Die 68er – Die große Spaltung II

Nach langer Zeit und des beinahe Vergessens stieß ich wieder auf ein Büchlein, dass ich schon lange lesen wollte und sträflicherweise nicht tat, diesmal kaufte ich es mir allerdings sofort und las es auch in einem durch, was mit nicht besonders schwer fiel.
Es trägt den Titel „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ von Konrad Lorenz. Ich kann es nur jedem empfehlen, das Büchlein gibt es auch als Hörbuch, falls jemand lieber hören sollte, denn lesen. Egal wie, ich kann meine Empfehlung nur wiederholen, kauft und lest es. Was da 1973 geschrieben wurde, ist auch heute noch brandaktuell und hilft vieles besser verstehen.

Die acht Todsünden:

Überbevölkerung

Verwüstung des Lebensraums

Der Wettlauf mit sich selbst

Wärmetod des Gefühls

Genetischer Verfall

Abreißen der Tradition

Indoktrinierbarkeit

Der 68er Revolution hat Konrad Lorenz unter der „Todsünde“, „Abreißen der Tradition“ behandelt und geht auf verschiedene Aspekte des Generationenkonfliktes und der Pubertät, der Loslösung und Selbstständigwerdung junger Menschen, ein.

Bevor Lorenz sich dem 68er-Phänomen zuwendet, betont er ausdrücklich:

„…So energisch ich im Folgenden den gefährlichen Irrtümern entgegentreten werde, denen sie sich hingeben, so unmißverständlich sei hier festgestellt, daß sie keineswegs an einem Mangel sozialen und moralischen Empfindens und noch weniger an Wertblindheit leiden. Ganz im Gegenteil: Sie haben ein ungemein richtiges Empfinden dafür, daß nicht nur etwas faul ist im Staate Dänemark, sondern daß in sehr viel größeren Staaten sehr vieles faul ist….“
Kapitel IV „Genetischer Verfall

Hier zwei längere Ausschnitte aus Kapitel VII „Abreißen der Tradition“:

Seite 70 – 71

..Die gewaltige Unterschätzung des nicht-rationalen, kulturellen Wissensschatzes und die gleiche Überschätzung dessen, was der Mensch als Homo faber mittels seiner Ratio auf die Beine zu stellen vermag, sind aber keineswegs die einzigen Faktoren, die unsere Kultur mit Vernichtung bedrohen, ja nicht einmal die ausschlaggebenden. Eine überhebliche Aufklärung hätte keinen Grund, der überkommenen Tradition ausgesprochen feindselig entgegenzutreten. Sie würde sie allenfalls so behandeln wie etwa ein Biologe eine alte Bäuerin, die ihm eindringlich versichert, daß Flöhe dadurch entstünden, daß Sägespäne mit Urin befeuchtet würden. Die Einstellung eines großen Teils der heutigen jüngeren Generation gegen die ihrer Eltern hat zwar ein gerütteltes Maß an überheblicher Verachtung, aber nichts von Milde. Die Revolution der heutigen Jugend ist von Haß getragen, und zwar von einem solchen, der dem gefährlichsten und am schwersten zu überwindenden aller Haßgefühle, dem Nationalhaß, aufs nächste verwandt ist. Mit anderen Worten, die revoltierende Jugend reagiert auf die ältere Generation in derselben Weise, in der sonst eine Kulturgruppe oder „ethnische“ Gruppe auf eine fremde und feindliche reagiert…..

Seite 73 – 74

..Die Motivation all dieser merkwürdigen, ja bizarren Ver­haltensweisen ist den betreffenden jungen Menschen völlig unbewußt, und sie geben die verschiedensten, oft recht über­zeugend klingenden Pseudo-Rationalisierungen für ihr Be­nehmen an: Sie protestieren gegen die allgemeine Gefühllosig­keit ihrer reichen Eltern für Arme und Hungernde, gegen den Krieg in Vietnam, gegen die Eigenmächtigkeit der Universi­tätsbehörden, gegen sämtliche »Establishments« aller Rich­tungen – wenn auch merkwürdig selten gegen die Vergewalti­gung der Tschechoslowakei durch die Sowjetunion. In Wirk­lichkeit aber richtet sich der Angriff ziemlich wahllos gegen alle älteren Menschen, ohne irgendwelche Berücksichtigung ihres politischen Bekenntnisses. Die linksradikalsten Professo­ren werden von linksradikalen Studenten nicht merklich we­niger beschimpft als rechts orientierte; H. Marcuse wurde ein­mal von kommunistischen Studenten unter der Führung Cohn-Bendits in der gröblichsten Weise beschimpft und mit wahrhaft hirnerweichten Anschuldigungen überhäuft, zum Beispiel wurde ihm vorgeworfen, daß er vom CIA bezahlt werde. Der Angriff war nicht dadurch motiviert, daß er einer anderen politischen Richtung, sondern ausschließlich dadurch, daß er einer anderen Generation angehört.

Ebenso unbewußt und gefühlsmäßig versteht die ältere Ge­neration die angeblichen Proteste als das, was sie wirklich sind, als haßerfüllte Kampfansagen und Beschimpfung. So kommt es zu einer rapiden und gefährlichen Eskalation eines Hasses, der – wie schon gesagt – wesensverwandt mit dem Haß verschiedener ethnischer Gruppen, d. h. mit nationalem Haß ist. Selbst als geübter Ethologe finde ich es schwer, auf die schöne blaue Bluse des wohlsituierten Kommunisten Cohn­Bendit nicht mit Zorn zu reagieren, und man braucht nur den Gesichtsausdruck solcher Leute zu beobachten, um zu wissen, daß diese Wirkung erwünscht ist. All dies verringert die Aus­sichten auf eine Verständigung auf ein Minimum…
Zitate aus: Konrad Lorenz „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“, Verlag Piper
Das Büchlein sollten auch, ich möchte sagen vor allem, die Jugendlichen lesen, die sich heute (wieder) der Revolution/der Rebellion verschrieben haben, egal welcher. Der Text wird euch nicht abhalten, er gibt Rüstzeug und zeigt sowohl Möglichkeiten, wie auch Gefahren.

In meinem Artikel „Die 68er – Die große Spaltung I“ bin ich auf andere Aspekte der 68er-Rebellion eingegangen. Die Ausführungen Konrad Lorenz` bringen hier noch einen weitere, tiefere Aspekte ein und tatsächlich, es handelte sich um einen Krieg.
Dieser Krieg wurde von großen Teilen dieser Jugend eingestellt, sie kehrte zum normalen Alltag zurück und der Krieg wäre heute wahrscheinlich schon längst vergessen, wären da nicht Kampfgruppen zurückgeblieben, die diesen Krieg schon damals aktiv befeuerten und heute noch wirken.
Diese Kampfgruppen kämpfen nicht nur gegen die Generation ihrer Eltern und Großeltern, sie kämpfen gegen das gesamte Volk, das ihre Großeltern, ihre Eltern und damit auch sie selbst hervorbrachte. Sie wollen dieses Volk verschwinden sehen, sie wollen alle Traditionen und alle Kultur dieses Volkes vernichten und dazu ist ihnen jedes Mittel recht, arbeiten sie mit jedem zusammen, der sich diesem Ziel verschrieben hat.
Dass es da einige gibt, das wissen wir, dass diese Kreise derzeit sehr, sehr mächtig sind, wissen wir auch. Dass diese Kreise nicht nur unser Volk sondern die Existenz vieler Völker bedrohen, wissen wir auch. Diese Kreise sind außerstaatlich organisiert und jedem staatlichen Zugriff oder Kontrolle entzogen.
Das Wirken dieser Kampfgruppen kann man nur als pathologisches Verhalten einstufen und ist mit anderen Geisteskrankheiten, die ebenfalls selbstzerstörerisch wirken sicherlich verwandt. Hier wirkt diese Geisteskrankheit auf einer anderen Ebene. Diese Menschen, die unter mancherlei Mangel leiden, werden von anderen benutzt, sind willige Werkzeuge in deren Händen.
Diese Generation geht nun ihrem Ende entgegen, auch sie ist nicht unsterblich, viele davon blieben kinderlos, für das Ganze gesehen, ist dies sicher kein Schaden, auch die Kinderlosigkeit wird ihre tieferen Ursachen haben und ist vielleicht auch so etwas wie eine Selektion.
C. G. Jung schrieb einst, Homosexualität könnte von der Natur durchaus die Funktion haben, damit bestimmte Menschen von der Vererbung ausgeschlossen würde. Da hatte er sicherlich nicht unrecht.

Alles geht vorüber, alles vorbei. Auch die Schockwelle, die unser Land traf,  die 68er-Revolution. Die vereinten 68er-Kräfte, mit Unterstützung durch mächtige übernational wirkende Gruppen haben zwar deutlichen Schaden angerichtet, aber nichts, was nicht wieder gutgemacht werden könnte.
Weitaus gefährlicher ist die totale Kommerzialisierung des Lebens, die Unterordnung sämtlicher Werte unter den „Wert“ des Geldes.
Geld ursprünglich ein Mittel, wurde zum Zweck, das mit allen Mitteln rücksichtslos vermehrt werden muss.
Geld ist der Wertmaßstab schlechthin geworden. Statussymbole können gekauft werden, wer Geld hat, hat Erfolg, hat es zu etwas gebracht.
„Haste was, biste was.“ Niemand frug oder fragt heute, wer er denn ist, was er denn sei, mit seinem Geld, mit seinem Besitz.
Wie er denn dazu kam, welche Geldquellen hier so reich sprudelten?
Wer denn letztendlich seine „Wertigkeit“ schuf?

Wenn wir diesen, oder auch andere Pfade, weitergehen, kommen wir sehr schnell wieder dahin, wo ein Ausgangspunkt, die Unzufriedenheit der 68er-Jugend zu suchen ist.
Es hat sich nichts geändert, quantitativ hat sich die Lage sogar noch verschlechtert.
Auch diese Jugend wurde irregeleitet. Träumte die vorherige Generation von einem Deutschen Reich, in dem sie leben, arbeiten und sicher sein konnten, von einer Gemeinschaft in der sie in Frieden leben und arbeiten konnte, so träumte die nachfolgende Jugend einen ähnlichen Traum.
Ich spreche hier von der Masse, nicht von Kampf- und Kadertruppen. Hatten die einen unter Versailles zu leiden, so litten die anderen unter der Kommerzialisierung, unter Führung der USA, unter der Zerstörung ihrer Heimat, unter einem Konsumzwang und -rausch der ohne geschichtlich seinesgleichen sucht, unter dem Verlust von Werten, die allesamt dem Geld geopfert wurden.
Damals war die Welt nicht heil, wenn auch heute mancher wehmütig zurückblickt und meint die Welt wäre damals viel besser gewesen.
Sie war es nicht, sie war anders aber nicht besser. Vielleicht müssen wir uns auch vom Traum einer besseren Welt, eines besseren Reiches oder wie immer wir es nennen, verabschieden. Es kann sein, dass es immer ein schreckliches Erwachen geben wird, dass dieser Traum ein Traum bleiben wird.
Wer träumt, ist nicht wach, wer nicht wach ist, dessen Geist ist nicht rege und aufmerksam. „Deutsche erwacht, hört auf zu träumen“, bin ich versucht zu rufen.
Vielleicht sollten wir Bescheidenheit lernen und üben. Lernen mit  Unzulänglichkeiten zu leben und anerkennen, dass es kein Paradies auf Erden gibt und geben wird. Vor allem auch deswegen, da jeder Mensch seine eigenen paradisieschen Vorstellungen hat. Was für einen das Paradies, kann für den anderen die Hölle sein.

Das bedeutet allerdings nicht, sich einem unabwendbaren Schicksal zu ergeben. Es bedeutet nur, aufzuhören zu träumen. Wer träumt, läuft immer Gefahr, da er nicht wach ist, von anderen geführt zu werden.
Von Menschen die seine Träume benützen und für ihre Ziele einsetzen. Für Ziele, die sie verborgen halten. Keiner kann hinter die Stirn des anderen sehen und erkennen, was er wirklich vorhat, wie sich jemand unter bestimmten Umständen verhält, wie sich jemand entwickelt, wenn er im Besitz der Macht ist und vor allem, wenn er im Besitz der unumschränkten Macht ist, Herr über Leben und Tod.
Wer möchte sich gerne einem anderen oder einer Gruppe auf Gedeih und Verderb ausliefern? Aber genau das wird allzu oft gemacht, meist unwissend.
Die die von Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Demokratie etc. sprechen, stehen immer hinter dem Rednerpult und wollen diejenigen vor dem Rednerpult dazu bewegen, ihnen zu folgen, sich ihnen unterzuordnen und dafür ihre Freiheit etc. aufzugeben, wobei sie letzteres natürlich verschweigen. Sie alle wollen eines, gehorsame, folg- und duldsame Gefolgsleute.

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen und zu langweilen, weise ich wieder auf den überschaubaren Rahmen hin, für den wir Menschen stammesgeschichtlich geschaffen sind und in dem wir über 90 % unserer Entwicklungsgeschichte gelebt haben.
Der Großstaat, das unübersichtliche Gebilde, das zentral gelenkt wird, ist uns Menschen fremd, wir gehen darin verloren. Diese Gebilde und Konstrukte sind unmenschlich und dienen der Beherrschung und Vermassung. Hinweg mit ihnen.

Hier geht´s zum ersten Teil.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Die 68er – Die große Spaltung II

  1. Kersti schreibt:

    Wobei zu ergänzen ist, daß die 68er Zerstörung des Nationalen und die Geldgier aus einem Nest entsprungen sind.
    Verzicht, ist so ein Wort. Sieh sich jeder in seinem Haus oder seiner Wohnung um, vieles steht rum und braucht niemand. Nichts wird repariert, so viel weggeworfen. Ist ja alles billig, auch wenn es aus China kommt, um die Welt gekarrt wurde und giftig ist. Geiz, Gier und Geld, diese 3 Gs müssen wir vergessen lernen. Jeder kann bei sich anfangen. Ich will das Ende der Globalisierung mit all ihren widerlichen Facetten. Der Feind ist bekannt, wir müssen ihm nur schaden, dazu gehört für mich in erster Linie die Verweigerung. Ich brauche auch keine Bücher lesen, um zu wissen, was da 1968 durch wen in gang gesetzt wurde. Roth und Co waren Vasallen für andere, Dummbatze wie die Linken heute, die durch die Einwanderung den Konzernen und Banken zuarbeiten. Sie sind Verblendete, ebenso wie die Einwanderer selbst nur Mittel zum Zweck sind. Wer sich aus seinem Netzwerk reißen läßt, muß andernorts neu anfangen, Papiere bezahlen, Waren anschaffen=Kredite aufnehmen. nach 1990 bekamen diese Kräfte noch einen letzten Schubs durch die Osterweiterung, jetzt ist jedoch auch dieser Markt abgedeckt, jetzt ist es Zeit, daß sie verschwinden, diese Kräfte. Amifilme schau ich auch nicht mehr, diese Propaganda aus Hollywood. Raumschiff Enterprice war die Vordenke für das Bild heute in unseren Großstädten.
    Es ist zwar alles zerstört, aber man kann alles wieder rückgängig machen, nur brauchen wir andere Medien und Politiker.

Kommentare sind geschlossen.