Video: Rekonstruktion des römischen Forums Lahnau-Waldgirmes

Als Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes wird ein ehemaliger befestigter Handelsplatz des Römisches Reiches bezeichnet, der am Rande der heutigen Ortschaft Waldgirmes in der Gemeinde Lahnau an der Lahn in Mittelhessen gelegen ist. Die Reste der Anlage sind der früheste Beleg für Steinmauern in der Magna Germania.

Es handelt sich um Reste einer der Städte und Marktzentren östlich des Rheines und nördlich der Donau, die in der Antike von den Römern offenbar planmäßig und auf Zuwachs angelegt gegründet wurden. Sie ist aber nie völlig fertiggestellt worden. Da es keinerlei schriftliche Überlieferungen dafür gibt und am Ort auch keine Inschriften gefunden wurden, ist der ursprüngliche Name des Ortes nicht bekannt.

Seit Theodor Mommsen nahm man an, dass die Operationen der Römer in Germanien sich auf Erkundungszüge und auf kleinere, temporäre Handelsstationen beschränkte. Allerdings gibt Cassius Dio 56,18,2 an, dass zur Zeit des Varus bereits erste Städte gegründet waren. Eine solche Stadt war offenbar auch Waldgirmes, bestimmt für den Handel mit Germanien sowie zur Versorgung der römischen Truppen. Etwa 8 km entfernt wurde um 20 v. Chr. das keltische Oppidum Dünsberg aufgegeben.

Waldgirmes scheint eine planmäßige Gründung auf grüner Wiese gewesen zu sein. Dendrochronologische Untersuchungen an den Resten eines hölzernen Brunnens ergaben eine Fällung des Baumes im Jahre 4 v. Chr. Die Siedlung dürfte also schon um diese Zeit in Bau gewesen sein. Sie lag sehr günstig im Schutz der Hügel auf einem Geländesporn zwischen Längenbach und Metzebach, der in den Fluss Lahn ragt, und das römische Gebiet am Rhein war per Schiff schnell zu erreichen. Möglich ist auch – hierfür spricht die Anlage des überdimensionierten Forums im Zentrum der Siedlung – dass die Siedlung als Hauptort einer civitas geplant war und ihre Anlage in engem Zusammenhang mit der geplanten Provinzialisierung Germaniens stand.

Die Stadt blieb aber unfertig, wie weite unbebaute Areale zeigen. Dabei lässt die Fundsituation – es wurden unter anderem eine Vielzahl kleiner Bruchstücke einer vergoldeten lebensgroßen Reiterstatue gefunden, die vermutlich zerschlagen worden ist – die Annahme zu, dass die Stadt niedergebrannt und geplündert wurde. Spuren von Kämpfen sind derzeit jedoch nicht belegt.

Die jüngsten Herausgeber des von Claudius Ptolemäus überlieferten „Atlas der Oikumene“ schlugen vor, in dem Fundort das Mattiacum des Ptolemäus zu erkennen. Diese Zuweisung stieß auf Widerspruch seitens der Ausgräber.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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