Woanders gelesen: Warum führen wir Krieg im Jemen?

  Rep. Ron Paul

 Die meisten Amerikanern wissen wahrscheinlich nicht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika im Lauf der beiden vergangenen Wochen mindestens acht Drohnenattacken im Jemen durchgeführt haben, durch die Dutzende Menschen getötet worden sind. Es ist der grösste Anstieg von Attacken im Jemen in mehr als einem Jahrzehnt. Die Vereinigten Staaten von Amerika behaupten, dass jeder der Getöteten ein „verdächtiger Militanter“ war, aber jemenitische Bürger waren sein langem aufgebracht über die Anzahl all der in diesen Angriffen der Vereinigten Staaten von Amerika Getöteten. Die Medien haben berichtet, dass von allen, die durch die jüngsten Angriffen der Vereinigten Staaten von Amerika getötet wurden, nur einer der Getöteten auf der Liste der „meist gesuchten“ Terroristen war. 

Diese signifikante Eskalation von Angriffen der Vereinigten Staaten auf den Jemen fällt zusammen mit dem Treffen des jemenitischen Präsidenten Hadi mit Präsident Obama Anfang dieses Monats in Washington. Hadi wurde an die Macht gebracht mit Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika nach einem Putsch 2011 gegen den Langzeitherrscher Präsident Saleh. Es liegt in seinem Interesse, die Vereinigten Staaten von Amerika hinter sich zu haben, da seine Popularität im Jemen sehr niedrig ist und er ständig mit der Drohung eines neuen Machtwechsels konfrontiert ist.

In Washington lobte Präsident Obama die Kooperation des Präsidenten Hadi bei der Bekämpfung der im Jemen ansässigen al-Qaeda auf der Arabischen Halbinsel (AQAP). Das geschah gerade, ehe die Administration der Vereinigten Staaten von Amerika bekannt gab, dass eine grosse nicht näher bekannt gegebene Bedrohung die Schliessung von fast zwei Dutzend Botschaften in der Region erforderlich machte, darunter derjenigen im Jemen. Laut der Administration wurden die Botschaftsschliessungen durch eine von der NSA abgehörte Telefonkonferenz veranlasst, in der rund 20 al-Qaeda-Führer einen Angriff auf den Westen besprachen. Viele bleiben skeptisch gegenüber dieser dramatischen Behauptung, die just zu dem Zeitpunkt erfolgte, als einige im Kongress auf eine genauere Untersuchung der heimischen Bespitzelungsprogramme der NSA drängten. 

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind bereits seit einiger Zeit im Jemen involviert, und ihre Präsenz im Jemen ist viel grösser, als man uns glauben lässt. Wall Street Journal berichtete letzte Woche:

„Das Herz der Kooperation zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Jemen bildet eine gemeinsame Kommandozentrale in Jemen, wo Vertreter der beiden Länder die Informationen auswerten, die von Amerika und anderen Alliierten wie Saudiarabien gesammelt werden, sagen Vertreter der VereinigtenStaaten von Amerika und des Jemen. Dort entscheiden sie, wann und wie Raketenangriffe durchgeführt werden gegen diejenigen, die auf der streng geheimen Liste angeblicher al-Qaeda-Funktionäre stehen, die vom Weissen Haus zum Abschuss freigegeben sind, sagen diese Leute.“ 

Weit davon entfernt, das Problem von Extremisten im Jemen zu lösen, scheint diese Präsenz der Vereinigten Staaten von Amerika im Land mehr Extremismus zu schaffen. Laut Professor Gregory Johnson von der Princeton-Universität, einem Experten für den Jemen, zieht der zivile „Kollateralschaden“ der Drohnenattacken der Vereinigten Staaten von Amerika in der Tat mehr Bewerber für al-Qaeda an:

„Da gibt es Angriffe, die Zivilisten töten. Da gibt es Angriffe, die Frauen und Kinder töten. Und wenn man Menschen in Jemen tötet, sind das Menschen, die Familien haben. Sie haben Clans. Und sie haben Stämme. Und was wir sehen, ist dass die Vereinigten Staaten von Amerika ein besonderes Individuum treffen, weil sie es als Mitglied von al-Qaeda betrachten. Vor Ort kommt es allerdings dazu, dass er als Stammesmitglied verteidigt wird.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika befindet sich eindeutig im Krieg im Jemen. Es wird behauptet, dass sie gegen al-Qaeda kämpfen, aber die Drohnenattacken schaffen ebenso viele oder mehr Mitglieder von al-Qaeda, als sie ausschalten. Unmut über zivile Opfer baut die Gefahr eines Rückschlags auf, einer legitimen Bedrohung für uns, die leider weitgehend ignoriert wird. Auch senden die Vereinigten Staaten von Amerika doppeldeutige Signale, indem sie al-Qaeda im Jemen angreifen, während sie mit al-Qaeda verbündete Rebellen unterstützen, die in Syrien kämpfen.

Dieser Teufelskreis der Intervention, welche Probleme produziert, deren „Lösung“ mehr Intervention erfordert, macht uns arm und macht uns mehr – nicht weniger – verwundbar. Kann jemand behaupten, dass diese alte Vorgangsweise erfolgreich ist? Hat sie auch nur ein bisschen Stabilität in der Region bewirkt? Gibt es auch nur eine Erfolgsgeschichte?

Es gibt eine Alternative. Diese heisst Nicht-Interventionismus. Wir sollten es mit dieser versuchen. Der erste Schritt wäre der Rückzug aus dem Jemen.

http://antikrieg.com/aktuell/2013_08_12_warum.htm

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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