Video: Erster und zweiter Markomannenkrieg

Im Laufe des Jahres 171 wurden die Eindringlinge aus den Provinzen vertrieben, wobei sich der spätere Kaiser Pertinax auszeichnete. Gegen Ende des Jahres folgten umfangreiche diplomatische Verhandlungen in Carnuntum zur Vorbereitung des Feldzuges. Die Quaden verpflichteten sich zur Neutralität. Die Römer versuchten, germanische Stämme zum Kampf gegen die Markomannen zu bewegen. So verhandelte Cornelius Clemens, der Statthalter in Dakien, mit den vandalischen Stämmen der Asdingen und Lakringen, die schließlich als römische Bundesgenossen gegen die Kostoboken zu Felde zogen. Die Kotiner, ein Volk mit stark keltischem Einschlag, erklärten sich bereit, unter der Führung von Tarutienus Paternus, dem kaiserlichen Sekretär für den lateinischen Schriftverkehr, gegen die Markomannen zu kämpfen, wurden jedoch kurze Zeit später wieder abtrünnig.

Im Jahre 172 ging die römische Armee zur Gegenoffensive jenseits des Limes über. Zunächst zog man gegen die Markomannen. Es folgten Feldzüge gegen die Quaden, die vertragsbrüchig geworden waren und den Markomannen Hilfe geleistet hatten, schließlich gegen die Narisker und Jazygen. Besondere Ereignisse während dieser Feldzüge waren das so genannte „Regenwunder im Quadenland“ und das „Blitzwunder“, bei denen nach römischer Propaganda die Götter, veranlasst durch die Gebete des Kaisers, die römischen Truppen aus Gefahr erretteten. Die Christen führten diese Wunder auf die Gebete ihrer im Heer dienenden Glaubensgenossen zurück (s. Legenden um die Legio XII Fulminata und um den heiligen Donatus).

Im Jahre 174 wurde der romfreundliche König Furtius von den Quaden vertrieben und durch seinen Konkurrenten Ariogaesus ersetzt. Mark Aurel verweigerte dessen Anerkennung und setzte ein Kopfgeld auf ihn aus. Eine Erneuerung des Friedensvertrages wurde trotz des Angebotes der Auslieferung von 50.000 Gefangenen abgelehnt. Ariogaesus geriet in Gefangenschaft und wurde nach Alexandria verbannt.

Der erste Markomannenkrieg endete im Jahre 175 nach einem Feldzug gegen die Jazygen mit einem Waffenstillstand. Sie lieferten 100.000 römische Gefangene aus und stellten ein Kontingent von 8000 Reitern, von denen 5500 nach Britannien abkommandiert wurden.

Nach dem Aufstand des Avidius Cassius zog der Kaiser mit einem Großteil der Truppen in die östlichen Provinzen. An diesem Zug nahm auch ein von Markomannen, Quaden und Nariskern gestelltes Truppenkontingent unter der Führung des Prokurators Valerius Maximianus teil. Nach ihrer Rückkehr feierten Mark Aurel und sein Sohn Commodus am 23. Dezember des Jahres 176 in Rom einen gemeinsamen Triumph („de Germanis“, „de Sarmatis“).

Am 3. August 178 brachen Mark Aurel und Commodus zum zweiten Markomannenkrieg auf. Auf diesem Feldzug starb der Kaiser am 17. März 180, vermutlich in Vindobona, dem heutigen Wien (Tertullian nennt allerdings Sirmium als Sterbeort) an einer uns nicht weiter bekannten Krankheit. Einige Wissenschaftler gehen jedoch von der Antoninischen Pest als Todesursache aus, andere vermuten ein Krebsleiden. Mit Ausbruch der Krankheit und in Erwartung des nahen Todes ließ der Kaiser seinen Sohn Commodus rufen und mahnte ihn angeblich, den Feldzug bis zum Sieg fortzusetzen. Commodus habe es in dieser Situation – möglicherweise aus Angst vor Ansteckung – eilig gehabt, sich wieder zu entfernen. Daraufhin soll Mark Aurel, um das eigene Ende zu beschleunigen, das Essen und Trinken verweigert haben und bald darauf verschieden sein. Seinen klagenden Freunden entgegnete er der Überlieferung nach: „Was weint ihr um mich? Weint um die Pest und das Sterbenmüssen aller!“ Seine Asche wurde in Rom im Mausoleum Kaiser Hadrians, der späteren Engelsburg, beigesetzt. Ihm zu Ehren ließ der Senat von Rom irgendwann zwischen 176 und 193 eine Ehrensäule (Mark-Aurel-Säule) errichten. Diese ist auf der nach ihr benannten Piazza Colonna in Rom zu finden.

Die bekannteste Darstellung Mark Aurels ist sein bronzenes Reiterstandbild, das seit der Renaissance auf dem von Michelangelo gestalteten Platz (Piazza del Campidoglio) des Kapitols in Rom aufgestellt ist (jetzt in Nachbildung, das Original im benachbarten Museum). Dieses Reiterstandbild ist, seit der Einführung des Euro im Jahr 2002, auf der 50-Cent-Münze der italienischen Version dieser Währung abgebildet. Ein weiterer Abguss der Reiterstatue steht in Tulln an der Donau. Die Statue soll an die jahrhundertelange Anwesenheit der Römer an der Donaugrenze erinnern.

Das Bild, das Mark Aurel als Herrscher geboten hatte, sowie seine überlieferten philosophischen Reflexionen haben ihm unter Zeitgenossen und Nachgeborenen vielfach Respekt und Bewunderung eingetragen, in breiten Bevölkerungskreisen des Römischen Reiches wie unter Aristokraten und Herrschern. Die durchaus vorhandenen problematischen Aspekte seiner Herrschaft traten dagegen früh in den Hintergrund, und der Kaiser wurde zum Idealherrscher verklärt. In seine Nachfolge stellten sich außer Commodus etwa Septimius Severus, der sich selbst (fiktiv) zum Sohn Mark Aurels erklärte, und die übrigen Severer, was einiges zur Idealisierung Mark Aurels beigetragen haben dürfte, bedeutete dies doch, dass noch Jahrzehnte nach seinem Tod römische Herrscher versuchten, ihn als Vorbild und angeblichen Vorfahren für sich in Anspruch zu nehmen. Noch in der Spätantike tat dies der ebenfalls philosophisch interessierte Julian. Die Mark Aurel bezeugte Verehrung mag noch verstärkt worden sein durch die nach seiner Regierungszeit einsetzenden Turbulenzen, die seinen Tod im Rückblick als Zäsur erscheinen ließen – mit den Worten des Senators und Historikers Cassius Dio als Abstieg in ein Zeitalter von „Eisen und Rost“. Auch den Christen galt er später – trotz der Christenverfolgungen in seiner Regierungszeit – als guter Kaiser.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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