Offener Brief von Herbert Gassen


                                                                                                                                                       22. Oktober 2012

OFFENER BRIEF

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
sehr geehrter Herr Bundesratspräsident,
sehr geehrter Herr Generalbundesanwalt,

 

vor längerer Zeit hatte ich anläßlich einer Veranstaltung des Studienzentrums Weikersheim Gelegenheit, mit dem Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. W. Daschitschew, ein ehemaliger Berater des damaligen Generalsekretärs des Zentralkomitees des KPdSU Michail Gorbatschow, sprechen zu können.

Im Zusammenhang mit dem Problem der Wiedervereinigung erklärte er mir unter vier Augen, daß die deutschen Verhandlungspartner das Angebot, die deutschen OST-Gebiete (Grenze 1937!) übernehmen zu können, kategorisch abgelehnt hätten. Da es für mich kaum möglich war, eine derart schwerwiegende Aussage in einer öffentlichen Diskussion beweisen zu können, bewahrte ich Stillschweigen darüber.

 

In den Vertraulichen Mitteilungen Nr. 4001 vom 16. Oktober erschien unter Punkt 9 folgende Information:

 

 „. . . nur die ,DDR‘ sollte angegliedert werden“

 

Aus dem Nachlaß des russischen Dolmetschers Ernst Albrecht Nagorny soll hervorgehen, daß der letzte Sowjetführer Michail Gorbatschow im Zuge der deutschen Wiedervereinigung auch gerne die ehemals deutschen Ostgebiete abgetreten hätte. Doch die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher soll dies — zu Gorbatschows Verwunderung — abgelehnt haben.

Laut Nagornys Unterlagen habe Gorbatschow schon 1990 im kleineren und vertrauten Kreis in Dresden auf die Frage, ob im Zusammenhang mit einer Vereinigung Mitteldeutschlands („DDR“) mit der Bundes­republik auch eine Angliederung früherer deutscher Ostgebiete geplant war, wie folgt geantwortet: „Ja, das wollte ich. Wir hatten die Universität in Moskau beauftragt, Pläne für die Wiedervereinigung Deutsch­lands mit seinen polnisch besetzten Teilen auszuarbeiten. Aber bei den 2-plus-4-Verhandlungen mußte ich zu meinem Erstaunen feststellen, daß Bundeskanzler Helmut Kohl und sein Außenminister Hans-Dietrich Genscher die deutschen Ostgebiete — Ostpreußen, Pommern und Schlesien — gar nicht wollten. Die Polen wären bereit gewesen, die deutschen Provinzen an Deutschland zurückzugeben. Aber Genscher hat die polnische Regierung in Warschau bekniet, an der Oder-Neiße-Linie festzuhalten. ,Die Deutschen akzeptieren diese Grenze‘, waren seine Worte — nur die ,DDR‘ sollte angegliedert werden.“ (tb)

 

Es besteht ein berechtigter Anlaß, den Inhalt der Nachricht von allen Institutionen des Staates der Bundesrepublik Deutschland zu überprüfen. Eine Unterlassung, diese Meldung auf ihren Wahrheitsgehalt zu recherchieren, wäre verhängnisvoll für die Darstellung der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Auswirkungen auf die nationale und internationale Entwicklung der Bundesrepublik bis heute.

Sollte die vorliegende Information den Tatsachen entsprechen, wäre es ein unverzeihliches Verhalten der bundesrepublikanischen Politelite, sie seither verschwiegen zu haben.

 

Ich stelle hiermit den Antrag, dass Sie, meine Herren, alles in Ihrer Macht Befindliche tun, die volle Wahrheit über die Vorgänge bei der Teilvereinigung Deutschlands, insbesondere der bedingungslosen Aufgabe der deutschen Ostgebiete, herauszufinden und offenzulegen.

 

 

Mit vorzüglicher Hochachtung

 

gez. Herbert Gassen

Info von Lutz Rudtke

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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