Mehr sehen als Schwarz/Weiß – Unterschiede wahrnehmen – Übergänge gestalten

 

Ich möchte heute einen Kommentar des Kommentators GFC zum Anlass nehmen, um etwas anzusprechen, was in oppositionellen Kreisen häufig vergessen oder übersehen wird.

Hier der entsprechende Ausschnitt aus dem Kommentar:

„So viel ich Barack Obama hasse, bin ich trotzdem froh dass der durchgedrehte Kriegstreiber McCain 2008 nicht Präsident geworden ist. Hätte das passiert, wäre WK III. bereits begonnen….

GFC hat vollkommen Recht, es gibt mehr zu berücksichtigen, als die reine Ablehnung. Es gibt Unterschiede und Widersprüche zwischen den einzelnen Gruppen des Systems. Diese Unterschiede können erheblich sein und über Fragen wie Krieg und Frieden, finanzieller Zusammenbruch oder nicht und vieles mehr entscheiden.
Diese Unter- und Widersprüchen können, ja müssen, ausgenutzt werden.

Es gibt revolutionäre oder andere Positionen, die ein System, ich will absichtlich nicht auf ein bestimmtes eingehen, ablehnen und an dessen Beseitigung interessiert sind.
Am Punkte Beseitigung/Beendigung können sich u. U. noch viele oppositionell denkende Menschen treffen. Wo sich die Wege scheiden, sind die Antworten auf die Fragen nach dem WIE und WAS DANN.

Während die einen in der extremen Totalopposition verharren und alles ablehnen, was mit dem System zu tun hat, gehen die anderen einen eher evolutionären Weg, der versucht die Entwicklung langsam, organisch in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Beide Kräfte können sowohl von außen, als auch von innen wirken, können aus- und/oder inländische Kräfte sein.

Geopolitisch gesehen werden in den letzten Jahren Systeme gestürzt, also total abgelehnt, total vernichtet. Die Gruppe der extremen Radikalopposition wirkt derzeit am wirkungsvollsten. Das Recht des Stärkeren ist in Kraft.
Systeme werden beseitigt, die Frage nach dem „WAS DANN“ wird nicht ausreichend, zumindest nicht im Sinne der Betroffenen und meist schon gar nicht von den Betroffenen selbst, beantwortet. Was diesen Umstürzen folgt, sind Chaos, Not und Elend.
Solche systemvernichtenden Umstürze erlebte die Welt schon einige Male, immer waren sie mit Chaos, Not und Elend verbunden.
Die Frage „WAS DANN“ wurde nur von einer Gruppe beantwortet, die ihre Lösung als die einzig mögliche, die einzig richtige ansah und mit entsprechenden Mitteln durch- und umsetzte.
Die Folge davon, noch mehr Elend, noch mehr Not und Chaos.

Manche wünschen sich, mangels eigener Potenz den möglichst raschen Zusammenbruch des verhassten Systems, stellen sich aber nicht die Frage, „WAS DANN“ und haben auf diese Frage deshalb auch keine Antwort.
Was ist die unweigerliche Folge eines Zusammenbruchs, es werden sich Gruppen der Macht bemächtigen, die in der Lage sind das Machtvakuum auszufüllen. Wer das sein wird, steht in den Sternen. Oft genug folgen auf solche Zusammenbrüche lange und grausame Bürgerkriege, die auch von äußeren Interessengruppen geschürt und unterstützt werden.

Blicken wir in die Natur, unser aller Mutter, das System, in das wir alle eingebunden sind.
Totalvernichtung ist eher die Ausnahme als die Regel. Das Hauptprinzip ist evolutionär, der Prozess der Veränderung ist langsam und schleichend, manchmal sprunghaft.
Die Totalvernichtung vernichtet in der Regel vollständig, ausnahmslos und zufällig. Solche Ereignisse sind Einschläge von Meteoriten, Vulkanausbrüche, Flutwellen und dergleichen. Der Mensch als Sohn der Erde hat mittlerweile ebensolche Mittel zur Verfügung, Atomwaffen, Giftgas und biologische Kampfmittel.
In diesen Fällen werden alle Schutzmechanismen, die das Leben entwickelt hat ausgeschaltet und unwirksam.

Wer im täglichen Leben mit Menschen umgeht, von deren Entscheidungen abhängig ist, wie z. B. Verkäufer, wissen, wie viele Kompromisse gemacht werden müssen, um zum Abschluss zu kommen, sprich das tägliche Brot zu verdienen. Sollte der Verkäufer auf all seinen Vorstellungen beharren und die seiner Zielperson bzw. Zielgruppe nicht miteinbeziehen, wird er wenig Geschäft machen und entweder lernen oder Hungers sterben, eingehen.

Im Falle des Systems und eines evtl. gewünschten Systemwechsels bedeutet dies für mich, der evolutionäre Weg ist vorzuziehen, wenn nicht gar der einzige Weg zu einem wahren Wechsel.  Vorausgesetzt, man will nicht nur die Herrschenden austauschen und womöglich selbst zum Herrschenden aufsteigen. Denn, man selbst weiß ja am besten, was die „einfachen“ Leute wollen und was am besten für alle ist.

Vor allem bedeutet evolutionärer Systemwechsel nicht nur Ablehnung, sondern und vor allem Vorbereitung, Planung, Vorstellen von Änderungen und Alternativen.
Also nicht nur verneinend und nihilistisch vorgehen, sondern lebensbejahend und gestaltend vorangehen.
Vorschläge ausarbeiten, ausstreuen und abwarten. Manches wird reifen, anderes wird untergehen oder wie ein Samenkorn in der Erde ruhen, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.
Entscheidend ist aber immer, dass der Geist, das Bewusstsein von uns Menschen reif ist für bestimmte Änderungen.
Wie die Zeit reif war für die Abwechslung des Adels, der Macht der Landbesitzer, durch das Bürgertum, der Macht des mobilen und produktiven Besitzes, so wird auch irgendwann die Zeit reif sein für ein anderes Herrschaftsprinzip.
Die Erschütterungen des derzeit herrschenden Systems zeigen, dass etwas im Umbruch ist, etwas Neues sich angekündigt.
Arbeiten wir an unserer Zukunft, richten wir unsere Gedanken nach vorne, schauen wir uns um, was uns und unsere Mitmenschen bewegt, was uns allen Schaden zufügt und was uns allen nützen kann.

Ich weiß, es ist einfacher vorhandene Schwach- und Schadstellen aufzuzeigen, als diese zu beseitigen und durch etwas Besseres, Richtigeres zu ersetzen.
Genau daran aber sollten/müssen wir arbeiten, uns immer wieder daran erinnern, nicht nur zu motzen, jammern und zu klagen, wie alte Waschweiber, sondern die Ärmel aufzukrempeln und anzupacken. Die geistigen Voraussetzungen zu schaffen, damit der Systemwechsel voranschreiten und sich entwickeln kann, damit wir KEINE Zusammenbrüche, Revolutionen und ähnliches erfahren müssen. Wir nicht und erst recht nicht unsere Kinder und Enkel.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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