Zum Kalenderblatt 13. Juli: Thomas Müntzer – Fürstenpredigt

Am 13. Juli 1524 hielt Thomas Müntzer die sogenannte Fürstenpredigt zu Allstedt vor Kurfürst Johann und dessen Sohn Johann Friedrich. Darin  griff er die sozialen Missstände scharf an: „Es ist zu wissen, daß der armen, elenden, zerfallenden Christenheit weder zu raten noch zu helfen ist…

…es sei denn daß die fleißigen, unverdroßnen Gottesknechte täglich die Biblien treiben mit Singen, Lesen und Predigen. Aber damit wird der Kopf der zarten Pfaffen stetlich große Stöße müssen leiden oder seines Handwerks abgehn. Wie soll man ihm aber anders tun, dieweil die Christenheit so jämmerlich durch reißende Wölfe verwüstet ist, wie geschrieben ist Jes. 5, Ps. 80 vom Weingarten Gottes? Und Sankt Paul lehrt, wie man sich in göttlichen Lobsängen üben soll (Eph. 5).

Denn gleich wie zur Zeit der lieben Propheten Jesajas, Jeremias, Hesekiel und der andern die ganze Gemein der Auserwählten Gottes also ganz und gar in die abgöttische Weise geraten war, daß ihr auch Gott nicht helfen mochte, sondern mußte sie gefangen wegführen lassen und sie unter den Heiden so lange peinigen, bis daß sie seinen heiligen Namen wieder erkannten (wie geschrieben steht Jes. 29, Jer. 15, Hes. 36, Ps. 89); also auch nichtsdestoweniger ist bei unser Väter und unser Zeit die arme Christenheit noch viel höher verstockt und doch mit einem unaussprechlichen Scheine göttlichen Namens (Luk. 21,2, Tim. 3), da sich der Teufel und seine Diener hübsch mit schmücken (2. Kor. 11). Ja, also hübsch, daß die rechten Gottesfreunde damit verführt werden und mit dem höchsten vorgewandten Fleiß kaum merken mögen ihren Irrtum, wie Matth. 24 klar angezeigt.

Dies macht alles die gedachte Heiligkeit und das heuchlerische Entschuldigen der gottlosen Feinde Gottes, da sie sagen, die christliche Kirche kann nicht irren, so sie doch, den Irrtum zu verhüten, darum durch das Wort Gottes stetlich soll erbaut werden und vom Irrtum erhalten, ja auch die Sünde ihrer Unwissenheit erkennen soll (3. Mos. 4, Hos. 4, Mal. 2, Jes. 1).

Aber das ist wohl wahr: Christus, der Sohn Gottes, und seine Aposteln, ja auch vor ihm seine heil´gen Propheten haben wohl ein rechte, reine Christenheit angefangen, den reinen Weizen in den Acker geworfen, das ist: das teure Wort Gottes in die Herzen der Auserwählten gepflanzt, wie Matth. 12, Mark. 4, Luk. 8 geschrieben und Hes. 36. Aber die faulen nachlässigen Diener derselbigen Kirchen haben solches mit emsigem Wachen nicht wollen vollführen und erhalten, sondern sie haben das Ihre gesucht, nicht was Jesu Christi war (Phil. 2).

Derhalben haben sie den Schaden der Gottlosen, das ist das Unkraut, kräftig lassen einreißen (Ps. 80), da der Eckstein, hier angezeigt, noch klein gewesen ist, von welchem Jesajas 28 sagt. Ja, er hat noch die Welt nicht gar erfüllet, er wird sie aber gar bald erfüllen und voll vollmachen. Drum ist der aufgerichte Eckstein im Anfang der neuen Christenheit bald verworfen von den Bauleuten, das ist von den Regenten (Ps. 118 und Luk. 20). Also, sag ich, ist die angefangene Kirche baufällig geworden an allen Orten bis auf die Zeit der zertrennten Welt (Luk. 21 und hie Dan. 2 Esra 4).

Denn Hegesippus und Eusebius sagen am 4. Buch am 22. Unterschied der christlichen Kirchen daß die christliche Gemeinde eine Jungfrau blieben sei nicht länger als bis auf die Zeit des Todes der Aposteln Schüler. Und bald danach ist sie eine Ehebrecherin geworden, wie denn zuvor verkündigt war durch die lieben Aposteln (2. Petr. 2). Und in den Geschichten der Aposteln hat Sankt Paul gesagt zu den Hirten der Schafe Gottes mit klaren, hellen Worten (Apostelgesch. 20): »Habt Acht drauf auf euch selber und auf die ganze Herde, über welche euch der Heil’ge Geist gesetzt hat zu Wächtern, daß ihr sollt weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein Blut erworben hat, denn ich weiß, daß nach meinem Abschied werden unter euch reißende Wölfe kommen, die die Herden nicht verschonen werden. Es werden auch von euch selber Männer aufstehn, die da verkehrte Lehre reden, die Jünger nach sich selbst zu ziehen. Drum seht drauf!« Desgleichen steht im Sendebrief des heil’gen Aposteln Judä. Offb. 16 zeigt es auch an…..Weiterlesen

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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