„Wir müssen draußen bleiben.“

Wer kennt es nicht, dieses Hinweisschild, das bei manchen Metzgereien und Lebensmittelgeschäften an der Eingangstür hängt. In der Tat, Hunde haben an diesen Orten wahrlich nichts zu suchen.

Als der griechische Ministerpräsident Alexis Tsirpas die Kanzleuse besuchte, sah ich im Fernsehen die Begrüßung vor dem Kanzlerbunker in Berlin. Die Ehrenwache, die Kanzleuse, Tsirpas und draußen vom dem Zaun eine Menge Schaulustiger, also Teile des Wahlvolkes oder gelegentlich auch, verschlagener- und scheinheiligerweise, der Souverän genannt. Im Hintergrund waren ein paar Krakeeler zu vernehmen, „Hoch die internationale Solidarität“ hörte man sie skandieren. Schön, wenn sich die Salonkommunisten auch zum Kapitalismus bekennen und internationale Solidaridät im Sinne des Kapitals einfordern, vergessen die Grundlage dieser Parole, dass Arbeiter, egal wo auf der Welt, nicht gegeneinander antreten sollen, sich nicht vor den Karren von nationalen Interessen spannen lassen sollen usw. usf.. Nicht nur diese Republik ist verkommen, auch die politischen Strömungen dieses Landes sind schon dermaßen auf den Hund gekommen, dass nur noch sinn- und geistloses Zeug von sich gegeben wird. Tsirpas ein ehemaliger Kommunist, arbeitete wenigstens mal ein paar Jahre in seinem Beruf und leistete seinen Wehrdienst bei der griechischen Marine ab, was das linke Gesocks vor dem Kanzlerbunker wohl niemals getan hätte oder jemals tun würde. Arbeiten, Dienst am eigenen Land und Volk, welch rechtsextreme, nazistische Verhaltensweise. Sie lassen arbeiten, sie lassen andere für sich arbeiten, dies hat diese Ecke von Chaoten, Arbeitsscheuen und sonstigen Nichtstuern schon längst erkannt. Sie leben das Leben von bourgoisen Nichtstuern, sie halten, die angeblichen Vertreter der Arbeiterklasse oder der werktätigen Bevölkerung, lassen diese für sich arbeiten, dafür dürfen sich die blöden Malocher von ihnen beschimpfen lassen.

Aber zurück zu Tsirpas, lassen wir das Gesockse links liegen und ziehen einfach weiter. Was man nicht ändern kann, und diese Leute sind nicht zu ändern, soll man hinnehmen und nicht beachten. Es wäre zuviel der Ehre, würde man sich mit ihnen auch noch in großem Umfang beschäftigen. Dies hieße sie erheben und das wollen wir doch nicht.
Tsirpas und die Kanzleuse schritten die Ehrenformation ab, der Souverän wurde keines Blickes gewürdigt und schon gar nicht ehrerbietig gegrüßt, auch nicht vom Kommunsiten Tsirpas, wie es sich für einen Untergebenen, wenn auch einen hochgestellten, gehören würde, wenn er dem Souverän, dem Eigentümer gegenübertritt.
Könnte sich jemand vorstellen, dass der Vorstand einer AG, den Eigner der AG auf solch eine Weise gegenüberträte? Ich nicht, vor allem dann, wenn er den Posten noch länger behalten will.
Tja, da gibt es auch einen wesentlichen Unterschied. Die Eigner der Kapitalgesellschaft geben dem Vorstand vor, in welch großem Rahmen sie sein Wirken wünschen, sollte dies nicht erfüllt werden, der Grund hierzu ist nahezu unerheblich, wird der Führer der Geschäfte gefeuert. Er bekommt eine vorher vereinbarte Abfindung und die Sache ist erledigt.

Man stelle sich vor, wir hätten ähnliche Möglichkeiten. Als Deutsche sind wir Obereigentümer unseres Landes und nach dem Heiligen Buch dieses Landes, sind wir diejenige die die Grundzüge der Politik und dergleichen bestimmen sollen. Ich weiß Papier ist geduldig und das Grundgesetz ist noch viel geduldiger, ist es doch, wie jede andere Verfassung oder jedes verfassungsähnliche Produkt auch, nichts anderes als die Verfassung derjenigen, die die Macht im Lande innehaben und darin festlegen welchen Grad an Wirkunsmöglichkeiten die Beherrschten haben.
Diese Grenzen sind IMMER sehr eng gezogen. Im Falle des GGs der heiligen Kuh der BRD, sogar so eng, dass die sog. Grundrechte/Schutzrechte durch einfache Mehrheiten in Bund und Ländern ausgehebelt werden können. Aber so ist es halt in der Demokratie. Demokratie ist ein Unwort, etwas das nie und nimmer in der Form existieren wird, in der es propagiert und von manchen (miss)verstanden wird.

Wie auch immer, in Berlin wurde es wieder einmal deutlich gezeigt: „Wir müsse draußen bleiben“. Drinnen wird über unser Geld verhandelt, von einem Weib, das auf irgendwelchen Umwegen, ohne direkt von uns gewählt worden zu sein und einem anderen Volldemokraten, der an unser Geld will und zwar an möglichst viel davon.
Wir stehen draußen und müssen uns mit den Alternativlosigkeiten herumschlagen. Diese Alternativlosigkeiten bekommen wir vorgesetzt. Für uns sind die Verabredungen dieser Volldemokraten alternativlos, keiner kann sich dem entziehen. Der Souverän hat zu dulden, zu erfüllen und zu gehorchen. Mitzureden hat er kein Wort, das Kreuzchen auf dem Wahlzettel hat nur eine gewisse Alibifunktion, es ist unerheblich wer oder was gewählt wird, an den Alternativlosigkeiten kommen wir nicht vorbei. Es wird getan, was getan werden muss. Die Politbonzen dürfen sich schließlich nicht umsonst auf unsere Kosten bereichern. Wer an den Futtertrog will, muss ganze Arbeit leisten. Hier gilt das kapitalistische Leistungsprinzip der wahren Herren unseres Landes. Wer nichts bringt, der fliegt.
Mancher glaubt, es wäre nur eine  Frage der Partei, welche gerade an den Futtertrögen der Pseudomacht schlemmt.
Wer dies wirklich glaubt, ist naiv. Bestenfalls entspricht das Parteipropramm vielleicht dem einen mehr und erfüllt wortreich dessen Wünsche. Aber wohlgemerkt nur mit Worten. Wer Parteien vertraute oder vertraut, wird immer in den Dreck greifen.
Parteien sind in der Demokratie/Republik der politische Arm privater Interessen. Private Interessen; vereinigt in Parteien oder private Interessen außerhalb der Partei, die Parteien und Politiker finanzieren; legen fest was, wie gemacht wird.
Wer will kann ja in eine beliebige Partei eintreten und gegen die Parteilinien aufmucken, ganz egal in welcher Partei er ist, er wird schnell eine auf den Deckel bekommen und mag er noch so Recht haben, noch soviele Mitglieder auf seiner Seite haben. Das alles zählt nicht, er wird hinausgekehrt werden, vielleicht darf er aber auch in der Partei bleiben und als Alibi fungieren, ein Schattendasein fristen.
Parteien, Demokratie und die Form des Kapitalismus, die Plutokratie die unsere Zeit beherrschen, gehören unlösbar zusammen. Fällt das eine, fällt das andere. S´Zeig muas zammpassn und passt auch immer zusammen.
Es hilft auch nichts vergangenen Zeiten nachzutrauern, vielleicht gibt es ja auch gar nicht soviel, dass des Betrauerns wert wäre. Von außen schaut manches schöner aus, als wenn man von innen mitmachen muss. Wer wäre schon gern ein Leibeigner, ein Fronbauer, ein Landsknecht, ein eingezogener Soldat bei Friedrich dem Großen oder was auch immer in vergangenen Zeiten gewesen.
Nur die wenigsten standen auf der Sonnenseite des Lebens (materiell und finanziell), wie dies auch heute der Fall ist. Mit einem Unterschied, denen die nicht auf der Sonnenseite stehen, geht es heute verhältnismäßig gut, zumindest in unseren Breitengraden und in der von vielen ungeliebten BRD besser als anderen in vergleichbaren Ländern. Das liegt aber sicherlich nicht an der BRD und derem politschen System, sondern mehr an uns selbst. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es um unser Land wirtschaftlich und sozial gestellt wäre, dürften wir so wir könnten. Das wäre vielleicht auch nicht so optimal. Übermäßiger Wohlstand, wenn auch und vor allem wenn selbst erarbeitet, macht bei manchen Nachbarn lange Hälse und aus Neid wird schnell Hass und aus Hass unter Völkern wird schnell ein unerbittlicher Krieg. Also hierfür müssten Lösungen gefunden werden. „Mehr sein, als scheinen.“

Dieses verhältnismäßig gut gehen, das ist der Punkt auf den es ankommt. Solange es uns verhältnismäßig gut geht und das tut es, das kann niemand bestreiten, bleiben wir gerne draußen, befassen uns nicht mit der großen Politik, versuchen wir nicht ein echter Souverän zu werden. Es klappt ja einigermaßen gut und wer kann schon von sich behaupten, dass er in der Lage wäre Führungskraft in größeren Dimensionen zu werden. Ich will es mal so sagen, wer dazu in der Lage ist, der ist es in der Regel auch. Nicht unbedingt in der Politik, dort sind sie nicht zu finden, die wahren Führungskräfte, dort sind deren Lakaien anzutreffen. Es gibt genügend Möglichkeiten um seine Führungs- und Leistunsqualitäten unter Beweis zu stellen und sei es „nur“ der Vorsitz in einem größeren Verein, einer Feuerwehr oder in der eigenen Firma.
Wer dies anerkennt, wird schnell erkennen, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die in großen Dimensionen führen und leisten können. Nun ist nur noch die Frage, will man sich solchen Menschen unterstellen, will man geführt werden?
Wenn dies auf freiwilliger Basis erfolgt, so kann dem niemand widersprechen. Geschieht dies auf Basis von Zwang, wie es auch in der Demokratie und jeder anderen Form von ….kratie oder …ismus der Fall ist, dann kann und muss jeder freiheitsbewusste Mensch widersprechen. Nicht im Namen der anderen, wie dies z. B. durch den Ausruf „Wir sind das Volk“  gemacht wird, sondern im eigenen Namen. Nur im eigenem Namen, im Eigenen liegt das Recht auf den eigenen Wunsch nach dem jeweiligen Grad der Freiheit den einer genießen oder aufgeben will.
Die Besinnung auf das Eigene, das Ureigenste, das eigene Leben ist einer der wichtigsten Schritte der Erkenntnis die ein Mensch vollziehen kann. Damit eröffnen sich vollkommen neue Möglichkeiten aber auch neue Grenzen. Jeder spricht, handelt etc. nur für sich selbst, außer, er wurde von anderen ausdrücklich legitimiert auch in ihrem Namen zu sprechen oder zu handeln. Diese Erlaubnis kann jederzeit ausgesprochen oder widerrufen werden.

Ein riesen Durcheinander würde so entstehen, mag mancher argumentieren. Das ist wohl wahr, hier widerspreche ich nicht. Wer will kann sich gerne regieren lassen, wer nicht der eben nicht. Jeder hat mit den Folgen seines Handelns zu leben. Der eine muss vielleicht in einen Krieg ziehen, den ein anderer auch in seinem Namen erklärt hat, ohne ihn jemals zu fragen, der andere ist vielleicht ganz auf sich selbst gestellt und muss damit zurechtkommen.
Der eine will die Freiheit des Wolfes, der andere die Annehmlichkeiten des Haushundes. Der muss allerdings auch draußen bleiben und darf nur hinein, wenn es ihm erlaubt wird und bekommt zu fressen, was ihm sein Herrchen zukommen lässt. Das mag mal mehr und mal weniger sein. Die Freiheit des Wolfes ist eine harte Freiheit, hart vor allem für den Haushund, der seinen warmen Platz am Ofen und das freudige Begrüßen des Herrchens aufgeben müsste. Ich tu mich mit dem Begrüßen und Scharwenzeln hart und stehe der Freiheit des Wolfes näher.Ich lebe mehr nach der Devise „Du musst draußen bleiben“.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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