Leserbrief zur Äußerung von Gauck bezüglich der Bombardierung Dresdens

Leserbrief

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Passauer Neue Nachrichten vom 14./15. Februar 2015
„Dresden erinnert an seine Zerstörung 1945“
Leserbrief
Gleich auf der Titelseite der PNP und dann auf Seite 3 „warnte“ der Bundespräsident Gauck uns Deutsche, unsere Schuld zu relativieren und vor der „Instrumentalisierung der Opfer“. Dennoch behauptet die PNP zu der Tragödie von Dresden „rund 25.000 Menschen kamen ums Leben“. Das kann nicht unwidersprochen bleiben, weil es nicht der Wahrheit entspricht. Günter Zemella schreibt in „Moral Bombing“ (2006 auf S. 229): „Nach amtlicher Auskunft der Landeshauptstadt Dresden – Amt für Protokoll und Auslandsbeziehungen – vom 31. Juli 1992 (Az. 0016/Mi) wurden -gesicherten Angaben der Dresdener Ordnungspolizei zufolge bis zum 20. März 1945  202.040  Tote, überwiegend Frauen und Kinder geborgen. Davon konnten nur etwa 30 Prozent identifiziert werden. Einschließlich der Vermißten dürfte eine Zahl von 250.000 bis 300.000 Opfern realistisch sein.“  Allein 30 % identifizierte, mehr als 60.000 namentlich bekannte Opfer !  Und wer das mit hundertausenden Flüchtlingen aus dem Osten vollgestopfte Dresden und das Ausmaß der Zerstörung bedenkt, dem müssen Zweifel an der herrschenden Lehrmeinung kommen.
Eine weitere Richtigstellung betrifft die Behauptung, das Deutsche Reich habe den Bombenkrieg begonnen im November 1940 mit der Bombardierung der südenglischen Stadt Coventry. Bei der Einweihung der wieder aufgebauten Frauenkirche hatte man eigens den Bürgermeister von Coventry nach Dresden geladen. Die Wahrheit aber ist eine andere: die Langstreckenbomber B17 („die fliegenden Festungen“), die solche Bombenlasten transportieren konnten, wurden schon lange vorher in den USA geplant und gebaut, erstmals 1935 erprobt, ab 1939 wurden diese serienweise -insgesamt 12.731 Bomber- gebaut. Das britische Verteidigungsministerium gab 1936 die Produktion von 4,5 Millionen Brandbomben in Auftrag. Dabei kam es auch zur Ausarbeitung des sog. „master-plan“, in welchem die Reihenfolge der in Deutschland einmal zu bekämpfenden Ziele entsprechend ihrer Bedeutung festgelegt war (Wikipedia).
Die Kriegserklärung Englands an Deutschland erfolgte am 3.9.1939. Schon am Tag darauf folgten die ersten britischen Bombenangriffe auf Cuxhaven, Wilhelmshaven und Brunsbüttel, am 12.1.40 Westerland/Sylt, am 20.3.40 Kiel, Hörnum und am 10.5.40 Freiburg. –   Mit dem Amtsantritt von Winston Churchill am 10.5.40 folgte bereits am Tag darauf der Kabinett-Beschluß zur Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung. Vom 10. bis 13. Mai 1940 folgten 51 Luftangriffe auf nichtmilitärische Ziele Deutschlands. Das OKW (Oberkommando der deutschen Wehrmacht) hatte am 25.1.40 das Verbot erlassen von Luftangriffen auf das englische Mutterland. Erst am 14.11.40 folgten die ersten Vergeltungsangriffe Deutschlands auf die Flugzeug- Fabriken in England (Coventry). Die Behauptung, daß mit Coventry der Bombenkrieg durch Deutschland begonnen worden sei, ist also unwahr. “Demgemäß kann die englische Luftoffensive gegen Deutschland nicht als Reaktion auf die deutsche Art der Luftkriegsführung angesehen werden; sie stellte vielmehr die Verwirklichung von weit zurückreichenden Plänen dar“ (Czesany „Der Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung Europas“). Die Briten hielten an der Erwartung fest, daß Bombenangriffe gegen die Zivilbevölkerung kriegsentscheidend sein würden („Moral bombing“) und vollzogen damit einen beispiellosen Völkermord.
Auf Seite 3 der PNP wird statt Aufklärung der Leidensweg einer alten Dame breit getreten mit dem fragwürdigen Ergebnis, daß sie, „die alte Dame“, die Hintergründe über den Zweiten Weltkrieg nicht erfahren möchte – nicht aus Büchern, nicht aus TV-Dokumentationen. „Sie vermied es regelrecht, mit solchen Informationen konfrontiert zu werden“ (PNP). –  Nein, das kann es für einen denkenden und verantwortungsvollen Menschen nicht sein: dieses enzyklopädische Desinteresse !  Deshalb sollte der einstige Pastor und „Bürgerrechtler“, das heutige Staatsoberhaupt Gauck, uns Deutsche nicht immer wieder „warnen“ vor anderer Meinung, sondern besser zur allgemeinen Wahrheitsfindung aufrufen. Das wäre eine große Tat, denn es gibt derzeit keine freie Wissenschaft.
Karlheinz Baumgartl
Heimatforscher
84367 Zeilarn

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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2 Antworten zu Leserbrief zur Äußerung von Gauck bezüglich der Bombardierung Dresdens

  1. nwhannover schreibt:

    Hat dies auf nwhannover rebloggt.

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