Woanders gelesen: Von Arendt bis Zitelmann

 

Gefährliche oder anstössige Autoren und Lektüre

 

Ich habe eine nicht unbeträchtliche Büchersammlung, die über mehrere Räume im Haus verteilt ist. In der Bücherwand meines Arbeitszimmers ist das zu finden, was ich gerne rasch an der Hand haben möchte: Nachschlagewerke, Fachliteratur (Medizin, Psychologie, Naturwissenschaften) und „Politisches“.

 

Ist es ein unbewusster Reflex gewesen, der mich dazu brachte, ausgerechnet in der Mehrzahl „Unkorrektes“ direkt in den Blickbereich eines Betrachters meiner Sammlung zu stellen? Der braucht nur die Hand auszustrecken und schon berührt er Ernst Noltes „Der europäische Bürgerkrieg 1917 – 1945“, daneben gleich die Bücher von Konrad Löw über die „deutsche Schuld“ oder Schultze-Rhonhofs „1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte“. Alles Geschichtsrevisionstische Literatur, gefährlich Relativierendes, gegen den bundesdeutschen Konsens der zweifelsfreien deutschen Schuldposition verstoßend. Harmlos sind dabei eher die Bücher von Christopher Clark über Preußen und über den Ausbruch des ersten Weltkriegs, die oberhalb eingestellt sind. Dazwischen wieder Gefährlicheres: Bücher der Edition Antaios, unter anderem die Kaplaken-Reihe mit rechter und „neurechter“ Literatur. Armin Mohler, Günter Zehm, der Pankraz der JF und das „Staatspolitische Handbuch“..

 

Ist Oswald Spengler unbedenklich? Gilt er doch „zum einen als „Meisterdenker der konservativen Revolution“, zum anderen als geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus“ (laut Wikipedia)?
Was ist mit Ernst Jünger? Was hat in diesen herrlichen Zeiten der Freiheit und Friedfertigkeit „Der Waldgang“ im persönlichen Präsenzbestand zu suchen?

 

Da ist in meinem Bücherschrank noch vieles mehr zu finden, das, wenn nicht gefährlich, doch anstößig, wenigstens „bedenklich“ ist.

 

Ich will hier keinen Katalog meiner Büchersammlung veröffentlichen, keinen „Kanon“ erstellen, jedoch gerne einmal einigen Autoren und deren Werken nachgehen, welche der wackere Kämpfer gegen Rechts, der Aktivist gegen Faschismus vielleicht nur zu „Forschungszwecken“ oder aber, um sich wieder mal in einer Anwandlung von Masochismus „ekeln“ zu können, in die Hand nimmt.

 

Die Rechte nimmt dem Antifanten mit folgendem Werk die Suche nach anstößigen Autoren schon mal ab: „Statspolitisches Handbuch“, Band 2: „Schlüsselwerke“ und Band 3: „Vordenker“ aus dem Verlag Antaios (siehe auch „Institut für Staatspolitik“).
Hier sind sie alle aufgelistet, auf die sich die alte und neue „Rechte“ ideologisch und literarisch berufen möchte: von Hannah Arendt bis Rainer Zitelmann.
In der nachfolgenden Aufstellung erscheinen demnach einige Namen daraus – als „Vordenker“ und Verfasser der „Schlüsselwerke“ (VD und SW), dazu andere, die als nicht minder „gefährlich“ anzusehen sind.

 

Der wertende Abgleich ist in großen Teilen bequemlichkeits-halber wieder nach Wikipedia (WP) erfolgt.

 

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird die Aufstellung in mehreren Teilen veröffentlicht.

 

 

 

Arendt, Hannah – Philosophin, politische Denkerin – Jürgen Habermas nahm Hannah Arendt in seine philosophisch-politischen Profile bedeutender Autoren des 20. Jahrhunderts auf und so bleibt die Frage, was die Rechte an ihr finden könne. Sehen wir, was ihr die Linke nicht verzeihen wird und als Flecken auf der hellen Weste angesehen wird: Ihre Ablehnung einer Kollektivschuld, die angebliche „Verahamlosung“ von Gestalten wie Eichmann (Eichmann in Jerusalem – ein Bericht von der Banalität des Bösen) und – natürlich – ihre enge, anhaltende Beziehung zu Martin Heidegger. (SW)

 

Baader, Roland – Volkswirt, Publizist –  klassischer Libertärer in der Nachfolge von Ludwig Mises und Friedrich. A. Hayek. Baader verband in seinen Schriften den Liberalismus mit dem Christentum. So bezeichnete er den Dekalog als Verfassung der Freiheit, der mit dem Sozialismus unvereinbar sei, da der Sozialismus gegen die meisten Gebote verstoße, wie etwa gegen das Diebstahlsverbot. Scharfsinniger Polemiker gegen die rotgrünen Raubritter, den Samtpfotensozialismus des Wohlfahrtsstaates, „Münte, Marx und Murks“, die Euro-Katastrophe und das verhängnisvolle „fiat money“-Prinzip. Wegen „Totgedacht – Warum Intellektuelle unser Welt zerstören“ gehört er eigentlich auf den Index der Zeitgeistintellektuellen, seine Schrift „Die Euro-Katastrophe“ stempelt ihn eigentlich zum „Populisten“ oder schlimmer.

 

Boveri, Margret – Journalistin –Trat teilweise durch nationalsozialistisch geprägte Presseartikel hervor. Nach Kriegsende setzte sie sich vor allem für die Wiedervereinigung Deutschlands“ (WP). Alles klar! Wie kann man denn: Wiedervereinigung!? NS-Nähe!?
In ihrem Hauptwerk „Der Verrat im 20. Jahrhundert“ skizziert sie die „Landschaft des Verrats im Weltbürgerkrieg“, bedingt durch den Zerfall der religiös begründeten Treuepflicht gegenüber Fürst und Staat und durch den Aufstieg neuartiger Ideologien.
Der Satz von ihr: „Die USA dünken sich etwas besseres, demokratischer, fortschrittlicher und freiheitlicher; aber sie sind es nicht. Wer sie nicht für die beste aller Nationen hält, berufen, anderen den Segen des Fortschritts zu bringen, den machen sie nieder.“ ist  sicher nicht im Sinn der herrschenden bundesdeutschen Meinungswelt. (VD)

 

Creveld, Martin van – israelischer Militärhistoriker – Anstößig mit: „Die Zukunft des Krieges“ und „Kampfkraft. Miltärische Organisation und Leistung 1939-1945“. In letzterem versündigt sich Creveld gegen den Geist der „Wehrmachtsausstellung – Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht“ von Jan P. Reemtsma.
„Seine Thesen (finden) auch Anklang in rechtskonservativen Medien wie der Zeitschrift Sezession und der Wochenzeitung junge Freiheit, die er auch öffentlich politisch unterstützt“ (WP).
Mit „Frauen und Krieg“ und „Das bevorzugte Geschlecht“ stach Creveld ins feministische Wespennest und musst auch mit dem Verlust einer Professur (Trier) bezahlen. (SW)

 

Czernin, Rudolf Graf – Privatgelehrter, Publizist – schon dass sein Buch „Das Ende der Tabus“, im „rechtsextremen“ Stocker-Verlag erschienen ist, macht es „interessant“. In einer Buchrezension heißt es: „Unter Berufung auf Historiker wie Ernst Nolte, Werner Maser und David Irving unterzieht er vieles, was bislang als Lehrmeinung galt oder gilt, einer Revision, relativiert die Judenverfolgung und -vernichtung und verweist auf die Verbrechen der Sieger und ehemaligen Kriegsgegner.“ Schlimm, schlimm…

 

Diwald, Hellmut – Historiker – laut WP, einer der bekanntesten Vertreter der neuen Rechten. An sein Hauptwerk „Geschichte der Deutschen“ schieden sich denn auch die Geister. „Für Claus Leggewie war Diwald ein „revisionistischer Historiker der ersten Stunde“. … Golo Mann bezeichnete das Werk Diwalds, welches „Alt- und Neonazis mit Freude einschlürfen“ würden, als revisionistisch.“. (WP).
Der Satz „Die Geschichtsforschung legt sich selbst den Strick um den Hals, wenn sie Schuldbekenntnisse vor die Überprüfung historischer Fakten stellt“ ist in der Tat wirklich „unerhört“.
(SW, VD)

 

Eibl-Eibesfeldt, Irenäus – Ethologe – Wenn man schon so einen Vornamen und solchen Beruf hat, muss es den linken Denker anrühren. So finden denn die modernen Aufklärer nichts Bedenkens- oder Achtenswertes, sondern nur Abzulehnendes im Werk von Eibl-Eibesfeldt. Den modernen Sozialwissenschaftler muss demnach auch ein Werk wie „Die Biologie des menschlichen Verhaltens“ nicht nur abstossend. E-E. postulierte, dass die verschiedenen Ethnien nicht nur das Recht, sondern auch die Verpflichtung haben, ihre eigene Existenz abzusichern.
WP: „Eibl-Eibesfeldts Überzeugung, Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung an Tieren ließen sich teilweise auf die Menschen übertragen und es gebe eine dem Menschen angeborene „Fremdenfurcht“ (stehen) im Mittelpunkt der Kritik. Der Spiegel bezeichnete 1989 Eibl-Eibesfeldt Thesen von der den Menschen angeborenen „Fremdenfurcht“ als „chauvinistisch“. Wie seinem „väterlichen Freund Konrad Lorenz“ wird ihm vorgeworfen, anthropologische Begründungen für gesellschaftlich bedingte Verhaltensweisen und einen biologischen Reduktionismus zu vertreten“. Die Nazi-Rassentheorien lassen grüßen!?
(VD, SW)

 

Eysenck, Hans Jürgen – Psychologe – schärfster Kritiker der freudschen Psychoanalyse (Sigmund Freud – Niedergang und Ende der Psychoanalyse und Wege und Abwege der Psychologie). Stellte die moderne Psychologie auf eine empirische und den Naturwissenschaften gemäße Basis und trägt damit immer noch dazu bei, die herrschende spekulativ-geisteswissenschaftliche Orientierung der Psychologie zu überwinden. Er vermittelt ein realistisches Bild vom Menschen und der Gesellschaft durch Betonung der genetischen Grundlagen von Begabung und Persönlichkeit. Hassgestalt linker Ideologen und utopistischer Wissenschaftsträumer in der Psychologie und zugehöriger Publizistik.
(VD)

 

Fernau, Joachim – Schriftsteller – Schon so ein Titel wie „Deutschland, Deutschland über alles“ muss Verdacht erwecken. Von vornherein verdächtig, da einstmals Kriegsberichterstatter bei der Waffen-SS. „Publizistische Aufmerksamkeit kommt dem Verfasser heute nur mehr so gut wie ausschließlich vom rechten Rand des politischen Spektrums zu“ (WP). Sein Buch „Halleluja – Die Geschichte der USA“ gilt als Standardwerk des typischen, schädlichen, deutschen, rechten Anti-Amerikanismus des 20. Jahrhunderts (weltweit?).
(VD)

 

Finkelstein, Norman – Politikwissenschaftler – Er erlaubte sich, Daniel Goldhagen („Hitlers willige Vollstrecker“) zahlreiche Fehler und mutwillige Verfälschungen in seinem Buch nachzuweisen. Damit schon hatte er es bei den bundesdeutschen Konsens-Intellektuellen und -Medien verschissen. Er erlaubte sich, in seinem Buch „Die Holocaust-Industrie – Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird“, den Satz des langjährigen israelischen Außenministers Abba Eban,  „There´s no business likeShoah-Business“, faktenreich zu vertiefen. Nicht gefallen hat natürlich auch sein Buch „Antisemitismus als politische Waffe – Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte“. Mehr muss man nicht dazu sagen, die Titel sprechen für sich.

 

Gehlen, Arnold  –  Anthropologe, Philosoph – „Autoren aus dem rechtsintellektuellen Milieu knüpfen an anthropologische, kulturalistische und autoritäre Konzepte Gehlens an. Dazu zählt sein Konzept der Zucht, das Gehlen mit Herrschaft, Führung, Willen und Leistung verband. Dagegen bildete für Gehlen das Konzept der Entartung den „Negativpol zur Zucht, es definiere das Abfallen von ihr und den Abfall“.Besonders Autoren der Jungen Freiheit beziehen ihr Menschenbild von der philosophischen Anthropologie Gehlens“. (WP)
Das diskreditiert natürlich. Aber auch die teilweise hasserfüllte Gegnerschaft von Jürgen Habermas adelt für den rechten Rand. Das besonders anstößige Werk: „Moral und Hypermoral – eine pluralistische Ethik“. (VD,SW)

 

Hoppe, Hans-Hermann – Volkswirt – Die Bezeichnung Anarchokapitalist, das macht verdächtig wie auch „konservativer Libertärer“. Mit seinen Ansichten verstößt Hoppe gegen alles, was im Mainstream als Konsens und sakral angesehen wird.
„Hoppe ist .. der Meinung, die Französische Revolution gehöre „in dieselbe Kategorie von üblen Revolutionen wie die bolschewistische Revolution und die nationalsozialistische Revolution“. Wir verdankten der Französischen Revolution „Königsmord, Egalitarismus, Demokratie, Sozialismus, Religionshaß, Terror, Massenplünderung, -vergewaltigung und -mord, die allgemeine militärische Zwangsverpflichtung und den totalen, ideologisch motivierten Krieg“ und ganz, ganz schlimm: „Hoppe argumentiert, dass zum Beispiel eine Privatarmee selbstverständlich „gegen Frauen und bekennende Homosexuelle diskriminieren“ würde, da „die Gegenwart von Frauen und offen Homosexuellen in Kampfverbänden“ kontraproduktiv sei“. (WP)
Nachlesen in: „Demokratie. Der Gott, der keiner ist“ und „Der Wettbewerb der Gauner. Über das Unwesen der Demokratie“.

Fortsetzung folgt

http://altmod.de/?p=3818

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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3 Antworten zu Woanders gelesen: Von Arendt bis Zitelmann

  1. leser schreibt:

    Moin,
    es sind tatsächlich so einige mir lesenswert erscheinende Werke in der Aufzählung.
    Andererseits halte ich von Leuten wie Finkelstein oder Irving Abstand.

  2. Moritz Haberland schreibt:

    Gerd, auch eine gute Idee, die Du hier hattest.

    Zu Joachim Fernau: Kurzcharakteristik aus meiner Ausgabe von 1966 der „Disteln für Hagen“ :

    „Joachim Fernau ist nicht nur ein ernster, objektiver Denker, ein Kulturhistoriker und Kulturkritiker, der mit Scharfblick und Ironie zu charakteresieren und zu deuten versteht, er ist auch ein Schriftsteller von großer Begabung, der das Wesentliche mit scharfen, unzweideutigen Strichen zu zeichnen und zu erklären versteht.“
    – Radio Book Review, New York –

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Moing Moritz, der Artikel stammt nicht von mir, sondern von Frieder, der ihn auf seinem Blog „altmod“ veröffentlichte. Ich helfe nur bei der Verbreitung.
      Von Fernau habe ich jedes Buch, manches auch mehrmals, gelesen.
      Besonders gut gefallen mir: Cäsar lässt grüßen, Sprechen wir über Preussen, Deutschland, Deutschland über alles und die Geschichte der USA.
      Ich wünschte mir, wir Baiern hätten einen Schriftsteller wie Fernau, der die Geschichte Bayerns ähnlich durcharbeiten würde, wie Fernau die Preußens.
      Fernau ist immer einen Kauf wert und vor allem auch als Geschenk bestens geeignet.
      Herzliche bairische Grüße nach Preußen
      Gerd

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