Hávamál – Vom Schenken

So gütig und gastfrei wohl gibt’s keinen Mann,
der selbst nicht gern Gabe empfänge,
So achtlos vergab noch kein Eigner sein Gut,
daß leid ihm ein Lohn darum wäre.

Gütig und gabenfroh lebt es sich leicht,
denn solchen Mann sucht nicht Sorge;
Der Geizhals jedoch kommt zu keinem Genuß,
der kleinmütig kargt mit sich selber.

Die Gabe braucht nicht groß zu sein,
oft kauft man sich Dank mit der kleinsten;
Mit halbleerem Becher und trockenem Brot
erfocht ich manch guten Gefährten.

Von eigenem Reichtum, den einer erwarb,
Hab niemals er Scheu zu verschenken;
Spart Leid´gen sonst, was er Lieben gedacht,
denn anders meist kommt´s als man ahnte.

Mit schimmernder Waffe und schönem Gewand,
erfreue oft einen andern,
Denn Geben und Nehmen die Freundschaft nährt,
wenn sonst nichts entgegen ihr steht.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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Eine Antwort zu Hávamál – Vom Schenken

  1. Augustus schreibt:

    Servus nochmal!

    Das ist wahr. Freundschaft muss man pflegen, sie ist mehr wert als materielle Güter. Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist „Schenkerei“ natürlich widersinnig, vor allem wenn die Gegeseite sich dadurch verpflichtet sieht etwas gleichwertiges als Gegenleistung zu erbringen. Dem sittlichen Menschen ist allerdings klar, daß es sich dabei um mehr geht und auch um weit mehr als eine Geste. Tiefe Zuneigung, Respekt, und Liebe sind nur einige Punkte die hier mitspielen. Vor allem muss das Geschenk aufrichtig ein Geschenk sein, ohne jede Intention.

    Beste Grüße

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