EU-Wahl – Schicksalswahl?

Manchmal hat man den Eindruck, als würden manche Leute, vor allem aus oppositionellen Parteikreisen, diese Wahl oder generell jede Wahl als Schicksalswahl einordnen.

Der Begriff Schicksalswahl, egal ob so verwendet oder nur inhaltlich dazu aufgebauscht, soll ausdrücken, wenn jetzt nicht „richtig“ gewählt wird, fährt der Zug in eine vollkommen andere Richtung.
Dem ist nicht so. Der Zug fährt nur in eine Richtung, ein zurück gibt es „so“ nicht, auch eine andere Weichenstellung ist nicht möglich.
Was kann maximal verändert werden? Ein paar geringfügige Stellschrauben können vielleicht etwas nachjustiert oder deren Neueinstellung etwas verzögert werden. Das war es dann aber auch schon.

Wer von Schicksalswahl oder ähnlichem spricht, macht nichts anderes als mit der Angst auf Stimmenfang zu gehen. Das Mittel ist seit alters her bekannt und dürfte keinen klardenkenden Menschen mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Wenn wir uns vom politischen wegbewegen, dann bieten Wahlen, nicht nur die EU-Wahl, die Möglichkeit ein paar von den Kartellparteigängern aus den warmen, weichgepolsterten Sesseln zu kicken.
Das allein ist doch Grund genug zur Wahl zu gehen. Wenn man dann noch Leute wählt, die für diese Leute der Leibhaftige sind und diese den warmen Sessel einnehmen, dann sind der Schadenfreude doch keine Grenzen gesetzt und recht viel mehr können wir eigentlich nicht erwarten. Ein paar lange Gesichter am Wahlabend und das Aufheulen der getroffenen Hunde.

Bei Wahlen geht es, derzeit, nicht um politische Inhalte, um Parteien die favorisiert oder nicht; wen kann man denn schon favorisieren?, wer ist nicht im Parteiensystem gefangen?, es geht nur darum etwas Unruhe in den Hühnerhaufen zu bekommen. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Lasst uns also am Sonntag etwas Unruhe in den Saustall bringen und freuen wir uns über die langen Gesichter der Parteivorsitzenden der Systemparteien.

Ach ja, in der Ukraine soll ja auch gewählt werden, natürlich ist auch diese Wahl keine Schicksalswahl. Das Schicksal wird derzeit auf dem „Schlachtfeld“ entschieden.
Was soll eine Wahl bringen, bei der von vornherein bestimmte Wahlmöglichkeiten nicht zur Wahl gestellt werden dürfen? Nichts.
Aber in der BRD und in der EU ist das ja viel anders, nicht wahr. In den Vereinigten Staaten sowieso, die sich nicht besonders stark von Einparteiensystemen unterscheiden, da nur zwischen 2 Parteien „gewählt“ werden kann, Demokraten oder Republikaner.
Seien wir uns ehrlich, es gibt im Prinzip immer nur eine Partei zur Wahl, was nicht ins Konzept passt wird oder ist bereits verboten.
Wer entscheidet was verboten wird, vordergründig natürlich, die Parteien, die sich des Staates bemächtigt haben.

Was ist Demokratie? Die Erlaubnis zwischen, „von Oben“, erlaubten Möglichkeiten zu wählen.

 

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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