Edathy: Da waren´s nur noch …

Es wäre schon wenn man von „nur noch“ sprechen könnte, es sind immer noch allzuviele. Es ist wie mit dem Kopf der Hydra, schlägt man einen ab, wachsen zwei nach. Es wäre eine wahre Herkulesaufgabe damit fertigzuwerden. Wo ist Herkules?
Ich will den Versuch einer Antwort geben: Er schlummert in uns.

So wie eine Schwalbe keinen Sommer macht, so verursacht das Verschwinden des SPD-Saubermannes und couragierten Kämpfers gegen Rechts kein noch so kleines Risslein in das gewaltige Bollwerk des Parteienstaates.

Das Zusammenwirken der politischen Eliten dieses Landes, sowie das etwas seltsame Verhalten der Staatsanwaltschaft, die dem Verdächtigen alle Zeit der Welt ließ evtl. Spuren und Beweise zu vernichten oder zumindest zu verwischen, zeigen die enge Verzahnung von der sog. Gewalten, die ja geteilt sein sollen, auf.
Von Persönlichkeitsrechten des Verdächtigen wird gesprochen, ähnliches war auch bei der Schwarzer zu hören.
In solchen Fällen steht das Persönlichkeitsrecht ganz oben auf der Agenda, ganz anders, wenn es sich um beispielsweise um Rechte handelt oder um Steuerhinterzieher die NICHT diesem Klüngel angehören.
Was wäre wohl, wenn bei einem geistlichen Würdenträger ähnliches gefunden worden wäre?

Im Falle des Bischofs Mixa reichte eine Watschn; die vor einigen Jahrzehnten verabreicht wurde, sehr wahrscheinlich auch zu recht; aus, um den bekennenden und aktiven Abtreibungsgegner und Familienfreund aus Amt und Würden zu jagen.

Wie üblich, wird mit zweierlei Maß gemessen, auch Staatsanwälte und Richter wollen befördert werden und wer würde es sich schon gerne mit den Herrschern verderben, die die notwendige Macht haben zu fördern oder zu blockieren.
Herrscher sind in diesem Fall die etablierten Parteien, diese haben den Staat in ihren Händen und verteilen Posten und Pöstchen. Wer gegen den Strom schwimmt, geht unter, kommt in den Keller, in die Registratur verstaubt und wird vergessen.
Dabei fällt mir gerade ein Vorfall aus Berlin ein, ich weiß den Namen nicht mehr und auch nicht, ob es sich um einen Staatsanwalt oder hochrangigen Polizisten handelte, ich tendiere zu Letzterem. Dieser Beamte war für die Intensivtäter verantwortlich und brachte einige, für die Politkaste, unangenehme Details an die Öffentlichkeit. Er wurde kurzerhand abgezogen und Ruhe war im Karton. Im Netz gab es ein kurzes Rauschen und die Sache wurde abgehakt.
Wer denkt heute noch an Kirsten Heisig?

Über die BRD kann man vieles sagen und schreiben, aber eines ganz sicher nicht, dass es eine funktionierende Gewaltenteilung gäbe. Vielmehr haben wir ein gut funktionierendes System von Gewaltenverschränkung. Oben stehen die Parteien, von dort aus verzweigt sich das dichte Netz von Gefolgsleuten in alle Bereiche dieses Staates, unseres Gemeinwesens. Das geht hinunter bis auf die Ebene von Haus- und Bademeistern und Putzfrauen.
So wurde und wird dieser Reststaat von Parteigefolgsleuten durchsetzt. Dies ist wahrlich keine Erfindung der Bonner oder Berliner Republik.
Seit die Parteien ihren Siegeszug antraten, sich zu den alleinigen Volksvertretern aufschwangen, sich anmaßten einzig das Recht auf die Ausübung der Staatsgewalt zu haben, seitdem wird durch die Institutionen marschiert.
Parteien wollen keinen Gott neben sich haben, ihrer ist die Macht, sprechen sie einhellig im Chor.

Was es zum Fall Edathy noch zu sagen gibt? Nicht viel. Außer, dass es traurig ist, dass Kerle wie er, durch unpolitische Vergehen aus dem Amt gejagt oder entfernt werden. Den Schaden den sie in ihren Ämtern anrichten oder die Verfehlungen die sie begehen, ist/sind um ein Vielfaches größer, als der den/die sie in ihrem Privatleben anrichten/begehen.

Das Thema ist unappetitlich und eine Sauerei deswegen will ich mich gar nicht darauf einlassen ABER was diese Kerle, gerade auch in dieser Beziehung, staatlicherseits auf den Weg bringen und somit allgemein verpflichtend wird, ist eine wesentlich größere Sauerei, als das was sie in seinem stillen Kämmerlein begehen.

Nachtrag:
Kaum habe ich obiges geschrieben, war´s schon wieder einer weniger. Da waren´s nur noch. Immer noch zuviel.

Merkel handelt schnell und unerbittlich, wenn es um ihren Machterhalt geht. Es könnte ja sonst die Frage aufkommen, mit welchen Leuten umgibt sich die Chefin, die doch für ihre MItarbeiter und nichts anderes sind Minister, verantwortlich zeichnet.
Es wäre natürlich auch eine berechtigte Frage, was wusste Merkel von der Angelegenheit, wann hat sie davon erfahren, von wem wurde sie informiert?
Ich gehe mal davon aus, dass der Breznsalzer Friedrich seine Chefin pflichtschuldigst informierte. Oder hat er Gabriel informiert aber seine Chefin nicht? Kaum zu glauben. Was wusste Seehofer?

Aber was soll´s. Wir wissen ja, für´s zahlende Publikum, das sind wir das Wahlvolk, wird ein ordentliches Theater aufgeführt, da wird gestritten und geschimpft, das man meinte, ganz wär´s aus. Hinter der Kulisse aber sitzen sie zusammen, karteln die Sache aus, schieben sich Informationen zu und sind beste Freunde, zumindest solange, bis sich die Gelegenheit bietet Gift ins Getränk zu mischen oder den Dolch in den Rücken des Freundes zu stoßen. Man ist sich ja schließlich immer selbst der Nächste und muss schauen, wo man bleibt.

Hin und wieder kommt mal was auf, dann sind alle ganz empört und tun so, als ob dies die Ausnahme wäre und die Regel der ehrliche Wettstreit zwischen den besten Ideen usw. bla, bla, bla.
Aaaaber, es ist umgekehrt, diese scheinbare oder angenommene Ausnahme ist die Regel und die scheinbare oder angenommene Regel ist die Ausnahme.

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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3 Antworten zu Edathy: Da waren´s nur noch …

  1. Pingback: Der Fall Friedrich: Wenn die Exkutive die Judikative übernimmt… | rundertischdgf

  2. rundertischdgf schreibt:

    Wenn die Exekutive die Judikative übernimmt, dann haben wir es mit einem Bananenstaat zu tun.
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2014/02/15/der-fall-friedrich-wenn-die-exkutive-die-judikative-ubernimmt/ Ein lesenswerter Aufsatz von Gerhard Bauer.

  3. ebre schreibt:

    Es ist gut und entspricht dem was viele frustrierte Bürger denken, aber hier haben wir schon das Problem,sie denken es nur und werden noch frustrierter.
    Liebe frustrierte Mitbürger wehrt euch schreit euren Frust hinaus,dass es von unseren selbstverliebten und volksverdummenden Politiker vernommen wird.
    Und zeigt bei Wahlen endlich was ihr von dieser verkommenen Kaste haltet
    Probierts mal mit der AfD!

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