren Zöglingen „Blinde Kuh“ zu spielen. Das Spiel macht ihr eine riesige Freude, vor allem, wenn nicht nur einem Mitspieler die Augen verbunden werden, sondern allen. Wenn einer der Mitspieler schummelt und ein wenig die Augenbinde beiseiteschiebt, um zu sehen, was im Raum vor sich geht, dann darf sie ihn als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnen. Das finden die Meisten doof – denn ab sofort sind sie in der Gruppe nicht mehr willkommen und müssen mit der dauerhaften Unterbringung in einem Sanatorium rechnen.

Weitere Nannys hören auf so klangvolle Namen wie „Soziale Gerechtigkeit“, „Reichensteuer“, „Finanzielle Repression – neudeutsch für nachhaltiges Ausdünnen des Mittelstands“, „Wohlfahrtstyrannei“, „Mehr Geld für Brüssel“, „Alternativloser Euro“, „Zinskorrektur – neudeutsch für Zinsmanipulation“, „Austerität – neudeutsch für Sparen sollen die Anderen“, „Überwachung ist ein Bürgerrecht“ oder die auch sehr begehrten Nannys namens „Zentralbanken sind das Blut unserer Wirtschaft“ und „Politiker sind unverzichtbar“.

Es gibt noch eine ganze Reihe mehr.

Vater Staat hat nahezu unbegrenzt finanzielle Mittel, so dass er alles ihm sinnvoll erscheinendes Personal einstellt- er muss es nicht selbst bezahlen und wer nicht selbst bezahlen muss, ist immer sehr großzügig.

Wir wollen ihm aber nun nicht Unrecht tun, ein paar Hilfsarbeiter wurde entlassen. Zum einen waren sie entweder sehr lästig oder so gar nicht beliebt.

Die Nanny namens „Freiheit“ flog als erstes im hohen Bogen raus – vollkommen überflüssig und zudem gnadenlos überschätzt, dann folgte ihr die Nanny namens „Pressefreiheit“, auch so eine hanebüchene Fehlbesetzung.
Kurz danach mussten auch die Nannys namens „Kreativität“ und „Eigenverantwortung“ ihre Sachen packen. Beides braucht nun wirklich kein Mensch, es gibt doch Vater Staat, der uns vordiktiert und das natürlich und selbstverständlich nur zu unserem Besten, was gut für uns ist und dass es sich wirklich nicht lohnt, auf eigenen Beinen zu stehen.

Wenn wir also genau das tun, was er sich für uns ausgedacht hat, geht es allen Beteiligten besser und diese nervtötende Fragerei nach dem „Warum“ und dem „Wieso“ gehört endlich der Vergangenheit an. Und wenn wir all das tun, was er unserem Wohlbefinden für zuträglich hält, dann haben wir doch auch gar keinen Grund mehr, uns jeden das Ausspionieren unserer Daten aufzulehnen. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.

So einfach ist das!

http://freiraum-magazin.com/2015/05/23/vater-staat-und-mutter-hochfinanz/

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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