Antiamerikanismus

Antiamerikanismus wird Linken ebenso vorgeworfen, wie Rechten, dazwischen oder anderes gibt es für politische Schubladendenker nicht.
Wenn man „antiamerikanisch“ ist, gehört man entweder der einen oder anderen Spezies an, so sagt man zumindest in deutschen Gefilden, anderswo kommen noch Islamisten, Terroristen und manch andere, vielleicht derzeit noch nicht „entdeckte“, Feinde Amerikas und der (amerikanischen Spielart der) Freiheit ganz allgemein hinzu.
Antiamerikaner ist jeder, der die USA und deren Polit- und Wirtschaftsgebaren ernsthaft kritisiert, es ist nicht notwendig ein Feind, im wahrsten Sinne des Wortes, der USA zu sein.

Antiamerikanismus und Antisemitismus der neueren Prägung, haben eines gemeinsam. Jegliche ernsthafte Kritik am Vorgehen des amerikanischen oder israelischen Staates wird mit dem Prädikat „Anti“ belegt  und unterstellt dem Antiamerikaner oder –semiten Feindschaft gegen jeden Amerikaner oder Juden.
Da tut man sich doch gleich viel leichter mit dem Bekämpfen der „Feinde“ und braucht sich auch nicht großartig mit der unbequemen und oftmals sehr berechtigten Kritik auseinanderzusetzen.

Zufällig fand ich eine Panoramasendung, die unter dem Titel „Geheimer Krieg“ auf YouTube zu finden ist.
In dieser Reportage geht es um die Totalüberwachung durch die NSA und andere westliche Geheimdienste, den Drohnenkrieg, die Unterstützung desselben durch die Regierung des Vasallenstaates BRD, die Entführung von Menschen mit Hilfe privater „Dienstleister“ im Auftrage der Regierung der Vereinigten Staaten und anderes mehr.

Diese Anmaßungen und Missachtungen jeglichen Völkerrechts durch den Staat, der sich als Befreier der Welt geriert und sich jegliches Recht herausnimmt, ist so neu nicht, es steht vielmehr in bester Tradition.
Wir Deutsche brauchen nur mal einige Jahrzehnte zurückblicken unser Land und Volk war vollkommen entrechtet und der Willkür der Siegermächte ausgeliefert.
Wer machte die vollkommene, „freiwillige“ Entrechtung zur Bedingung für einen Frieden?
Der Krieg war verloren, die Sieger, darunter die tonangebende Macht USA, schalteten in unserem Land wie sie wollten und jeder Deutsche, jede Art von Eigentum, kurzum alles, war den neuen Herren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
Sie entschieden wer Verbrecher war und wer nicht, wer enteignet wurde und wer nicht, wer sich politisch betätigen durfte und wer nicht.
Dieser Zustand reicht bis in die heutige Zeit hinein, die Siegermacht hält den Daumen immer noch fest drauf.
Aber nicht nur uns Deutschen war dieses Schicksal beschieden, beispielwese musste auch Finnland bedingungslos kapitulierten und die Sieger schalteten und walteten wie es ihnen opportun erschien.
In Finnland gab es keinen Hitler, nur die berechtigte Notwehr gegen den aggressiven Bolschewismus, ein Zeichen dafür, dass es nicht notwendigerweise eines Hitlers; dessen Regime bekämpft und vernichtet werden musste, so die heutige Aussage der Siegermacht; bedurfte, um geknechtet und kriminalisiert zu werden.
Finnische Staatsbürger wurden mit Hilfe des finnischen Staates an fremde Mächte ausgeliefert, ohne, dass ihnen Verbrechen zur Last gelegt wurden oder werden konnten. Sehr viele von ihnen verschwanden für Jahre in Lagern des Arbeiter- und Bauernparadieses,  viele mussten ihr Leben lassen.
Der Finne Unto Parvilahti beschrieb in seinem Buch „In Berias Gärten“ seine Erlebnisse aus dieser Zeit.

In eben dieser Zeit war auch noch der Plan auf dem Tisch, dass deutsche Männer nicht nur in Stalins Arbeiter- und Bauerparadies Sklavenarbeit leisten sollten, sondern auch die Westmächte, allen voran die Franzmänner, wollten deutsche Arbeitssklaven.  Wiedergutmachung nannte man dies, die Kriegsschuldfrage war geklärt, in Versailles wurde die Vorlage zur Beantwortung dieser Frage geschaffen, nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 wollte man die Fehler, die in und nach Versailles begangen wurden, nicht mehr wiederholen.
In der Nachkriegszeit wurden deutsche Männer unter fadenscheinigen Gründen verhaftet und abgeurteilt. Anspruch auf rechtsstaatliche Verfahren wurde nicht gewährt.
Hier kann ich mit einem Beispiel aus meiner Familie aufwarten. Mein Vater wurde damals zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, er saß bereits einige Wochen in Haft und wartete auf den Abtransport, er hatte Glück, wie viele seiner Leidensgenossen auch, der Wind drehte sich und deutsche Männer wurden als Kanonenfutter für die neuen Herren interessant.
Er wurde „begnadigt“, die gesamte Versklavungsaktion wurde eingestellt.
Der Grund wieso er diese hohe Haftstrafe erhielt, war nicht etwa irgendein kriminelles Delikt, weder Mord noch Totschlag, auch kein Angriff oder Aufbegehren gegen Besatzungsorgane, auch wurde er nicht er als Nazi- oder Kriegsverbrecher verurteilt, dieses Verfahren, auch Entnazifizierung genannt, war bereits abgeschlossen.
Nein, er weigerte sich schlicht und ergreifend Namen von Jagdkameraden zu nennen, die sich das kärgliche Mahl durch etwas Wildbret aufzubessern versuchten und noch Jagdwaffen besaßen, auf den Besitz dieser Waffen stand damals die Todesstrafe, Ausnahmegenehmigungen wurden nur sehr restriktiv erteilt. Unmengen wertvoller deutscher Jagdwaffen verschwanden damals auf Nimmerwiedersehen in den USA.
Die Deutschen waren der Siegerwillkür schutzlos ausgeliefert. Es gab nicht eine Schutzbedingung im Zuge der Kapitulation, nichts, die Deutschen waren bedingungslos unterworfen und dies wurde weidlich ausgenützt.
Wie kann ein einigermaßen ordentliches Rechtssystem eine bedingungslose Unterwerfung anerkennen oder auch nur beinhalten?

Was hat dies aber mit o. g. Filmbeitrag von PANORAMA zu tun? Sehr viel. Heute sind die Rechtlosen in anderen Teilen der Welt zu suchen.
Deren Leben ist keinen Pfifferling wert und wer das Pech hat zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, hat eben Pech gehabt.
Staatliche Souveränität und ähnliches ist nur hinderlicher Kram und gilt nur bei berechtigtem Eigeninteresse, des sich zum Beherrscher der Welt aufgeschwungenen Herrenstaates NR. 1, den USA.
Wenn es heute Menschen „erwischt“, dann sind es häufig Moslems und die Propaganda tut ihr übriges, damit kein allzu großes Verständnis oder gar Solidarität mit diesen „Terroristen“ aufkommt und wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Nicht wahr?
Über unschuldige Ermordete oder zivile Opfer braucht man sich darum auch keine allzu großen Gedanken zu machen.

Wenn ihr wieder dergleichen Berichte hört, denkt daran, vor einigen Jahrzehnten waren unsere Großeltern, unsere Eltern eben jene „Terroristenbrut“ vor denen man die Welt schützen musste und von denen man nicht viele genug umbringen konnte. Auch sie erhielten keine Möglichkeit sich vor ordentlichen Gerichten zu verteidigen. Urteile wurden gefällt und ausgeführt. Heute kräht fast kein Hahn mehr danach, jahrzehntelange Propaganda tut ihr übriges.

Um noch einmal zum Thema „Antiamerikanismus“ zurückzukommen, so kann ich von mir eines sagen:

„Ich bin ein Antiamerikaner“

Einer von der Art, der die Art und Weise wie die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika mit anderen Völkern umgehen, auf das Schärfste kritisiert und sich auf den Tag freut, an dem ich sagen kann, unser Land ist amifrei und sie sind dort, wo sie hingehören, in den USA.
Als Gäste und Touristen willkommen, als Besatzer und Regenten sind sie unerwünscht.
Nicht der einzelne Amerikaner ist mein „Feind“, ganz im Gegenteil, der ist ein ebenso armer Wurm wie wir auch und muss sich ebenso gefallen lassen, was seine Regierung über ihn entscheidet.  Er hat nicht mehr zu sagen, nicht mehr zu verantworten, als wir auch.
Weder seine, noch unsere Meinung zählt. Wir haben in begrenztem Rahmen Meinungsfreiheit, der Ami noch mehr als wir, aaaber auch seine Meinung wird nicht gehört, findet keinen Eingang in die Entscheidungen seiner Regierung.
Meine Antipathie gehört voll und ganz den Regierungen der USA und deren Hintermännern und Leithammel.

Wieso Antiamerikaner und nicht Antirusse oder Antichinese? Ganz einfach, so etwas gibt es nicht, das darf man sein, in der DDR durfte man kein Antirusse sein, leuchtet auch ein, oder. Anti ist man bei uns nur gegen die Betreiber der Neuen Weltordnung, sowie deren Lakaien oder ausgesandten Zersetzer sein. Im Bereich der Zersetzer wird wird gerne auch das Anhängsel „phob“ verwendet.
Wer also „anti“ und/oder „phob“ ist, hat damit zu rechnen, dass er eines Tages zur Rechenschaft gezogen wird, die gesetzlichen Grundlagen hierfür existieren bereits und weitergehende werden gerade vorbereitet.
Je nach den Umständen kann dann auch mal eine Drohne ein Ei legen oder im Zuge von Demonstrationen könnte man mittels eines gezielten Schusses aus der Menge entfernt werden.
Die EU-Gesetzgebung erlaubt dies. Heute fertigt Obama mit Hilfe von Geheimdienstberichten und Bildchen, sog. Kill-Listen an und wird morgen ähnliches von Merkel und Co. vorgenommen?
Was sind das für Staaten, die politische Morde anordnen? Muss man da nicht „Anti“ sein?
Müssen nicht  wenigstens ein paar Deutsche, egal ob links, rechts oder sonstwo zu verorten, gegen Praktiken dieser Art Einspruch einlegen, die Stirn bieten?
Von der politischen Kaste ist in dieser Richtung nichts zu erwarten, also müssen wir es tun.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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