Woanders gelesen: Das braune Hessen

Das “braune” Hessen

92 Abgeordnete hatten braune Vergangenheit

(Info in der Rhein-Main-Zeitung der FAZ vom 20.2.2013)

Ein Beitrag über die nachwirkende ”Charakterwäsche” in den deutschen Landen

von Herbert Gassen:

Da fragt der Herr Wissenschaftler aus Marburg: Hat die Mitgliedschaft in der NSDAP oder die entsprechende ideologische Orientierung die politische Arbeit (im hessischen Landtag) nach 1945 beeinflußt, und wenn ja, in welcher Weise? Es werden Namen genannt wie Dregger, Arndt und Koch.
Kann mir ein Mensch auf dieser Welt erklären, was diese Fragestellung im Jahre 2013, also rd. 70 Jahre nach Ende des Krieges bedeuten soll? Was kann eine Antwort so oder so bewirken?
Wenn sie ihr Geld (!) wert sein soll, dann muß gefragt werden: Welche Auswirkungen haben die abgelaufene Zeitperioden politischer Polaritäten und Perversitäten im 20. Jahrhundert untereinander, miteinander und nacheinander gehabt? In Deutschland: Kaiserreich, versagende Demokratie, ‚sozialistische‘ Diktaturen und wiederum eine aus dem Ruder laufende, fremdbestimmte Demokratur.

Wo zum Teufel hätten die Menschen herkommen können, die nach dem 8. Mai 1945 aufgrund ihrer bitteren Erfahrungen versuchten, einen sittlich, menschlich geprägten Staat auf der Basis der beispielhaften, aber verratenen politischen und geistigen Geschichte Deutschlands aufzubauen? Die da mithalfen, aus dem Trümmerhaufen Deutschland etwas zu machen, – anfangs ging es um ein dichtes Dach über dem Kopf und ein Stück trockenes Brot -, waren alle Angehörige eines Volkes, mehr oder weniger in dem untergegangenen System verstrickt. Sie hatten alle in der Zeit von 1933 bis dahin gelebt. Keiner von ihnen war dem Einfluß der NSDAP entgangen.
Sie waren nach Millionen Toter auf den Schlachtfeldern, der vernichteten Städte und allen anderen Orten des Mordens übriggeblieben. Es waren nicht die Truppen des Führers, die Berlin wieder aufräumten, sondern die sog. ‚Trümmerfrauen‘. Hat man sie gefragt: Warst Du in der NS-Frauenschaft oder dem BDM? Unter diesen Umständen wurde die Bundesrepublik wieder zusammengeflickt, vom geteilten Berlin bis in den Landtag von Wiesbaden.
Es hatten nicht nur 92 Abgeordnete eine braune Vergangenheit, sondern es waren Millionen deutscher Menschen, die eine solche hatten. Was hätte man nach den Vorstellungen des Herrn Wissenschaftlers tun sollen? Er hätte sie alle liquidieren müssen. Solche Vorstellungen gab es in den Kreisen unserer Sieger in der Tat. Dann wäre eine Kaste übriggeblieben, die allerdings nicht den Weg bis kurz vor ein gemeinsames Europa geschafft hätte. Es würde keine Bundesrepublik geben, die das ganze europäische Elend gegenwärtig finanzieren könnte.

Aus den Reihen der Sieger hätten die Strategen des Bombenkrieges oder die Baumeister von Workuta Zentraleuropa nach ihren Vorstellungen neu kolonisieren können. Sie hatten bewiesen, dass sie in nichts den verbrecherischen Methoden der ‚Braunen‘ nachstanden. 12 Millionen Vertriebene, rd. 3 Millionen Ermordete sind hierfür Zeuge.
Was sie damals nicht unmittelbar im Anschluß an das Ende des Krieges hatten tun können oder wollen, vollenden sie gegenwärtig in einer deutschfeindlichen Kulturrevolution unter den Prämissen der 68er ‚Gutmenschen‘-Ideologie bis hin zur Vernichtung des ‚Struwwelpeters‘.

Der Herr Wissenschaftler übersieht, dass es in Europa nicht nur Nazis gegeben hat, sondern die Brutalität des gegenseitigen Abschlachtens war die Prägung einer Epoche von 1914 bis 1945. Was ist mit den Vorbildern der Nazis, den Bolschewisten des Ostens? Haben sie ihren Einfluß nach 1945 über die eroberten Nationen aufgegeben?
Welchen Einfluß üben die immer noch bestehenden Seilschaften der SED-Diktatur auf die BRD nach 1990 aus? Die Getreuen des Genossen Stalin sind mehr als einflußreich unter dem Schutzmantel der Demokratie aktiv. Wer sind die Akteure in der von der DDR aufgebauten Antifa? Wer steht an der Spitze des ‚Kampfes gegen Rechts‘, der gegen jeden nationalen, patriotischen Gedanken gerichtet ist, nicht gegen das politische Verbrechen an sich. Er ist die staatlich implizierte Organisation gegen die im Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit. Sog. ‚IM’s bis hin zu nicht unbedeutenden SED-Kultur­funktionären arbeiten heute aktuell in höchsten Regierungs- und Parlamentspositionen.
Fakt ist, dass die Nachkommen der braunen Wehrmacht zur Verteidigung gegen die roten Interessen wieder zu den Waffen gerufen wurden.

Die Frage nach dem ‚braunen‘ Einfluß ist doch müßig und keinen Pfennig wert. Die Frage muß lauten: Was waren die Ursachen, dass eine NSDAP überhaupt entstehen und dann sogar die Macht in Deutschland übernehmen konnte. Dass es einen Hitler gegeben hat, weiß mittlerweile dank einer entsprechenden Medienarbeit ein jeder, aber was waren die Gründe, dass es ihn in dieser Gewalt hat geben können? Wenn diese Frage wissenschaftlich objektiv beantwortet wird, können wir das Ergebnis möglicherweise auf die aktuelle Situation der Bundesrepublik und gar Europa anwenden.

In den Reihen der im Artikel genannten Personen sog. ‚brauner‘ Vergangenheit gearbeitet zu haben, rechne ich mir als Verdienst an.

http://altmod.de/?p=2600

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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Eine Antwort zu Woanders gelesen: Das braune Hessen

  1. Moritz Haberland schreibt:

    Gregor Mendel, der die revolutionäre Entdeckung der Erbgesetze machte und, den Generationensprung von der F0 auf die F2 und von der F1 auf die F3 – Generation nachwies, was bedeutet, daß die Erbmerkmale von den Großeltern auf die Enkel mittels Vererbung durch die „dazwischenliegende“ Elterngeneration bedingt, hat alle erforderlichen Erklärungen geliefert.

    Weiterdenken anempfohlen.

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