Woanders gelesen: Deutschland verblödet

Zugegeben, keine sehr originelle Überschrift,  aber so in etwa ist dieser Artikel von Reinhard Mohr auf Welt-Online zu verstehen.
Man ist geneigt, das unbedingt zu glauben, wenn man hin und wieder das tagtäglich Gesprochene und Geschriebene in den sogenannten Qualitätsmedien verfolgt. Nicht dass da einen die Dummheit der Formulierung und der Gedanken direkt anspringen, es ist eher die Chuzpe und Unverschämtheit, mit der versucht versucht wird, das Publikum zu manipulieren und dumm zu verkaufen. Wenn es nur der politischen Korrektheit entspricht, möchte man dazu fügen.
Nur, das Ganze fällt inzwischen auf äußerst „fruchtbaren“ Boden.
Auf Manipulation und Desinformation fallen ungebildete Zeitgenossen leichter herein, als ein wacher Geist mit einigermaßen solider Allgemeinbildung, vor allem bezüglich geschichtlicher Fakten und mit hinreichender sprachlicher Bildung. Der genannte Artikel hebt überwiegend auf historisches Wissen ab und der Verfasser stellt unserer nachwachsenden Generation  – und unserem Schulwesen – hier ein denkbar schlechtes Zeugnis aus.
Manchmal möchte man so etwas gar nicht für bare Münze nehmen in der eigenen reaktionären Abgeschiedenheit. Aber selbst erlebte Vorfälle öffnen dann schon die Augen endgültig.

Ein befreundeter Hochschullehrer beklagte schon lange Zeit und anhaltend den erschreckenden Mangel an Allgemeinbildung und mangelndem Textverständnis, mithin mangelnde sprachliche Fertigkeiten, bei seinen Studenten und Seminaristen; alle mit bundesdeutscher Hochschulreife ausgestattet.
Bei einer kleinen Semester-Abschlussbegegung mit „Barbecue“ auf seinem Anwesen konnte ich dabei sein und hierbei die nächsten künftigen Bachelor und Master seiner geisteswissenschaftlichen Disziplin kennenlernen. So wie sich heute die Geschlechterverteilung in bestimmten akademischen Disziplinen zeigt, 2 Herren und 8 Damen.
Aus lockerem „Small Talk“ heraus kommen der Professor und ich auf geschichtliche Themen und er fragt so nebenbei, wann denn der 30-jährige Krieg stattgefunden habe (Später gesteht er mir, er wäre eher geneigt gewesen zu fragen, wie lange denn der dauerte). Also, die Frage weckte Erstaunen, bis sich ein forscher Kandidat herbeiließ und antwortete: „Das war wohl im 19. Jahrhundert“. Zwei der Damen nickten dem Helden zustimmend zu, die anderen Jungakademiker schwiegen und ließen auch keinen Widerspruch erkennen.
Über die Napoleonischen Kriege oder den deutsch-französischen Krieg 1870/71 wollten wir dann doch nicht diskutieren,  oder über die Gründung der Bundesrepublik und dachten, über Kunstepochen zu sprechen, wäre vielleicht weniger intellektuell niederdrückend. Irrtum. Die jungen Herrschaften fühlten sich nun von uns alten Säcken nicht einmal „vorgeführt“, wie man befürchten könnte. Ihr Selbstbewußtsein erschien trotz ihrer Ignoranz unangreifbar.
An dieser Stelle könnte man jetzt in zynischer Deutung den Satz von Davila einfügen:
„In einem Jahrhundert, in dem die öffentlichen Medien unbegrenzte Dummheiten unter die Leute bringen, wird der gebildete Mensch nicht an seinem Wissen erkannt, sondern an seinem Nichtwissen.“
Bei der Nachforschung über die Quellen ihres (Nicht-) Wissens, wurde uns von den Studenten u.a. erklärt, dass z.B. in einem angeblichen Elite-Gymnasium in der nahe liegenden Universitätsstadt im Geschichtsunterricht der Kollegstufe nur der 2. Weltkrieg abgehandelt wurde, und zwar ausschließlich unter moralischen und sittlichen Aspekten. Was „Stalingrad“ für die Deutschen symbolhaft bedeutet, konnte keiner erklären.

Sie glauben es nicht? Ich habe es bis dahin in dieser Härte auch nicht geglaubt. Ich habe es nur geahnt, aber nicht in dieser Relevanz. Vergleichbares hatte ich bisher nur beim Unterricht von Schülern im Fach-(Hoch-)Schulbereich erfahren.

Deutschland wurde einstmals für sein Schul- und Hochschulwesen weltweit bewundert und kopiert. Wir „gebildeten“ Mitteleuropäer oder Angehörige des „Volkes der Dichter und Denker“ sind gern geneigt, auf die ungebildeten Amerikaner mit ihrem ineffizienten Schul- und Ausbildungssystem herabzublicken. Aber uns Deutschen wird ja nachgesagt, dass wir nach unserer “Befreiung“ am schnellsten und effektivsten bereit waren, die Amerikaner zu imitieren. Und die haben nach 1945 nicht nur unsere „Charakterwäsche“, sondern offensichtlich auch den „Gehirnabwasch“ erfolgreich mit Hilfe willfähriger hiesiger Geisteswissenschaftler, Publizisten und Politiker zuwege gebracht.

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Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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