Hávamál – Runenzauber

Siegrunen grabe, begehrst du den Sieg,
und schneid sie ins Heft deines Hiebers,
Ritze sie wissend auf Rücken und Blatt
und rufe an zweimal den Ziu.

Aelrunen lern, daß kein listiges Weib
mit Gift dein Vertrauen betrüge,
Ritze aufs Horn sie, den Rücken der Hand
und schreibe ein „Not“ auf den Nage.

Gebärrunen kenne zur Bergung des Kinds
und Lösung vom Mutterleibe,
Um Hand und Gelenkt mal Heilszeichen ihm
und bitte um Beistand die Disen.

Sturmrunen lerne, zu stillen die See
und sicher zu bergen den Segler,
Sturmrunen präg in die Riemen und Brand
und zeichne auch Steven und Steuer:
Wie schwarz auch die Woge, wie steil auch der Schwall,
heim findest und heil du vom Meere.

Astrunen lerne, wenn Arzt du willst sein
und wissen, wie Wunden zu pflegen;
Die ritze auf Rinde und Blätter des Baums,
des Äste nach Osten sich neigen.

Rechtsrunen lern, daß mit Zornrede nie
dein Gegner dir Schaden vergelte;
Umwickle den Zwist, umwebe den Streit
und setze die Stäbe zusammen,
Bis zum Tag des Gerichts, wenn von weither ringsum
das Volk sich vereint zur Versammlung.

Dichtrunen kenne, willst klügeren Haupts
als alle die andern du werden,
von Wodan geschaffen, von Wodan geschnitzt,
der auch ihre Deutung erdachte,
Berauscht von dem Tranke, der einstens entrann
aus Mimes Gehirne und Horne.

Das sind die Astrunen, sind die Gebärrunen,
die Aelrunen sind´s voller Stärke.
Und wer sie erkannt, nicht verwirrt noch verdorben,
Der nehm sie zu Nutz, bis die Götterwelt bricht!

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Hávamál - Sprüche des Hohen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.