Verrat und Verräter

„Ich liebe den Verrat, aber ich hasse Verräter.“
Julius Cäsar

Liebe und Hass sind Begriffe, die ich in diesem Zusammenhang nicht verwenden möchte, ich mag weder den Verrat, noch den Verräter und Cäsar bekam ja auch seine Quittung.

Gerade ist das Thema Verrat wieder in aller Munde, wenn es auch nicht Verrat genannt wird, sondern whistle-blowing und manche gar das gesetzlich verbriefte Recht auf whistle-blowing, also Verrat, einfordern.
Ein Verräter aus Geheimdienstkreisen machte die Überwachungspolitik der USA öffentlich. Mal ganz ehrlich, wen hat dies überrascht? Also mich nicht. Auch wenn jetzt noch andere Dinge ans Tageslicht kommen oder wieder hervorgekramt werden, wie die Lauschaktionen der U-Boote im Atlantik etc. Das alles ist doch nicht besonders neu, neu ist, dass es nicht mehr abgestritten werden kann, wie auch der Hackerangriff auf die iranischen Atomanlagen via Stuxnet, der vom ehemaligen stellvertretenden Generalstabschef an die Öffentlichkeit gebracht, also verraten, worden sein soll.
Außen vor bleibt bei der Geschichte allerdings der Mossad, an den traut sich keiner ran, wie es scheint. Der hätte den Snowden wahrscheinlich bereits liquidiert oder falls dies nicht möglich gewesen wäre, würde er ihn bei nächster Gelegenheit um die Ecke bringen. Ein unbestritten sehr gutes Argument gegen Verrat.

Aber ich will heute auf etwas anderes hinaus. Alle Welt liebt den Verräter Snowden, ausgenommen natürlich die USA etc..

Wenn ich mir die Sache anschaue, hat dieser Mann Verrat begangen. Da beißt die Maus keinen Faden ab, er hat einen Vertrag gebrochen, er hat der Presse und ausländischen Mächten, also auch Gegenspielern des eigenen Staates, dem er die Treue geschworen oder zumindest unterschriftlich verbürgt hatte, Geheimnisse verraten. Was und wieviel, wissen wir nicht.

Was darf verraten werden, wer ist ein Verräter, wer ein Held?

Manchmal werden Verräter gehenkt, manchmal werden sie geehrt und manchmal werden sie auch Bundeskanzler, Bundesminister oder, entsprechende Gegenstücke, auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs.

Was darf man verraten, sein Volk, seinen Staat, seine Nation, seinen König, seine Familie, seine Freunde?
Unter welchen Umständen darf man verraten?

Ich bin der Meinung, niemals darf verraten werden. Ich würde niemals gegen meine Landsleute arbeiten, auch wenn diese auf der falschen Seite stünden, die ja nur meiner Meinung nach die falsche Seite ist, niemals würde ich einem Gegner unseres Landes/Volkes/ Staates zu Informationen verhelfen, die diesem einen Vorteil bringen würden.
Niemals würde ich meine Familie verraten oder meine Freunde.
Ich würde keinen Flüchtigen verraten, keinen den Verfolgungsbehörden oder anderen Verfolgern ausliefern.
Wer mir ein Geheimnis anvertraut, kann sicher sein, dass dieses geborgen ist. Nach menschlichem Ermessen jedenfalls, was unter  Folter etc. getan wird, kann niemand sagen.
Niemals würde ich jemanden verraten, um mir einen Vorteil zu verschaffen und sei er noch so groß.

Ich wurde in diesem Sinne erzogen, geprägt und wahrscheinlich ist dies auch unveränderlicher Bestandteil meines Charakters.

Wer hat nicht schon mehr oder weniger große Verrätereien am eigenen Leib erfahren müssen und wie hat er sich dabei gefühlt? Hatte der Verräter, wenn man in seine Haut schlüpft, vielleicht gute Argumente die für den Verrat sprachen und sei es nur, um Beschwernisse von sich abzuwenden oder weil er etwas verriet, was man „wirklich nicht machen darf“?
Der Verräter und diejenigen die davon profitieren oder ihn dazu anstacheln, haben immer gute Argumente für den Verrat, das liegt in der Natur der Sache.
Der Verrat wird dann auch nicht mehr Verrat genannt, der Verräter nicht Verräter, da werden dann andere Bezeichnungen dafür gefunden, wie z. B. whistle-blower, Informant, Verbindungsmann u. ä..

Wenn ich auch niemanden verraten würde, so hat dies nichts damit zu tun, dass ich nicht intern schärfste Opposition oder Kritik ausübe oder versuche die Verhältnisse zu ändern. Aber intern, nicht extern oder mit Hilfe externer Kräften.

Verrat ist und bleibt ein schäbiges Geschäft.

Snowden ist ein Verräter.
Das hat nichts damit zu tun, ob jemand die USA mag oder nicht, es ist einfach eine Tatsache.
Wer würde Snowden noch ein Geheimnis anvertrauen? Ich nicht und die, denen er Geheimnisse verraten hat, sicherlich auch nicht.
Er hat verraten, er konnte den Umfang seiner Tätigkeit bei div. Geheimdiensten vielleicht mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, vielleicht wurde er aber auch nur übergangen oder sonstwie schlecht behandelt, wir wissen es nicht, wir kennen seine Motivation nicht.
Er stand im Dienst einer privaten Geheimdienstfirma die mit staatlichen Stellen arbeitete. Er wollte auf diese Art sein Geld verdienen, auch das wirft ein gewisses Licht auf seinen Charakter. Wer macht denn so etwas freiwillig?
Auch wenn er jetzt behauptet, er habe sich eingeschlichen, um die Überwachungsarbeit der Geheimdienste öffentlich zu machen, so schenke ich dem keinen Glauben.
Mir erscheint dies als reine Schutzbehauptung, um im Nachhinein sein Tun zu rechtfertigen, vor der Welt gut dazustehen.
Wer kann einem Verräter vertrauen?

Die USA und ihre britischen Genossen wurden bloß gestellt. Aber glaubt denn jemand, die Russen, Chinesen oder jeder andere Staat dieser Welt würde anders handeln, hätten sie dazu die Möglichkeiten. Vielleicht tun sie es ja auch, nur wird es nicht verraten.
Ich sage, sie tun es, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Sie tun alles was nötig und möglich ist, um an Informationen und Informanten heranzukommen, die ihnen dienen und den anderen schaden; die anderen, können durchaus auch wir oder unsere Landsleute sein bzw. davon in Mitleidenschaft gezogen werden. Nicht nur die USA haben ein gesteigertes Interesse an unserem Land und Volk.

Zum Schluss noch einmal die Fragen, wen oder was darf man verraten, wer bestimmt, wer/was verraten werden darf und wer/was nicht?
Durfte das deutsche Kaiserreich, das nationalsozialistische Deutschland verraten werden, die marxistisch-sozialistische DDR, darf die BRD verraten werden?
Sind V-Leute in der NPD oder jeder anderen Partei oder Vereinigung oder in einem Personenkreis, achtenswerte Leute?
Darf/muss man unter gewissen Umständen Verrat üben?
Muss man vorher einen Treueschwur, ein feierliches Versprechen oder ähnliches abgeben, um zu garantieren, dass man nicht verrät oder dürfen gewissen Dinge einfach nicht verraten werden, will man ein anständiger Mensch bleiben?
Wer darf einem uneingeschränktes Vertrauen schenken?
Wem darf man uneingeschränktes Vertrauen schenken?

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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10 Antworten zu Verrat und Verräter

  1. Margitta schreibt:

    Lieber Gerd,
    für mein Empfinden ist die Fragestellung nicht zielführend. Um eine sinnvolle Antwort finden zu können, muss die erste Frage lauten: „Warum besteht Geheimhaltungspflicht? Ist es zum Nutzen der Allgemeinheit oder wird dem Gemeinwohl Schaden zugefügt?“ Erst wenn das geklärt ist, kann ein Verräter ausgemacht werden; also er handelte gegen das Allgemeinwohl.

    Im Fall Snowden ist die Antwort eindeutig. Er handelte im Sinne des Gemeinwohls der Menschheit, da den Ländern der Erde Schaden zugefügt wird und somit ist er vom Geheimnisverrat freizusprechen. Ob andere das auch machen oder machen würden spielt dabei keine Rolle.

    Liebe Grüße
    Margitta

    • Moritz Haberland schreibt:

      Das sehe ich auch so, um ehrlich zu sein. Das andere „Geheimnisbegehren“ ist wohl eher ein „pastorales“, etwas, das der Katholik also von seinem Beichtpastor erwarten kann.

      Ich hatte das Beispiel schon einmal beschrieben, mein engster alter Studienkamerad ist heute in leitender Position mit mordsmörderischer Gage für „Monsanto“ Südafrika tätig. Er ist ein anständiger Mann und hat aus Gewissensgründen durchaus das Zeug zum „whistle-blower“. Mit dessen Wissen hätten wir heute eine viel konkretere Vorstellung von unserer Landwirtschaft in XX Jahren.

      Obwohl ich alles über Verrat sehr ähnlich sehe wie Gerhard,
      rate ich ihm seit drei Jahren ganz klar zum „Geheimnisverrat“.

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Servus Moritz, ich habe mir schon Gedanken gemacht, da von Dir nichts mehr zu lesen war, Ich hoffe es ist alles in Ordnung.
        Das mit dem Verrat ist immer ein heikles Thema, Ich stehe auf dem Standpunkt, Verrat ist nicht mein Geschäft.
        Ich würde daher auch nicht für einen Geheimdienst arbeiten, egal aus welchem Grund, ich würde meine Arbeit so wählen, dass ich mit gutem Gewissen meiner Arbeit nachgehen kann, wenn ich diese nicht mehr vor mir verantworten kann, lasse ich es bleiben, ebenso den Umgang mit Menschen, aber verraten, ich nicht.
        Ausgeplaudert wird gar vieles, es gibt eigentlich nichts, was man nicht wissen kann, wenn man denn will. Damit meine ich nicht Details oder genaue Abläufe, aber das Große und Ganze ist erkennbar, da brauche ich die eine oder andere Information nicht. Wer sie braucht, weiß´wahrscheinlich nichts damit anzufangen oder ist empfänglich für die Propaganda, die in jedem Fall gestartet wird, sollte einmal was durchsickern.
        Es gibt bei uns keine Richtschnur mehr, im Allgemeinen gesehen, wem oder was die Treue gehalten werden muss. Alles nur noch eine Frage der Tagesentscheidung, der Tagesform und der Tagesmeinung, die sich auch wieder ändern kann. Man kann sich ja schließlich irren.
        Es geht im Großen und Ganzen um Treue und Verlässlichkeit. Es geht auch darum, mit wem lasse ich mich ein, wenn es jemand/etwas ist, der es nicht wert ist, ihm die Treue zu halten, so sollte ich es von Haus aus bleiben lassen.
        Wenn ich mich mit jemanden einlasse, hat er das Recht darauf, sich auf mich zu verlassen, wie auch ich umgekehrt, auch wenn sich meine Meinung über ihn oder die seine über mich ändert. Dann kann man die Freundschaft/Treue aufkündigen und von da an ist man frei, allerdings nicht rückwirkend.
        Ich weiß, das sind in der liberal-kapitalistischen Welt keine Werte, wo es doch nur um Vorteile geht, aber es sind dauerhafte Werte auf die das menschliche Zusammenleben aufbaut.
        Dein Freund könnte sicherlich tätig werden, ohne seinen Brötchengeber zu verraten. Er müsste kündigen, sein Wissen benutzen, eine andere Landwirtschaft zu propagieren und so über Umwege den richtigen Weg einschlagen. Als Kenner der Szene wird er von manchen Fachleuten sicherlich ernst genommen werden und seine Erfahrunen in Bezug auf Monsanto würden einfließen, ohne, dass er etwas verraten müsste.
        Jahrelang Kohle kassieren, um dann eines Tages zu sagen, wie schlecht doch die anderen sind, von denen er einer war, das ist sicherlich nicht die richtige Art und das wird Deinen Freund vielleicht auch davon abhalten, das zu tun, was Du ihm empfiehlst.

        Egal welche Verräter man nimmt, ich glaube, dass diese ihr ganzes Leben nicht sonderlich zuverlässig waren, schon im Kindesalter gepetzt haben, lieb Kind sein wollten. Das muss man auch in den Knochen haben, von nichts kommt nichts.

      • Moritz Haberland schreibt:

        Ja… es ist alles bestens, entgegen aller Wetter im übrigen Lande haben wir hier in der „Brandenburgischen Savanne“ bestes Heuwetter ohne „Tröpfcheneintrag“ vom Himmel.

        Zitat: „Egal welche Verräter man nimmt, ich glaube, dass diese ihr ganzes Leben nicht sonderlich zuverlässig waren, schon im Kindesalter gepetzt haben, lieb Kind sein wollten. Das muss man auch in den Knochen haben, von nichts kommt nichts.“

        Das hätte von mir sein können, petzen, kratzen, beißen, spuken und so weiter deutet insbesonders bei männlichen Kindern auf demnächst fragwürdige Politiker hin, ich weiß das, „mein Ministerpräsident“ ist zwar mein Jahrgang, doch wegen „Zurückbleibens“ erst ein Jahr später mit meiner ein Jahr jüngeren Schwester in unserer Schule eingeschult worden. Obwohl er der Sohn eines stadtberühmten Arztes war, wurde er, der Mathias P. wegen seiner üblen Eigenschaften (s.o.) so lausig verdroschen, über den Schulhof gejagt, kurzum „gemobbt“, daß er werden konnte, was er heute geworden ist.

        Ich bin mir sicher, daß die Snowdens dieser Welt mit den Platzeks
        dieser Welt nichts – aber auch gar nichts gemeinsam haben.

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Da bin ich mir nicht so sicher. Es mag die eine oder andere Person darunter geben, echte Überzeugungs“täter“, die dies als Bestandteil eines Kampfes ansehen, das dürften allerdings die Ausnahmen sein.
        Persönlich lernte ich Verrat nur von Personen kennen, die dem Strickmuster „Schianghaferl“, kratzen, beißen, zwicken /oderund hinterfotzig entsprachen.

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Zu M. P., das ist nun die Rache, er zahlt es euch heim.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Liebe Margitta,
      schön, dass Du geantwortet hast, vielleicht können wir etwas Licht ins Dunkel bringen. Das Allgemeinwohl war schon ein gutes Stichwort.

      Gemeinwohl o. ä. ist aber auch eine Definitionssache, Gemeinwohl sehen manche sicherlich anders als Du oder ich.
      Worauf ich auch hinaus will, ist, dass es in gewissen Zeiten ziemlich klar war, wem man folgt, wem man sich unterzuordnen hat, wer die Geschicke des Landes und Volkes lenkt und damit auch die Frage des Verrates.
      Ab dem 20. Jahrhundert, speziell auch während und nach des 3. Reiches, wurde diese Frage etwas anders gestellt und von der überlegenen Seite auch anders beantwortet. Verräter wurden zu Helden, Helden zu Verbrechern oder Verrätern am Volk/am Gemeinwohl. Menschen die die Treue hielten, ihre Pflicht erfüllten werden gebrandmarkt, Menschen die Eide brachen, bekommen Denkmäler.
      Es stellt sich generell die Frage, was ist Verrat. Du begründest die Antwort mit dem Allgemeinwohl, das ist DEINE Sicht der Dinge, wie auch das Allgemeinwohl eine recht indivuduelle Einschätzung ist. Ich bin sicher, dass in dieser Frage, wenn auch nur 10 Personen dazu befragt werden, 10 unterschiedliche Antworten gegeben werden.
      Dass Snoweden Verrat beging liegt auf der Hand und das weiß er auch selbst.

      Ich will mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster lehnen.
      Es besteht die theoretische Möglichkeit, die sich auch praktisch niederschlagen kann, dass die USA mit ihrem gesamten Überwachungs- und Militärapparat auch Bewegungen nieder halten, die der Welt im Ganzen mehr schaden als nützen würden.
      Die Machtposition die die USA derzeit ausfüllen, würde sofort ersetzt, würden sie nachlassen und schwächeln. Wer diese Position einnehmen würde, wage ich nicht zu prophezeien. Es könnte auch sein, dass uns die Nachfolge nicht sehr gut gefallen und bekommen würde, was ich für nicht unwahrscheinlich halte.
      Was nicht heißt, dass ich die USA nicht vom Sockel stoßen möchte, allerdings erst dann, wenn die Nachfolge auch gesichert ist. Ansonsten könnte weltweit das geschehen, was die USA derzeit in einzelnen Staaten praktizieren, dass sie Herrschende vom Sockel stoßen, Beispiel Irak, das Machtvakuum wird nicht ausgefüllt, die Folge ist bekannt. Unter Hussein stünde das Land und Volk heute besser da, auch wenn er ein Schweinehund war.

      Zu Snowden selbst, für mein GEfühl hat der Mann kein besonderes Verdienst erworben, zumindest nicht mit dem, was veröffentlicht wurde. Was da veröffentlicht wurde, war doch aufgeweckten Mitmenschen sowieso bekannt. Sollte er den Chinesen oder Russen besondere Informationen gegeben haben, hat er Landesverrat begangen.
      Auf welcher Stufe der Hierachie er gestanden ist, weiß ich nicht, ich glaube nicht besonders weit oben.
      Mancher mag dies entschuldigen, aber es ist und bleibt Landesverrat. Was Snowden gemacht hat, würde von jedem Staat/jeder Gemeinschaft dieser Erde, zu jedem Zeitpunkt strafrechtlich verfolgt. Nicht erst seit heute oder gestern, sondern seit Urzeiten.

      Das Thema Verrat ist ein heikles Thema, deshalb habe ich dieses Thema auch angesprochen. Durchzieht es doch auch unsere, die deutsche Geschichte wie ein roter Faden.

      Geheimhaltungspflicht hat viele Ursachen. Selbst in Betrieben gibt es Geheimhaltungspflichten, auch innerhalb der Familie und des Freundeskreises gibt es Geheimhaltungspflichten, wenn sie auch nicht niedergeschrieben oder unterschrieben werden. Man erklärt sich mit der Geheimhaltung einverstanden, man unterschreibt, man schwört einen Eid. Darf man diesen brechen? Vor allem wurden Unterschrift und Eid reiwillig geleistet.

      Zur Frage des Allgemeinwohls noch, mancher Spitzel eines Geheimdienstes mag denken und überzeugt sein, er handelt im Sinne der Allgemeinheit, des Gemeinwohls. Das mag seine persönliche Anschauung sein, auch die Anschauung des Systems und von mir aus auch von 99 Prozent der „Allgemeinheit“ und trotzdem kann er der größte Verbrecher sein und großen Schaden anrichten. Was Gemeinwohl ist und was nicht, kann sich sehr schnell ändern. In der jüngsten deutschen Geschichte haben es die Deutschen in der DDR erfahren können.

      In Fontanes Buch „Vor dem Sturm“ wird die Frage des Verrats von einigen preußischen Bürgern diskutiert, dem König folgen, den Befehl des Königs abwarten oder selbstständig handeln. War General von Yorck ein Verräter oder nicht.
      Wobei ich hier nicht die Frage an sich diskutieren will, sondern darauf hinweisen will, wie im Buch argumentiert wurde, wie tief das Gefühl der Loyalität, der Treue, des Vertrauens saß, auch wenn man mit Entscheidungen des Königs nicht zufrieden war und losschlagen wollte.
      Damals gab es noch einen festen Bezugspunkt, dieser Bezugspunkt ging verloren. Jeder meint, er könne nach seinem Gutdünken entscheiden, ob er Verrat begehen darf oder nicht, wer unter welchen Umständen Verrat begehen darf oder nicht. Das meine ich jetzt nicht als Vorwurf, sondern als Feststellung einer Tatsache.

      Könnte es, wenn man hier weiterdenkt, nicht auch die Pflicht zum Verrat geben und evtl. auch eine Bestrafung, weil man nicht verriet. So wie ja auch Widerstand zur Pflicht wurde, wenn man sich die jüngere deutsche Geschichte anschaut und als Folge des Nichtwiderstandes eine Kollektivbestraftung und Kollektivschuld?

      Pfüat Di
      Gerd

      • Margitta schreibt:

        Lieber Gerd,

        so wie Du Deinen Standpunkt in Deiner Antwort bei Moritz darlegst, kann ich Dir nur zustimmen. Treue und Verlässlichkeit ist auch meine Maxime und mein Freundeskreis hat sich mittlerweile stark reduziert nachdem ich mich freundschaftlich von ihnen verabschiedete.

        Es stimmt auch, dass im Zeitalter des Internets jeder wissen könnte was in der Welt vor sich geht. Doch leider wurden wir alle von Kindesbeinen an auf bestimmte meist materialistische Denkweisen konditioniert und es ist verdammt schwer die Konditionierung zu durchbrechen. Dafür muss man sich selbst auf den Prüfstand stellen und sein Tun und Denken hinterfragen.

        Mir geht es nur dann gut, wenn es meinen Mitmenschen – und da meine ich alle Menschen, nicht nur die meiner näheren Umgebung – auch gut geht. Das ist für mich Allgemeinwohl und das wird sich nie nach Tageslaune ändern.

        Zum Thema Verrat werde ich mich später noch melden. Darüber muss ich nämlich noch gründlich nachdenken.

        Pfüat Di und einen erholsamen Abend
        Margitta

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Moing Margitta,
        Das Thema ist sicherlich ein unerschöpfliches und wird immer wieder unter anderem/neuem Licht betrachtet werden können und müssen.
        Wenn ich die beiden strafrechtlich relevanten Verratsarten als Beispiel nehme, Hochverrat und Landesverrat, so ist der zweite, der Teil des Verrates, der überhaupt nicht in Frage kommt.
        Hochverrat ist immer „erlaubt“, ist es doch immer ein Mittel, um die herrschenden Verhältnisse zu ändern und das muss „erlaubt“ sein. Wenn es natürlich von den jeweils Herrschenden niemals erlaubt sein wird, ihre Macht anzugreifen.

        Aber das Thema Verrat ist natürlich wesentlich umfangreicher und greift in unsere tiefsten Gefühle ein.

        Servus
        Gerd

      • Moritz Haberland schreibt:

        @ Gerd,
        1. Der M.P. hat nicht den Charakter, die ein Rächer haben muß, er ist der Speichellecker, der er schon in der 1.Klasse war.
        2. Den Unterschied zwischen Hoch- und Landesverrat habe ich gemeint. Zumindest eigene Vorteilsnahme kann man dem Snowden bestimmt nicht nachsagen, sein Leben mit Freundin und gutem Einkommen auf Hawaii war sicher auskömmlicher als vom gesamten US-Apperat gejagt im Transferbereicheines Flughafens zu leben.

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