Hávamál – Mime und Wodan

Auf dem Berge stand Wodan mit blinkendem Schwert
und hatte den Helm auf dem Haupte,
Da murmelte Weisheit des Mime Mund,
er raunte ihm Runen der Wahrheit:

Die Runen, so sprach er, sie seien geritzt
Auf dem Schild, der da steht vor der schimmernden Sonne,
Auf Frühwachs Ohren und Vielgeschwinds Huf,
Auf dem Rad, das sich dreht unter Donnerers Wagen,
Auf Schleifners Gebiß, auf den Kufen des Schlittens,
Auf der Pranke des Bären, der Zunge des Dichters,
Den Klauen des Wolfes, den Krallen des Aar,
Auf blutigem Schwert, auf der Brücke Geländer,
Auf helfender Hand und auf heilendem Fuß,
Auf Glas und auf Gold zum Glücke der Menschen,
In Würze und Wein, auf dem Hochsitz des Herren,
Auf Speeres Spitze, auf Rosses Rücken,
Auf der Nachteule Schnabel, dem Nagel der Norn,

So schnitt sie erst Wodan, dann schabt er sie ab
und mischte mit heiligem Met sie
und ward sie auf weite Wege:
Die zu den Asen und die zu den Alben
und manche zu weisen Wanen
und manche zum Volke der Menschen.

Verstehe die Runen und rate die Stäbe,
Die stärksten Stäbe, beständigsten Stäbe
die Urdichter dachten,
die Urgötter gruben,
und der Gott aller Götter gefärbt hat.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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