„Entnazifiziert“ reicht nicht

Nach der großen Säuberungs-, Bespitzelungs-, Denuntiationswelle die wir Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg über uns ergehen lassen mussten, auch Entnazifizierung genannt, wurden die Deutschen in 4 Kategorien eingestuft und entweder gehenkt, jahrelang eingesperrt, mit Berufsverboten und/oder Geldstrafen belegt und manche gingen frei aus. Was man von Seiten der Sieger zwar nur äußerst ungern durchgehen ließ, aber irgendwie konnte man auf die Deutschen doch nicht verzichten. Erstand doch eine neue Gefahr, die rote Gefahr, nachdem die rote Gefahr verschwand, entstand eine neue, die internationaler Terrorismus genannt wurde. Erst die braune, dann die rote und nun die Gefahr des internationalen Terrorismus´. Vielleicht ist die Gefahr ganz woanders zu suchen, bei denen, die die Gefahren schaffen/erfinden vielleicht, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Geschichte der Entnazifizierung bearbeitete Ernst von Salomom in seinem Buch „Der Fragebogen“, wer eine kurze Zeitreise vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit unternehmen möchte, sollte dieses Buch lesen und wird dabei mancherlei erfahren, was er normalerweise nicht erfahren würde und schon gar nicht in den Dokumödchen ala Guido Knopp..

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema. Mit dem Schuldspruch, dem Abbüßen der Strafe sollte eigentlich jedes Thema erledigt sein und der Mensch in Frieden wieder seine Wege gehen dürfen. Wenn er sich nichts mehr zu Schulden kommen lässt, ist die Sache erledigt.
Nicht so, wenn jemand entnazifiziert wurde und dort sein Fett weg bekam und ein paar Jahre in Internierungslagern büßte und danach ein ordentliches Mitglied der Gesellschaft wurde.
So ergeht es nun dem 1982 verstorbenen, ehemaligen Präsidenten und Gründer des Bundes der Steuerzahler, Karl Bräuer.
Wie die FAZ berichtet, hat der Bund der Steuerzahler die Geschichte seines vormaligen Präsidenten und Gründers aufgearbeitet. Wir alle wissen, was dies bedeutet. Man lässt die Toten nicht ruhen, ein wehrloses Opfer wird in aller Öffentlichkeit genüsslich seziert und Dreck wird kübelweise über ihm ausgegossen. Wehren kann sich das Opfer nicht, Verteidiger gibt es nicht, nur den unbarmherzigen Mob, der sein Opfer zwar nicht mehr hängen kann aber dafür alles schlecht machen kann, was man nur schlecht machen kann. Manche suhlen sich gerne im Dreck, sie fühlen sich nur darin wohl.

Wie das Aufarbeiten beim Steuerzahlerbund aussieht, wird im folgenden Zitat aus der FAZ vom 22. Juni, kurz beschrieben:
„….„Wir werden den Karl-Bräuer-Preis nicht mehr verleihen. Und die Preisträger kriegen im Nachhinein eine neue Urkunde, in der Karl Bräuer nicht mehr vorkommt“, sagte Holznagel. Schließlich sei ihnen der Preis nicht verliehen worden, weil sie Karl Bräuer geehrt hätten, sondern weil sie in besonderer Weise das Anliegen der Steuerzahler vertreten hätten. „Wir wollen die Preisträger auch nicht in Erklärungsnöte bringen.“ Das eigene Forschungsinstitut heißt ab sofort schlicht Deutsches Steuerzahlerinstitut….“

Namen werden getilgt, Verdienste unter den Tisch gekehrt, es wird getan, als ob es diesen Menschen niemals gegeben hätte.
Rache bis in das Grab hinein, das ist weder deutsche, noch christliche Art, das ist einfach nur bösartige, unerbittliche Rache, die sich auch auf die „Erben“, also uns, die Nachkommen, erstreckt.
Michel Friedman drückte dies mit folgenden Worten aus:

„Versöhnung ist ein absolut sinnloser Begriff. Den Erben des judenmordenden NS-Staates kommt gar nichts anderes zu, als die schwere historische Verantwortung auf sich zu nehmen und zwar generationenlang und für immer.“
22. Nov. 2000 vor der Evangelischen Akademie in Tutzing
Michel Friedman

Ich kann mir lebhaft vorstellen, welchen Applaus dieser Kerl von den anwesenden „Erben“ erhielt.

Dem Steuerzahlerbund kann ich nur raten, sich aufzulösen, sind sie doch in den Fußstapfen eines Mannes getreten, den sie nun totschweigen, der aber trotzdem gewirkt hat.

Vielleicht macht sich mal jemand die Mühe und richtet im Netz eine Art Erinnerungshalle ein, in der all jene Namen aufgelistet werden, die getilgt wurden oder noch getilgt werden.

PS: Ich habe schon ein paar Mal nachgefragt und werde es bei Gelegenheit immer wieder mal tun. Hat jemand eine Kopie des Filmes „Der Fragebogen – Ami go home“ von Ernst von Salomon, der im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde oder weiß, wo ich eine solche bekommen kann.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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