Wahlkrampf verloren

Die EU hat den Wahlkrampf in Italien verloren, ER ist wieder da, der vielgeschmähte und gescholtene Berlusconi. Junge Mädchen, Bungapartys und alles was an sexueller Freizügigkeit ansonsten großzügig gewährt oder gar eingefordert wird, wird bei dem Stehaufmännchen und Milliardär Berlusconi angeprangert. Gerade so, als ob wir Buntesdeutschen an die Wahlurne gebeten würden.

Italien hat gewählt und Italien sagt Basta, so WeltOnline.
Basta zu Europa, übersetzt zur EU und zum Euro. Berlusconi und der Komiker Beppe Grillo haben gewonnen. Da werden wir noch einiges zu hören bekommen, wie auch die anderen Völker die in die EU eingegliedert wurden und gleichgeschaltet werden sollen.

Die Propaganda wird weiter auf Hochtouren laufen, die sog. Kabarettisten, die Hanswursten der staatlichen Propaganda, werden sich geradezu überschlagen, Politiker eines souveränen Staates werden geschmäht werden, Wähler dieser Politiker verächtlich gemacht werden und noch mehr „Verbrechen“ Berlusconis werden ans Tageslicht gezerrt werden.

Wieso das alles?
Wir haben doch unsere Kanzlerin und die steht treu und fest an der Seite derjenigen, die sich angeschickt haben die europäischen Völker auszubeuten, zu unterjochen und gleichzuschalten. Es ist keine der im Bundestag vertretenen Parteien auch nur im Entferntesten EU-kritisch oder europakritisch, wie die Propaganda sagen würde.
Alles in bester Ordnung, im deutschen Haus, so möchte man meinen.

Ja was könnte denn passieren, welch Unheil könnte über die Republik hereinbrechen?
Ein Erdrutsch, ein Erdrutsch bei den nächsten Bundestagswahlen, ein Erdrütschchen bei den Landtagswahlen.
Das ist es was sie fürchten. Denn auch in der gar nicht so bunten Republik, das ist die, die in den Herzen der Deutschen zu Hause ist, brodelt und gärt es. Es könnte durchaus sein, dass eine erkleckliche Anzahl von Wählern ihr Kreuzchen, beispielsweise bei der NPD machen könnte und damit eine ernsthafte Krise auslösen würde.
Eine ernsthafte Krise löst natürlich nicht die Wahl der NPD aus oder deren politisches Personal. Das ist es nicht, was die Systemparteien fürchten. Die NPD ist in diesem Zusammenhang zweitrangig.
Was allerdings erstrangig wäre, wäre die Änderung im Wahlverhalten der Deutschen. Die damit erstmalig ihrem Protest eine Stimme gegeben hätten und zwar am Wahltag, nicht nur am Stammtisch, im Netz oder im privaten Rahmen.
Sondern genau dann und dort, wo es weh tut und niemand mehr den Protest übersehen kann und evtl. weitere Unentschlossene dazu animieren könnte, bei der nächsten Wahl das gleiche zu tun. Was natürlich auch nicht übersehen werden darf, die Deutschen könnten feststellen, dass die Welt davon auch nicht untergeht, dies nicht die Auferstehung des Satans wäre, wie es so gerne propagiert wird.

Wer heute Volksabstimmungen zur EU fordert, der braucht nur zur Wahl zu gehen und die jeweils stärkste Kraft zu wählen, die sich gegen den  Verbleib in der EU ausspricht. Für die Kraft, die nicht mitmacht beim Reformieren der EU und doch alles beim alten lassen will, sich nur ein paar Pöstchen für verdiente Parteifunktionäre sucht, um dann langsam aber sicher wieder in der Versenkung zu verschwinden oder um sich auch in den Dienst des Systems zu stellen, was man dann gerne politikfähig und sich politischen Zwängen unterstellen nennt.

Wenn wir Ernst Jünger folgen wollen, der im „Waldgang“ behauptet, Wahlen seien ein Fragebogen des Systems, dann beantworten wir doch die Frage. Scheuchen wir den Hühnerhaufen auf, lassen wir sie gackern. Geben wir unserem Protest eine Stimme, setzen wir ein Zeichen.

Mit „Wir“ meine ich jetzt nicht die Deutschen im Allgemeinen, mit „Wir“ meine ich diejenigen Deutschen, die oppositionell wirken und denken. Denn nicht einmal die sind in der Lage ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Sie reden von Einheit und gleichzeitig von diesem und jenem, dass sie abhält bzw. fordern, damit die Einheit zustande kommen kann.
Lieber wählt man Freie Wähler oder FDP oder geht gar nicht zur Wahl. Sind ja eh alle gleich, Wahlen werden gefälscht, bringt eh nichts und wie die Argumente der Wahlverweigerer, der sich bewusst ihrer Stimme beraubenden, noch alle lauten.

Merkt euch, die, die Schweigen, die hört man nicht. Was im Netz von sich gegeben wird, das zählt nicht, gezählt werden die Stimmen, die die am Wahltag abgegeben werden. Diese Stimmen sind eine Materialisierung des Protestes.
Lasst uns Protestierer auch Protestwählen, machen wir den Protest zählbar. Egal was alles dagegen spricht, was kostet es. Es ist risikolos, man muss nicht einmal den Allerwertesten vom Kanapee erheben, es gibt auch die Möglichkeit der Briefwahl. Der Gang zum Briefkasten wird doch noch im Rahmen des Erbringbaren sein, oder?

Wer meint, es sei egal ob man wählt oder nicht. Der soll wählen gehen.
Wer meint, es ändere nichts. Der soll wählen gehen. Ob es etwas ändert, kann er doch erst sagen, wenn sich am Sitzverhältnis etwas geändert hat. Keine faulen Ausreden, handeln ist angesagt.
Wer mein, Wahlen würden gefälscht. Der soll wählen gehen und bei der Stimmauszählung im Wahllokal bleiben. Wobei ich nicht glaube, dass Wahlen im großen Stil gefälscht werden. Einzelne Stimmen kann man verschwinden lassen und fallen auch sicherlich unter den Tisch, das will ich nicht bestreiten, es wird allerdings nicht nur im Bereich der oppositionellen Stimmen „geschummelt“. Eine große Menge an Stimmen unter den Tisch fallen zu lassen, ist eine andere Sache, dazu bedarf es der Vorbereitung. Überraschen wir sie.

Wer weiß schon, wer im Netz alles die Meinung vertritt, Wahlverweigerung sei ein Ausdruck des Protestes. Könnten dahinter nicht auch Leute des Systems stecken?
Sicher könnten es Systemlinge sein, solche die bewusst eingesetzt werden und solche die bewusst und aus eigenem Antrieb den Widerstand schwächen wollen. Damit unterstelle ich nicht jedem Wahlverweigerer solches Tun, nur um das auch gesagt zu haben. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankisten. Trau, schau wem.
Hohe Parteifunktionäre der Opposition haben sich schon als Systemlinge, als gekaufte Verräter erwiesen, wieviel mehr mag es da noch im Bereich des Fußvolkes geben.
Wer glaubt denn noch, dass es sich in Foren und Kommentarbereichen nicht noch mehr dieser Leute herumtreiben. Die EU gibt offiziell Geld dafür aus, EU-Beamte und Werbeagenturen werden eingesetzt, um Stimmungen im Netz zu beeinflussen.
Lasst euch nicht kirre machen, von nichts und niemandem.
Geht zur Wahl, verleiht eurer Stimme Ausdruck. Boykotte hier und da, sind sicherlich ein Mittel, aber nur ein Mittel. Der Gegner kämpft auf der vollen Bandbreite und wir, was machen wir, wir beschränken uns selbst, wir kastrieren uns und nehmen freiwillig nicht alle Mittel des oppositionellen Kampfes in Anspruch.
Besser geht´s doch gar nicht, für den Gegner. Das der die Opposition nicht sonderlich ernst nimmt, ist kein Wunder. Sind wir doch ein armseliger Haufen, der wild durcheinander rennt, manchmal aufgeregt gackert, wenn der Habicht unter uns fährt, um sich dann wieder dem Gackern zuzuwenden.

Schaut euch die Überschriften der Propagandamedien an, wie sie aufheulen, wenn irgendwo innerhalb der EU ein Wahlergebnis zustande kommt, das nicht proeuropäisch, sprich pro EU, gewertet werden kann. Dann werdet ihr sehen, dass Wahlen sehr wohl etwas verändern können, sonst würden sie nicht dermaßen scharf und andauernd reagieren.
Wir sind berechenbar. Wenn man sich die bösen Seiten von Rechts etwas genauer ansieht, was findet man da. Abgrenzungen, kleinliche Streitereien, überhebliches Getue und viel, viel Geschimpfe und Herumgemosere. Gemosert wird über dies und das, über die blöden Bundesbürger, über all jene, die nicht so wollen wie man selbst, die dies und jenes nicht tun. Alles wunderbar und wunderbar folgenlos.
Wunderbare Theorien werden entworfen, wie der Widerstand zu organisieren sei, welche Kleidung auf Demonstrationen zu tragen sei, wie der zukünftige Staat auszuschauen habe etc. etc.. Nur, interessieren tut es keinen, das alles ist meilenweit vom Alltag der Deutschen entfernt, das alles ist Subkultur, man bewegt sich innerhalb einer Gruppe von Menschen, die weitestgehend einer Meinung sind, der Rest ist bescheuert und nicht einmal in der Lage sich die Schuhe selbst zu binden.
Nur, was geschieht in und mit einer solchen Gruppenbildung? Man entfernt sich, man kapselt sich ab, auch wenn man sagt, jeder darf mitmachen, es kommt aber nicht jeder, es kommen nur jene, die sowieso schon derselben Meinung sind, der Rest macht einen Bogen darum.
Das Ergebnis ist, man schmort im eigenen Saft und wie es halt so ist, wenn nichts dazukommt, die Soße verkocht.

Dasselbe gilt natürlich auch im Netz.
Es werden Kommentare geschrieben, Kommentare auf Artikel und Kommentare folgen auf Kommentare. Abweichende Meinungen werden, i. d. R., sofort beantwortet und auf irgendeine Art und Weise niedergekämpft. Das ist ja Ausdruck Meinungsfreiheit, man darf sagen was man will und dazu gehört auch, dass man mit der Meinung des anderen nicht einverstanden ist und dies auch deutlich(st) zum Ausdruck bringt.
Ist das wirklich so? Ich sage nein. Wer seine Meinung niederschreibt oder sagt, muss nicht damit rechnen müssen, dass seine Meinung sofort zur Disposition gestellt wird und/oder er diese rechtfertigen muss.
Es ist seine Meinung, er sagt sie und damit hat sich die Sache.
Wenn jemand anderer Meinung ist, dann soll dieser SEINE Meinung sagen, ohne die Meinung des anderen dadurch direkt anzugreifen. Damit ist die Sache im Prinzip erledigt, jeder hat seine Meinung kundgetan und die des anderen gelten lassen.
Die ganze Diskutiererei bringt nichts, überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil, sie hält andere davon ab, ihre Meinung zu äußern und was auch noch wichtig ist, durch Diskussionen werden nicht bessere Ergebnisse erzielt, nicht das bessere Argument gewinnt, nicht die „Wahrheit“ wird herausgearbeitet. Es wird nur palavert und andere werden von ihrer Meinungsäußerung abgehalten, da sie sich selbst in der Anonymität des Netzes nicht persönlich angreifen lassen wollen.
Das ist auch ein Grund, wieso sog. Diskussions- oder Gesprächsrunden nur von Gleichgesinnten besucht werden, auch im Netz ist dies so, von ein paar Streithanseln oder solchen die bestimmte Absichten verfolgen abgesehen.

Nun aber wieder zurück zu den Wahlen. Wählen ist sinnvoll, auch wenn sich keine Partei findet, die man in allen Punkten unterstützen kann. Viele Leser haben ja meist schon ihre Wahlerfahrungen hinter sich und können ihr früheres Wahlverhalten überprüfen, ob sie immer mit der Partei einverstanden waren, die ja meist eine Systempartei gewesen sein dürfte, oder viele, viele Abstriche gemacht haben aber diese Systempartei dann doch gewählt haben.
Nun stellt sich die Frage, wähle ich eine Systempartei, das kleinere Übel, eine Nichtsystempartei, dabei am besten die stärkste Kraft oder gehe ich gar nicht zum Wählen und stärke damit automatisch die Systemparteien in Gänze, was ja eine direkte Folge des Nichtwählens ist?
Diese Frage muss sich jeder stellen und beantworten und zwar mit aller Konsequenz.
Ausreden sind wie Mauselöcher, überall ist eines zu finden.

 

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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9 Antworten zu Wahlkrampf verloren

  1. ubjay schreibt:

    Dem Gesagten bzw. Geschriebenen kann ich mich nur anschliessen und möchte hinzufügen, dass die nächste Wahl durchaus die letzte Wahl sein könnte.
    Wenn die Eurokraten erst ihr Ziel der absoluten Macht über Europa erreicht haben, werden sie keinen Finger breit mehr davon zurückweichen.
    Und die Einheitsparteien wählen heißt für den europäischen Superstaat wählen.
    Und nicht wählen auch.

  2. ubjay schreibt:

    Zum besseren Verständnis der letzten 100 Jahre europäischer Geschichte möchte ich noch das Buch von Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island“ empfehlen.
    Untertitel:
    Die US Notenbank Federal Reserve
    Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf.

  3. Pingback: Beppe Grillo: “Die Deutschen sollen auch 5 Sterne wählen” | rundertischdgf

  4. rundertischdgf schreibt:

    War Beppe Grillo ein reinigendes Gewitter für Italien und Europa? Dieser Aufsatz von Gerhard ist der Versuch zu erklären, warum solch ein Phänomen in Deutschland (noch) nicht möglich ist.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/02/26/beppe-grillo-die-deutschen-sollen-auch-5-sterne-wahlen/

  5. GFC schreibt:

    Ausgezeichnetes Kommentar, Herr Bauer, volle Zustimmung!

    Ich kann nur hoffen, dass die aufkeimende Opposition vom System nicht vereinnahmt wird. Und ich bin sicher, dass es unter der rechten Netzgemeinde auch vom Staat bezahlten agents provocateur gibt.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Und nicht zu wenige.
      Meine Devise: Je wortradikaler/-extremer, desto mehr Vorsicht lasse ich walten, ansonsten beobachte ich sehr aufmerksam. Falsche Fuffziger können sich nur eine gewisse Zeitlang verstellen und verbergen.

      • Moritz Haberland schreibt:

        Ziat: „Je wortradikaler/-extremer, desto mehr Vorsicht lasse ich walten, …“

        Jeder, der jemals politisch (und / oder publizistisch oder beides) tätig war,
        kennt genau diese Vorsicht. Die „größten Revolutionäre“ aus schwierigen
        DDR-Zeiten habe ich sämtlichst in meiner Stasiakte als IM wiedergefunden.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Werter GFC, wie wird in den USA die Ernennung Hagels zum Verteidigungsminister gesehen? Scheint zumindest ein interessanter Mann zu sein, der ein bisschen aus dem Rahmen fällt, den man normalerweise so gewohnt ist.
      Viele Grüße aus Bayern
      Gerhard Bauer

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