Das Spiel mit den Glasperlen

Das Spiel mit den Glasperlen

Frühere „Entdecker“, Eroberer und Geschäftsleute brachten den Einheimischen wertlosen Tand, darunter auch Glasperlen und nahmen im Tausch ihre wertvollen Güter, sie wurden reich, nicht an Glasperlen, sondern an Gütern die wirklich wert besaßen und behielten, wie da wären Land, Produktions- und Transportmittel u. ä..

Wie jeder deutlich erkennen kann, wurden hier die „Primitiven“ ziemlich rücksichtslos über den Tisch gezogen, wenn sie nicht parierten oder diesem Handel nicht zustimmen wollten, wurden sie nicht nur entdeckt, sondern erobert und mit Waffengewalt gezwungen an dem Handel teil zu nehmen oder gleich ihrer Habe beraubt. Selbst schuld, wenn sie am freien Handel, am freien Wirtschaftssystem nicht teilnehmen wollen. Oder?

Es handelte es sich um das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, die eine überlegen, die andere rückständig und primitiv. Da darf man ja seine Überlegenheit nutzen, dient sie doch dem eigenen Wohl, dem Wohl des eigenen Volkes, wenn auch in wesentlich geringerem Umfange, aber immerhin. Man will ja nicht so sein. Den Rest der Beute dürfen auch die unteren Schichten bekommen, sollen auch nicht leben wie die Hunde, sonst fällt es zu sehr auf und die Kerle riskieren ihr Leben nicht mehr, das wollen wir doch auch nicht, so der Glasperlenspieler.

Wie ist es aber heute?
Was bekommen wir für unsere wertvollen Güter, für die Güter die wir schaffen, die in unserem Land produziert werden, die dadurch produziert werden, da wir erfindungsreich, fleißig, diszipliniert, ordentlich etc. sind?
Richtig, wir bekommen keine Glasperlen, keine verrosteten, keine minderwertigen Äxte oder verseuchte Decken.
Wir bekommen Papier, bedrucktes Papier, das keinerlei Gegenwert besitzt, lediglich der Brennwert ist ein Wert. Heute ist das Papier was wert, sprich man bekommt eine gewisse Menge an anderen Gütern dafür, morgen ist es nichts mehr wert und man kann sich den Allerwertesten damit reinigen.
Eines dieser Papiere nennt sich Euro, das noch wertlosere Papier, das wir für unsere Leistungen erhalten, nennt sich Dollar. Gegen dieses Altpapier, das bei umweltgerechter Entsorgung sogar noch Geld kosten dürfte, bekommen wir dafür, dass wir Exportweltmeister sind. Andere bekommen für ihre wertvollen Bodenschätze dieses Alt- und/oder Klopapier.
Was geschieht, wenn man am freien Handel, am freien Handel der Glasperlenspieler nicht teilnehmen will, ihr bunt bedrucktes Papier nicht nehmen will.
Richtig, man wird erobert, die Schätze werden dann zu den Bedingungen der freien Kaufleute abtransportiert.

Treffen hier wieder zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander?

Ja, eindeutig. Auf der einen Seite diejenigen die das Papier gegen wertvolle Dinge eintauschen, auf der anderen Seite diejenigen, die dieses Altpapier für ihre wertvollen Dinge bekommen. Viele sind sogar noch so rückständig, dass wir uns für das liebe Geld, das bedruckte Papier, die Glasperlen krumm machen, ihre Heimat verkaufen, alles tun, um Berge von Glasperlen anzuhäufen.
Glasperlen versprechen Sicherheit, ein Leben ohne Armut, vor einigen Jahrzehnten lehrte man uns Kinder in der Schule, dass in primitiven Ländern, Kinder der Reichtum der Zukunft sein, die Altersabsicherung bedeuten, in fortschrittlichen Ländern, also bei uns, gäbe es eine Rentenversicherung, man sie nicht mehr auf Kinder angewiesen und heute ist man gar soweit, dass Kinder eine Belastung sind, ein Armutsrisiko und bejammert gleichzeitig das Fehlen von Kindern, das steigende Armutsrisiko im Alter, den sog. Pflegenotstand usw..

Hier haben die Glasperlenspieler ganze Arbeit geleistet. Sie brachten die Glasperlenspieler auf breiter Front dazu, ihre wertvollen Dinge gegen Tand abzugeben und um möglichst viel Tand zu erhalten, verzichteten diese sogar noch auf ihren Nachwuchs, da man ja, wie man weiß, von bedrucktem Papier bestens leben kann.
Wieso aber geben die Glasperlenspieler ihr wertvolles Gut, das bedruckte Papier, gegen so wertlose Dinge wie Bodenschätze, Nahrungsmittel, Erfindungen, Arbeitskraft?
Normalerweise müssten sie ihre bedruckten Scheine horten, das tun sie aber nicht, sind sie vielleicht die unterlegene Kultur und wir die Glasperlenempfänger die überlegene?

Noch ein Wort zu den verseuchten Decken, die ausgegeben wurden. Was bekommen wir denn alles an Verseuchtem dafür, dass wir arbeiten, Werte schaffen, wir werden dafür verseucht, körperlich und geistig. Körperlich mit minderwertigem Fraß, Substanzen die Körper und Geist schädigen und geistig werden wir überflutet mit schädlichen und schändlichen Einflüssen, werden die Gehirne der Menschen, vor allem der Kinder vergiftet.

Aber macht ja nichts, wir sind ja soooo aufgeklärt, so fortschrittlich, so gut gebildet, uns kann nichts etwas anhaben.  Ihr gut Gebildeten, wisst ihr schon, dass ihr von den Glasperlenspielern gebildet werden, dass diese bestimmen was gebildet ist und was nicht, was ihr wissen dürft/sollt und was nicht?
Gedanken zum Thema Bildung findet ihr auch hier.

Wer sind die Glasperlenspieler?
Wer sind die, die uns weismachen wollen, Glasperlen seien ein wertvolles Gut?

Advertisements

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter Finanzwirtschaft abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Das Spiel mit den Glasperlen

  1. Moritz Haberland schreibt:

    Ja nun, das haben die objektiv Glasperlengeschädigten längst soweit verinnerlicht, daß eine äußerliche Gewinn – und Verlustrechnung gar nicht mehr auf irgendeiner Tagesordnung steht.

    Das Erkennen der wirklich(!) eigenen Interessen
    ist bei „Familie Mustermann“ nicht weit verbreitet.

  2. Kersti schreibt:

    Es ist bei unseren Landesfürsten keine Dummheit, es ist Vorsatz und Bösartigkeit, daß unser Volk von einer bestimmten Clique über den Tisch gezogen wird.

    • Horitz Haberland schreibt:

      Stimmt, Kersti ! Ich sage meinen Schweinen auch nicht, wohin die Reise geht, wenn ich sie auf den LKW des Schlachthofes treibe 😦 .

      • Reactionär schreibt:

        Was passiert, wenn Du es ihnen sagst?

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Ich bleibe im Gleichnis. Nichts. Wenn kein entsprechendes Bewusstsein vorhanden ist, kannst Du Dich auf den Kopf stellen und mit dem Allerwertesten wackeln und es geschieht nichts.

        So ist es, wenn eine in solchen Dingen überlegene Kultur auf eine unterlegene trifft. In unserem Fall trifft zwar keine überlegene Kultur auf uns, aber eine, in diesen Dingen, überlegene Gruppe von Menschen auf unterlegene Menschen. Mit „überlegen“ meine ich nicht die politische Elite und mag sie noch so hoch im Rang sein, die sind Dienstleister oder Handlanger.
        Es ist eine in wirtschaftlichen Dingen überlegene Gruppe von Menschen, die ihre Überlegenheit nicht zum Wohle der Menschheit anwendet, sondern gewissenlos ihre eigenen Macht- und Finanzinteressen durch- und umsetzt. Das funktioniert nur mit Menschen, denen das notwendige Rüstzeug fehlt, um zu erkennen, worum es geht.
        Um zu verhindern, dass eine größere Anzahl von Menschen in den Besitz geistigen Rüstzeugs kommen, werden die Bildungseinrichtungen in Ausbildungsstätten für die Glasperlenspieler umfunktioniert, in denen den Menschen lediglich das gelehrt wird, was den Glasperlenspielern nützt.
        Mittel perfektionierter Gehirnwascheinrichtungen, Vollwäsche, wird versucht direkten Einfluss auf das Denken der Menschen zu nehmen. Dazu brauchen sie keine Chips oder ähnliches, sie haben die Unterhaltungsindustrie, Wissenschaft oder was sich so nennt und alle anderen relevanten Bereiche voll im Griff.
        Selbst das Netz wird von ihnen beherrscht. Das wir hier veröffentlichen und diskutieren können, nützt auch den Glasperlenspielern, und dieser Nutzen darf nicht unterschätzt werden. Sie wissen genau, wieviele wir sind, wo wir wohnen, was wir denken und zu was wir bereit sind und zu was nicht. Im Netz sind wir ein Lesebuch.

      • Moritz Haberland schreibt:

        Das ist eine gute Frage … und, wenn wir das Gleichnis benutzen, was würden wir in dieser Situation, in der wir uns längst befinden, eigentlich antworten ?

Kommentare sind geschlossen.